Medienmitteilung
BFS: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Schweiz 2003
2004-09-02T09:15:00
(ots) - Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Schweiz 2003 Flaute in der Schweizer Wirtschaft Nach ersten Hochrechnungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) ist
das BIP im Jahr 2003 geschrumpft. Diese Negativentwicklung ist
hauptsächlich auf die geringe Nachfrage aus dem Ausland
zurückzuführen. Aber auch der Inlandsmarkt stagniert. Mit Ausnahme
der chemischen Industrie, des Baugewerbes sowie der Energie- und
Wasserversorgung zeigen die übrigen Branchen der Schweizer
Wirtschaft nach wie vor Anzeichen von Schwäche. Einzig die
Wohnbauinvestitionen erwiesen sich als Stütze für die Nachfrage aus
dem Inland. Das BIP zu laufenden Preisen nahm 2003 gegenüber dem
Vorjahr um 0,5% auf 433 Milliarden Franken zu. Die mässige Erhöhung
des allgemeinen Preisniveaus (+0,9%) hatte zur Folge, dass das BIP
zu Preisen des Vorjahres um 0,4% zurückging. Ein Jahr zuvor war noch
ein Plus von 0,3% zu Preisen des Vorjahres notiert worden. Die
ersten Schätzungen des BIP basieren auf den verschiedenen
Verwendungsarten sowie auf der Entwicklung der
Wertschöpfungsentstehung der verschiedenen Sektoren
(produktionsbasierter Ansatz). Kostenrationalisierungen halten
Konsequenzen des Rückgangs der Produktionstätigkeit in Grenzen Der
bereits 2002 festgestellte Kostenrationalisierungsprozess setzte
sich auch 2003 fort. Er reichte diesmal jedoch nicht aus, um den
Rückgang der Produktionstätigkeit im Sektor der nichtfinanziellen
Kapitalgesellschaften (marktbestimmte Produktion nichtfinanzieller
Waren und Dienstleistungen) vollständig auszugleichen. Dieser Sektor
verzeichnete sowohl zu laufenden Preisen als auch zu Preisen des
Vorjahres eine negative Wertschöpfungsentwicklung. Einzig die
chemische Industrie, die Energie- und Wasserversorgung sowie das
Bauwesen und der Verkehrsbereich vermeldeten positive
Wertschöpfungsentwicklungen. Demgegenüber hatten der primäre Sektor,
die Metallerzeugung und bearbeitung, die Maschinenindustrie, die
Bekleidungsindustrie sowie die Informatik einen deutlichen Einbruch
zu verkraften. Der Wertschöpfungsrückgang war zudem von einem
Beschäftigungsrückgang im gesamten institutionellen Sektor
begleitet. 2003 wurden im Sektor der finanziellen
Kapitalgesellschaften (Nationalbank, Banken, Versicherungen,
Pensionseinrichtungen) tief greifende Restrukturierungen
vorgenommen. Als Reaktion auf die Schwierigkeiten in diesem Sektor
wurden die Verwaltungs- und Personalkosten ab 2001 gesenkt. Im
Teilsektor der Banken vermochten diese Massnahmen jedoch einen
leichten Wertschöpfungsverlust nicht zu verhindern. Trotz
Erholungstendenz gegen Ende des Berichtsjahres stagnieren die
Finanzmärkte nach wie vor. Zusammen mit der anhaltenden Schrumpfung
im Treuhandbereich belastet diese Entwicklung die Ergebnisse der
Bankbranche, während das Zinsgeschäft eine stützende Wirkung
ausübte. Im Sektor «Staat» (Bund, Kantone, Gemeinden,
Sozialversicherungen) war 2003 eine Kostensteigerung zu beobachten.
Die Sozialversicherungen (AVH, IV, EO, Arbeitslosenversicherung)
sehen sich mit einer zunehmenden Anzahl invalider Personen und einer
wachsenden Arbeitslosigkeit konfrontiert, wodurch sich ihre
Betriebskosten erhöhen. In den Kantonen und Gemeinden sind zudem die
Personalkosten gestiegen. Inländische Endnachfrage nach wie vor
schwach Die inländische Endnachfrage, d.h. die Konsumausgaben und
die Bruttoanlageinvestitionen, legten 2003 geringfügig zu, dies
sowohl zu laufenden Preisen (+0,5%) als auch zu Preisen des
Vorjahres (+0,4%). Die Konsumausgaben der privaten Haushalte und der
privaten Organisationen ohne Erwerbscharakter (POoE), die mehr als
60% des BIP ausmachen, erhöhten sich um 1,1% zu laufenden Preisen
und lediglich um 0,5% zu Preisen des Vorjahres. Die
Bruttoanlageinvestitionen hatten trotz einer weiteren Erholung im
Baugewerbe einen leichten Rückgang um 0,3% zu Preisen des Vorjahres
zu gewärtigen. Und zum dritten aufeinander folgenden Mal dämpften
die Ausrüstungsinvestitionen die wirtschaftliche Entwicklung.
Leichte Zunahme der Konsumausgaben der privaten Haushalte Die
ungünstige Wirtschaftslage und die Zunahme der Arbeitslosigkeit
drückten 2003 auf die Konsumstimmung und hemmten damit die
Steigerung der Konsumausgaben der privaten Haushalte und der POoE.
Zum zweiten aufeinander folgenden Mal legten diese Ausgaben zu
Preisen des Vorjahres nur leicht zu (+0,5%) und stützten damit das
Wachstum lediglich geringfügig. Wohnbau als Investitionsstütze 2003
blieb die Situation im Bereich der Bruttoanlageinvestitionen
ungünstig. Diese verloren sowohl zu laufenden Preisen (-2,1%) als
auch zu Preisen des Vorjahres (-0,3%) an Boden. Dabei entwickelten
sich die beiden Hauptkomponenten der Bruttoanlageinvestitionen die
Ausrüstungs- und die Bauinvestitionen unterschiedlich. Zum dritten
aufeinander folgenden Mal gaben die Ausrüstungsinvestitionen sowohl
zu laufenden Preisen (-4,0%) als auch zu Preisen des Vorjahres
(-2,0%) nach. Die rosigeren Geschäftsaussichten im zweiten Halbjahr
2003 vermochten die Ausrüstungsinvestitionen nicht anzukurbeln.
Lediglich drei Gruppen von Ausrüstungsgütern vermochten sich 2003 zu
steigern: die «Nutztiere und Nutzpflanzungen», die «Rundfunk-,
Fernseh- und Nachrichtentechnik» sowie der «übrige Fahrzeugbau».
Alle übrigen Kategorien insbesondere der Maschinenbau mit seinem
Anteil von über 40% am Aggregat gaben sowohl zu laufenden Preisen
als auch zu Preisen des Vorjahres nach. Hingegen warteten die
Bauinvestitionen zum zweiten aufeinander folgenden Mal mit einem
kräftigen Wachstum auf (+1,8% zu Preisen des Vorjahres). Wegen
Preissenkungen steht jedoch die Entwicklung zu laufenden Preisen
lediglich mit +0,3% zu Buche. Bei den beiden Hauptkomponenten der
Bauinvestitionen, d.h. im Hoch- und im Tiefbau, bot sich 2003 ein
deutlich anderes Bild als im Jahr zuvor. Das positive Resultat im
Jahr 2002 kam hauptsächlich durch eine kräftige Erhöhung der
öffentlichen Tiefbauinvestitionen zustande. Im darauf folgenden Jahr
erwies sich der Hochbau als Wachstumsmotor. Dabei ging vom Wohnbau
eine besondere Dynamik aus, der insbesondere von Preisreduktionen
und günstigen Hypothekarzinsen profitierte. Demgegenüber schränkten
die öffentlichen Auftraggeber, insbesondere der Bund, ihre Ausgaben
im Tiefbau im Zuge von Sparanstrengungen deutlich ein. Verringerung
des Aussenbeitrags Wie bereits 2002 belastete die internationale
Konjunkturschwäche auch 2003 den Aussenhandel der Schweiz stark. Der
Saldo der Handelsbilanz schrumpfte zwar sowohl zu laufenden Preisen
als auch zu Preisen des Vorjahres, ist jedoch nach wie vor äusserst
hoch. Zu laufenden Preisen erreichte er 4,5 Milliarden Franken, was
den zweithöchsten Überschuss seit 1990 bedeutet. Bei diesen
Betrachtungen gilt es zu bedenken, dass 2002 ein Ausnahmejahr
gewesen ist. Zu Preisen des Vorjahres verbleibt ein positiver Saldo
von 2,3 Milliarden Franken. Der Saldo der Dienstleistungsbilanz
legte sowohl zu laufenden Preisen als auch zu Preisen des Vorjahres
zu. Diese Entwicklung ist hauptsächlich auf eine Reduktion der
Dienstleistungsimporte zurückzuführen. Die Verschlechterung der
Handelsbilanz zu Preisen des Vorjahres ist auf eine leichte
Abschwächung der Ausfuhren (-0,2%) und eine Zunahme der Einfuhren
(+1,9%) zurückzuführen. Dabei ergaben sich in fast allen
Einfuhrkategorien Zunahmen, mit Ausnahme der Maschinenindustrie und
den Präzisionsinstrumenten. Demgegenüber stagnierten die meisten
Ausfuhrpositionen. Dies gilt nicht für die Maschinenindustrie, die
stark nachgab, und die Fahrzeuge, die deutlich zulegten. Im
letztgenannten Fall spielte der Export von Flugzeugen eine wichtige
Rolle. Nach der Talfahrt 2001 und der Stabilisierung 2002 ging es
mit dem Saldo der Dienstleistungsbilanz 2003 sowohl zu laufenden
Preisen als auch zu Preisen des Vorjahres wieder aufwärts.
Volumenmässig schrumpften die Dienstleistungsimporte um 1,4%.
Deutliche Verringerungen sind für die Lizenzgebühren, den Tourismus
und die internationalen Transporte zu vermelden. Im Gegensatz dazu
lagen die Dienstleistungsexporte leicht im Plus (+0,6%). Diese
Steigerung ist insbesondere auf die Versicherungsdienstleistungen
und auf den Verkehr zurückzuführen. Nach einem katastrophalen Jahr
2002 erholte sich der Luftverkehr etwas. Die Austauschrelation
(Terms of Trade) präsentierte sich besser als vor Jahresfrist, da
sich die Preise der eingeführten Güter abschwächten und jene der
ausgeführten Güter leicht anstiegen. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Pressestelle Auskunft:
Philippe Küttel, BFS, Sektion Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung,
Tel.: 032 713 60 67 Neuerscheinung: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Eine Einführung
in Theorie und Praxis, Bestellnummer: 219-0300. Preis: Fr. 30.-- Pressestelle BFS, Tel.: 032 713 60 13; Fax: 032 713 63 46 Publikationsbestellungen, Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60 61, E-
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