Medienmitteilung
BFS: Die berufliche Vorsorge 2002
2004-04-15T09:15:00
(ots) - Die berufliche Vorsorge 2002 Erstmalige Abnahme der Bilanzsumme Infolge der weltweiten Börsenbaisse erlitten die Pensionskassen auf
den Aktienmärkten wie bereits im Vorjahr starke Verluste, welche
über eine Reduktion der Wertschwankungsreserven (-33,2 Mrd. Fr.)
sowie der freien und gebundenen Mittel (-18,1 Mrd. Fr.) ausgeglichen
werden mussten. Die Bilanzsumme der Vorsorgeeinrichtungen sank seit
der letzten Vollerhebung (2000) um 50 Milliarden (-10,3%) auf 440,5
Milliarden Franken. War Ende 2000 ein Drittel der gesamten
Kapitalanlagen in Aktien angelegt, sank der Aktienanteil per Ende
2002 auf knapp einen Viertel des Bilanzwertes. Dies geht aus den vom
Bundesamt für Statistik (BFS) publizierten provisorischen
Ergebnissen der Pensionskassenstatistik hervor. Zunahme der
Versicherten, der Beiträge und der Leistungen Der Gesamtbestand der
Versicherten erhöhte sich seit 2000 um 2,6 Prozent auf 3,31
Millionen (inklusive mehrfach Versicherte), wobei über 77 Prozent
nach dem Beitragsprimat versichert waren. Der Trend zu diesem System
hielt somit weiter an. Wegen der Verselbständigung von
Bundesbetrieben nahm die Zahl der aktiven Versicherten bei den
privat-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen zu. Die Beiträge der
Versicherten und Arbeitgeber stiegen infolge der höheren
Versichertenzahl, der teilweise gestiegenen Risikobeiträge sowie des
Wegfalls vorübergehend gewährter Beitragsreduktionen auf insgesamt
31,4 Milliarden Franken an. 37,6 Prozent der Beiträge entfielen auf
die Arbeitnehmer und 62,4 Prozent auf die Arbeitgeber. 8,2 Prozent
der Arbeitgeberbeiträge stammten aus Auflösungen von
Arbeitgeber-beitragsreserven sowie aus Finanzierungsstiftungen. Per
Ende 2002 meldeten die Vorsorgeeinrichtungen einen Rentnerbestand
von 805000 Personen (+7,6%; inkl. Mehrfachzählungen). Die während
des Jahres ausbezahlten Renten stiegen auf 18,2 Milliarden Franken
(+11,5%). Dass die Rentenleistungen stärker zunahmen als die Anzahl
Bezüger ist u.a. darauf zurückzuführen, dass die Neurentner eine
zunehmend längere Beitragsdauer und damit einen höheren
Leistungsanspruch aufweisen. Bei den Bezügern von Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenkapital war demgegenüber eine Abnahme
um 9 Prozent zu verzeichnen. Gleichzeitig ging das ausbezahlte
Kapital um 10,5 Prozent auf 3,5 Milliarden Franken zurück. Die
vermehrte Zurückhaltung beim Kapitalbezug dürfte auf die damals
unattraktiven Anlagemöglichkeiten zurückzuführen sein. Die
gegenläufige Bewegung des Renten- und Kapitalbezugs führte dazu,
dass die im Berichtsjahr ausbezahlten Gesamtleistungen im Vergleich
zum Schätzwert 2001 geringer ausfielen. Der Trend zu weniger
Pensionskassen setzte sich in den Jahren 2001 und 2002 als Folge der
strukturellen wirtschaftlichen Änderungen weiter fort: Die Anzahl
der privat- und öffentlich-rechtlichen Vorsorge-einrichtungen ging
insgesamt um 10,7 Prozent auf 8125 zurück. 2450 Pensionskassen mit
3,15 Millionen Versicherten führten dabei die gesetzliche berufliche
Vorsorge (BVG) durch. Hohe Kursverluste auf dem Aktienmarkt
In der
zweiten Hälfte der neunziger Jahre hatten die Vorsorgeeinrichtungen
vor dem Hintergrund der politischen Diskussionen zur Sicherung der
Altersvorsorge, der geänderten Anlagevorschriften sowie der
anhaltenden positiven Entwicklung auf den Aktienmärkten ihre
Aktienanteile laufend erhöht. Damit sollte den allgemeinen
Forderungen nach einer deutlich besseren Performance Rechnung
getragen werden. Unterstützt wurde dieser Trend durch die
vergleichsweise tiefen Renditen im Bereich der festverzinslichen
Wertpapiere sowie der Liegenschaften. Mit der Wende auf den
Börsenmärkten trat gegen Ende 2000 eine zunehmend negative
Entwicklung ein, welche bei den Vorsorgeeinrichtungen im
Berichtsjahr zu Nettowertberichtigungen (Höher- minus
Tieferbewertungen) auf Wertschriften und Liegenschaften im Umfange
von -40,1 Milliarden Franken führte. Es handelte sich dabei
vorwiegend um Buchverluste. Die unbefriedigende Wirtschaftslage und
das niedrige Zinsniveau auf dem Kapitalmarkt verstärkten diese
negative Entwicklung zusätzlich: Mit rund 13,3 Milliarden Franken
fiel der Ertrag aus Wertschriften, Liegenschaften und anderen
Anlagen, inklusive Guthaben beim Arbeitgeber, im Vergleich zu 2000
deutlich niedriger aus (-19,6%).
und ihre Auswirkungen auf die
Reserven der Vorsorgeeinrichtungen Die erlittenen Nettoverluste auf
dem Aktienmarkt fanden ihren Niederschlag auf der Passivseite der
kaufmännischen Bilanz. Einerseits ging das gebundene und freie
Kapital, inklusive Vorsorgerückstellungen, um 4,4 Prozent auf 397
Milliarden Franken zurück und anderseits mussten die
Wertschwankungsreserven um 33,2 Milliarden Franken oder um 64,8
Prozent abgebaut werden. Sie beliefen sich Ende 2002 auf nunmehr 18
Milliarden Franken. Etliche Vorsorgeeinrichtungen konnten die
Kursverluste allerdings nicht vollständig über die in den Vorjahren
gebildeten Reserven auffangen und gerieten demzufolge Ende 2002 in
eine Unterdeckung. Mit den eingeleiteten Sanierungsmassnahmen sowie
des seit 2003 aufhellenden Börsenmarktes hat sich die finanzielle
Lage vieler Pensionskassen inzwischen wieder etwas gebessert. Die
Wertschwankungsreserven und Rückstellungen auf Vermögensanlagen
machten Ende 2002 anteilmässig an der Bilanzsumme noch 4,1 Prozent
(Ende 2000: 10,4%) aus, während 90,1 Prozent auf das gebundene und
freie Kapital, inklusive Vorsorgerückstellungen, fielen. Erstmalige
Abnahme der Bilanzsumme Konnte mit den bisherigen Erhebungen stets
ein permanentes Wachstum der Bilanzsumme gemeldet werden,
entwickelte sich diese ab 2001 erstmals rückläufig: Sie ging von
490,9 (Ende 2000) auf 440,5 Milliarden Franken (Ende 2002) zurück,
was einer Abnahme um 10,3 Prozent entspricht. Diese Entwicklung ist
auf die schlechte Börsenlage zurückzuführen, d.h. die Wertschriften
mussten per Bilanzstichtag mit einem spürbar tieferen Marktwert in
die Bilanz eingesetzt werden. Betrug der Aktienanteil an der
Bilanzsumme per Ende 2000 noch 32,8 Prozent, bildete er sich zwei
Jahre später auf 24,4 Prozent zurück. Als Folge dieser Verschiebung
stieg der Obligationenanteil um vier Prozentpunkte auf nunmehr 35,2
Prozent an. Der deutliche Zuwachs des Anteils der flüssigen Mittel
und kurzfristigen Anlagen auf 10,2 Prozent dürfte die damals
herrschende Unsicherheit auf den Kapitalmärkten widerspiegeln.
Angesichts mangelnder attraktiver Anlagemöglichkeiten wurden die
Investitionen in Liegenschaften wieder besser beurteilt und das
Volumen um 5,5 Prozent erhöht. Die Abnahme der Forderungen gegenüber
den Arbeitgebern (-14,8 Mrd. Fr.) setzte sich aufgrund der
Restrukturierungen von öffentlich- rechtlichen Kassen weiter fort.
Diese Entwicklung wurde dabei massgebend von den Verselbständigungen
zweier Bundesbetriebe beeinflusst. In der Bilanzsumme sind die von
den Vorsorgeeinrichtungen nicht selbst verwalteten Kapitalanlagen
(Rückkaufswerte aus den Kollektivversicherungsverträgen mit
Versicherungsgesellschaften) von ca. 121 Milliarden Franken und die
fehlenden Mittel (Fehlbeträge) zur Erfüllung der laufenden und
zukünftigen Verpflichtungen allerdings nicht enthalten. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Informationsdienst Auskunft:
Jürg Fuhrer, BFS, Tel.: 032 713 66 80
Publikationsbestellungen, Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60 61, E-
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Neuerscheinung:
Die definitiven Ergebnisse werden im September 2004 publiziert Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
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Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100473792
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