Medienmitteilung
BFS: Weiterbildung in der Schweiz 2003
2004-03-22T09:15:00
(ots) - Weiterbildung in der Schweiz 2003
Rückgang der beruflichen Weiterbildung In den neunziger Jahren hat sich die Teilnahme an
Weiterbildungskursen in der Schweiz kaum verändert, seit 2001 nimmt
sie ab. Es werden weniger berufliche Kurse belegt. Im letzten Jahr
bildeten sich insgesamt 1,8 Millionen Erwachsene in 2,5 Millionen
Kursen während 122 Millionen Stunden weiter. Dies zeigen wiederholte
repräsentative Untersuchungen im Rahmen der Schweizerischen
Arbeitskräfterhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) aus den
Jahren 1993 bis 2003. Aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung
(SAKE) geht hervor, dass sich 2003 mehr als ein Drittel der
erwachsenen Bevölkerung weitergebildet hat (36%). Diese Erwachsenen
besuchten einen oder mehrere Kurse sei es aus beruflichen oder
persönlichen Gründen. Seit 1993 betrug dieser Anteil Erwachsener,
die sich in Kursen weiterbilden, noch gegen 40 Prozent und
veränderte sich kaum, bis dann 2001 eine rückläufige Tendenz
eintrat. Neben den Kursen können aber auch andere, individuelle
Lernformen eingesetzt werden, um sich weiterzubilden. Zwei Drittel
der Bevölkerung (69%) setzen solche individuelle Lernformen ein, und
knapp die Hälfte unter ihnen tun dies in Ergänzung zu besuchten
Kursen. Ausschliesslich individuell bildeten sich 38 Prozent der
Erwachsenen weiter. Zu diesen individuellen Lernformen zählen das
Studium von Fachliteratur und der Einsatz von elektronischen Medien
(Computer, TV/Video), der Besuch von Kongressen und Vorträgen sowie
auch die Einführung in neue Sachverhalte durch Arbeitskolleginnen
und kollegen. Keine Weiterbildungsaktivität betrieben im Jahr 2003
rund 26 Prozent der Bevölkerung. Kränkelt die berufliche
Weiterbildung, wenn die Wirtschaft stottert? Die Weiterbildung ist
zu einem grossen Teil mit der Arbeitswelt verbunden. Zwei Drittel
aller Kurse werden aus beruflichen Gründen absolviert. Damit richtet
sich der Blick auf die Erwerbstätigen. Die berufliche Weiterbildung
der Erwerbstätigen entwickelte sich in den letzten Jahren
akzentuierter als die Weiterbildung insgesamt. Von 1996 bis 2001
stieg der Anteil der Erwerbstätigen, die berufliche Kurse besuchten,
von 33 Prozent auf 39 Prozent und fiel danach rasch wieder auf den
alten Stand zurück (2003: 33%). Diese Entwicklung entspricht
weitgehend dem Konjunkturverlauf im beobachteten Zeitraum: Geht es
der Wirtschaft gut, nimmt die Kursteilnahme zu, wenn nicht, geht sie
zurück. Der genaue Zusammenhang ist mit dieser Beobachtung
allerdings noch nicht erklärt. Nicht in alle wird gleich viel
investiert Arbeitgeber unterstützen die berufliche Weiterbildung der
Erwerbstätigen beträchtlich: Sei es, dass sie den Kurs selber
veranstalten, den Kurs ganz oder teilweise während der Arbeitszeit
stattfinden lassen oder dass sie sich an den Kosten beteiligen. 2003
traf dies für 4 von 5 Kursen zu, wobei das Ausmass dieser
Unterstützungen in der SAKE nicht erhoben wird. 2003 besuchten 27%
aller Erwerbstätigen einen betrieblich unterstützten, beruflichen
Weiterbildungskurs. Dieser Anteil hat sich zwischen 1999 und 2003
nicht verändert. In die Weiterbildung investierten die Betriebe
unterschiedlich. Grossbetriebe investierten mehr in die Kompetenzen
ihrer Angestellten. Sie unterstützten 36 Prozent ihrer
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer; Mittelbetriebe ermöglichen dies
im Schnitt zu 29 Prozent und die Kleinbetriebe zu 19 Prozent. Am
häufigsten wurden erwerbstätige Kursbesucherinnen und -besucher
unterstützt, wenn sie in der öffentlichen Verwaltung arbeiteten
(inkl. Gesundheit, Bildung: 39%). Dieser Bereich weist
überdurchschnittlich viele höher qualifizierte Arbeitskräfte auf.
Als nächstes folgte die Finanz-, Versicherungs- und
Informatikbranche (31%). Unternehmensleitungen (39%) und Vorgesetzte
(37%) wurden häufiger unterstützt als die übrigen Beschäftigten
(23%). Gut Verdienende erhielten mehr Unterstützung durch den
Betrieb als Erwerbstätige mit tiefem Einkommen. Ebenso wurden gut
Ausgebildete mehr gefördert als Personen ohne nach-obligatorische
Ausbildung. Im internationalen Vergleich ist die Schweiz
mittelmässig Je nach abgeschlossener Ausbildung unterscheidet sich
der Kursbesuch durch die Erwerbstätigen deutlich: Es sind die eher
gut Gebildeten, die vom Kursangebot profitieren. Jede zweite
erwerbstätige Person mit einem Hochschul- oder einem Höheren
Berufsbildungsabschluss belegte im Jahr 2003 berufliche Kurse (55%).
Von jenen Personen, die nach ihrer obligatorischen Schulzeit keine
weitere Ausbildung abgeschlossen haben, war es jedoch nur jede
fünfte (20%). Im Licht der statistischen Beobachtung erfüllt die
Weiterbildung damit nicht jene ergänzende Aufgabe, die von ihr
erwartet wird. Wer es in jungen Jahren verpasst hat, seinen
Schulsack zu füllen, der oder die hat geringere Chancen, dies später
noch mit Weiterbildung aufzuholen. In Skandinavien und in
anglophonen Mitgliedländern der OECD ist die Beteiligung an
Weiterbildung beträchtlich höher als in der Schweiz. So belegen im
Laufe eines Jahres etwa in Dänemark 49 Prozent, in Norwegen 44
Prozent und in Australien 43 Prozent der 25-64-jährigen Bevölkerung
berufliche Kurse. In der Schweiz sind es in der gleichen
Altersgruppe 29 Prozent. Niedrigere Anteile finden sich in Ungarn
mit 13 Prozent, Italien mit 16 Prozent und Tschechien mit 22
Prozent. Zwar nehmen auch in sämtlichen Vergleichsländern Personen
mit höherer Bildung viel häufiger an Kursen teil als Personen ohne
Bildungsabschluss nach der obligatorischen Schulzeit. Es fällt aber
auf, dass es jenen Ländern mit den höchsten Kursbeteiligungen
gelang, sämtliche Bildungsschichten für Weiterbildung anzusprechen.
Personen ohne Bildungsabschlüsse besuchen dort häufiger Kurse als
anderswo eine Voraussetzung für die lernende Gesellschaft. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Informationsdienst Auskunft: Rolf Lischer, BFS, Sektion Bildungssysteme, Wissenschaft
und Technologie, Tel. 032 713 62 23 (D) Wayra Caballero Liardet,
BFS, Sektion Bildungssysteme, Wissenschaft und Technologie, Tel. 032
713 64 81 (F) Hélène Gapany Savioz, BFS, Sektion Bildungssysteme,
Wissenschaft und Technologie, Tel. 032 713 66 78 (F) Die Resultate
der Weiterbildungsbefragung werden ab Sommer 2004 auf der Homepage
des BFS http://www.statistik.admin.ch abrufbar sein. 22.03.2004
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100473037
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