Medienmitteilung
BFS: Wege in die nachobligatorische Ausbildung (TREE)
2004-02-24T09:15:00
(ots) - Wege in die nachobligatorische Ausbildung (TREE) Wie weiter
nach der Schule? Der Übergang von der obligatorischen Schule in eine Lehre oder eine
weiter führende Schule wird in der Schweiz immer mehr zum Nadelöhr.
Rund ein Viertel aller schulentlassenen Jugendlichen in der Schweiz
vollziehen diesen Übergang heute nicht auf dem direkten Weg, sondern
über eine Zwischenlösung wie 10. Schuljahr, Motivationssemester,
Vorlehre, Praktikum oder Welschlandjahr. In der Deutschschweiz liegt
dieser Anteil in einzelnen Kantonen bei fast einem Drittel. Die
Studie TREE (TRansition von der Erstausbildung ins Erwerbsleben)
zeigt im Weiteren, dass Jugendliche aus bescheidenen sozialen
Verhältnissen, junge Migrantinnen und Migranten sowie
Realschülerinnen und schüler verminderte Einstiegschancen in
nachobligatorische Ausbildungen haben auch wenn sie nach PISA-
Leistungskriterien gleich gut sind wie die übrigen. Der neu
erschienene Bericht des Bundesamtes für Statistik (BFS) in der Reihe
"Bildungsmonitoring Schweiz" gibt einen Überblick über die
wichtigsten TREE-Ergebnisse der ersten beiden Befragungsjahre 2001
und 2002. Wartezeiten und Umwege Die TREE-Ergebnisse bestätigen
zunächst, was die bildungsstatistischen Grunddaten seit längerem
feststellen: Fast alle Jugendlichen streben heute eine Lehre oder
eine weiter führende Schule an. Der Anteil derjenigen, die in den
ersten zwei Jahren nach Schulaustritt keinerlei weitere Ausbildung
betreiben, liegt gemäss TREE nur gerade bei rund 1 Prozent. Etwa
drei Viertel aller schulentlassenen Jugendlichen schaffen den
Einstieg in eine weiter führende Berufs- oder Allgemeinbildung
direkt, d.h. unmittelbar nach der 9. Klasse; allerdings wechseln
rund 10 Prozent des Jahrgangs die ursprünglich eingeschlagene
Ausbildung im Verlauf der ersten zwei Jahre nach Schulaustritt. Fast
ein Fünftel (18%) steigt mit einem Jahr Verzögerung ein, die meisten
von ihnen über eine Zwischenlösung. 8 Prozent haben innert zwei
Jahren den Einstieg in eine Lehre oder allgemein bildende Schule
(noch) nicht gefunden und 3 Prozent sind eingestiegen, aber
inzwischen wieder ausgestiegen. Rund 60 Prozent der Jugendlichen
weisen somit geradlinige, bruchlose Bildungsverläufe nach der
obligatorischen Schulzeit auf: Direkteinstieg in eine Lehre oder
weiter führende Schule und Verbleib in ein und demselben
Ausbildungsgang während der ersten zwei Jahre. Für die übrigen 40
Prozent ist der Übergang gekennzeichnet durch Sprünge, Wartezeiten,
Wechsel und Umwege oder aber er findet (innert zwei Jahren) gar
nicht statt. Ausgeprägte Unterschiede nach Geschlecht und
Sprachregion Je nach Geschlecht und Sprachregion verteilen sich die
Jugendlichen unterschiedlich auf Berufs- und Allgemeinbildung.
Männer sind in der Berufsbildung, Frauen in der Allgemeinbildung
(Gymnasium, Diplommittelschule etc.) übervertreten. In der West- und
Südschweiz ist überdies der Allgemeinbildungsanteil generell höher
als in der Deutschschweiz. Die beiden Faktoren kumulieren sich: So
machen zwei Jahre nach Schulaustritt über drei Viertel der jungen
Deutschschweizer Männer (78%) eine Lehre, aber nur 40 Prozent der
Frauen in der italienischen Schweiz. Letztere sind dagegen zu über
der Hälfte (57%) in allgemein bildenden Schulen, gegenüber 16
Prozent bei den Männern in der Deutschschweiz. Auch die Art und
Weise, wie Jugendliche den Übergang von der obligatorischen Schule
in eine nachobligatorische Ausbildung vollziehen, unterscheidet sich
sprachregional beträchtlich. So ist der Anteil der
Direkteinsteigerinnen und -einsteiger in der Deutschschweiz mit rund
70 Prozent tiefer als in der Westschweiz (80%) und in der Südschweiz
(mehr als 90%). Dies ist vor allem darauf zurück zu führen, dass
Zwischenlösungen in der Deutschschweiz verbreiteter sind als in den
übrigen Landesteilen. Umgekehrt ist in der West- und Südschweiz ein
Ausbildungswechsel in den ersten zwei Jahren nach Schulaustritt
deutlich häufiger (17 bzw. 23% des Jahrgangs) als in der
Deutschschweiz (7%). Die schulischen Leistungen von Jugendlichen in
Zwischenlösungen unterscheiden sich im Mittel kaum von jener der
Direkteinsteiger/innen. Drei von vier Jugendlichen, die eine
Zwischenlösung absolvieren, steigen nach einem Jahr in die
nachobligatorischen Bildungswege ein. Ungleiche Bildungschancen TREE
hat auch die Frage untersucht, welche Faktoren die Chancen für die
Absolvierung einer nachobligatorischen Ausbildung erhöhen bzw.
verkleinern: Die soziale Herkunft beeinflusst in der Schweiz nach
wie vor stark, wer Zugang zu welchen nachobligatorischen
Ausbildungen erhält. So tritt beispielsweise über die Hälfte der
Jugendlichen aus der Oberschicht ins Gymnasium über, aber weniger
als 10 Prozent der Jugendlichen aus der Unterschicht. Auch der
Schultyp, der am Ende der Schulpflicht besucht wurde, spielt für die
nachobligatorischen Bildungschancen eine zentrale Rolle und zwar
unabhängig von den individuellen Leistungsvoraussetzungen. So ist
bei vergleichbarer Leistung die Chance, eine Lehre mit hohem
intellektuellem Anspruchsniveau oder eine weiter führende Schule
anfangen zu können, für Sekundar- bzw. Progymnasialschülerinnen und
-schüler rund zwei bis vier Mal so hoch wie für Real- bzw.
Oberschüler. Mehrfach betroffen von dieser ungleichen
Chancenverteilung sind die jungen Migrantinnen und Migranten. Sie
stammen überwiegend aus der Unterschicht und besuchen häufiger Real-
bzw. Oberschulen. Sie sehen sich auf dem Lehrstellenmarkt zudem oft
mit deutlichen Diskriminierungstendenzen konfrontiert, insbesondere
wenn sie aus Balkanländern oder der Türkei stammen. Gemäss TREE sagt
rund ein Drittel aller Migrantenjugendlichen aus diesen Ländern, sie
würden im Lehrbetrieb oder in der Schule gegenüber Einheimischen
benachteiligt. TREE: TRansition von der Erstausbildung ins Erwerbsleben Als
längsschnittliche Folgeuntersuchung von PISA 2000 geht TREE der
Frage nach, wie Jugendliche in der Schweiz den Übergang zwischen dem
Ende der obligatorischen Schulzeit und dem Eintritt in eine
nachobligatorische Ausbildung bewältigen und auf welche
Schwierigkeiten sie dabei stossen. TREE befragt bis mindestens 2007
jährlich rund 5'000 Jugendliche, die im Jahr 2000 aus der
Schulpflicht entlassen wurden. Trägerschaft von TREE ist ein
gleichnamiges Konsortium, an dem die Bildungsforschungsstellen der
Kantone Bern (Bildungsplanung und Evaluation BiEv), Genf (Service de
recherche en éducation, SRED) und Tessin (Ufficio studi e ricerche,
USR) beteiligt sind. Finanziert wird das Projekt durch die
Konsortiumspartner und massgeblich durch das Bundesamt für
Berufsbildung und Technologie (BBT). BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Informationsdienst Auskunft: Thomas Meyer Projektleitung TREE -- Transitions from
Education to Employment Tel: 031 633 83 51, E-Mail:
thomas.meyer@erz.be.ch c/o Erziehungsdirektion Sulgeneckstr. 70
CH-3005 Bern Anna Borkowsky, BFS, Sektion BWT, Tel 032 713 68 21,
E-Mail: anna.borkowsky@bfs.admin.ch Neuerscheinung: Wege in die
nachobligatorische Ausbildung. Die ersten zwei Jahre nach Austritt
aus der obligatorischen Schule. Zwischenergebnisse des
Jugendlängsschnitts TREE. Reihe "Bildungsmonitoring Schweiz".
Bundesamt für Statistik, Neuchâtel 2003. Publikationsbestellungen,
Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60 61, E- Mail: order@bfs.admin.ch
Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch Fachbereich 15 Bildung und
Wissenschaft und unter www.tree-ch.ch . 24.02.2004
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100472169
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