Medienmitteilung
BFS: Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in der Schweiz
2003-12-12T10:00:00
(ots) - Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in der Schweiz
Revidierte Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Bessere Abbildung
des steten Wandels Die Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung hat
konzeptuelle und methodische Änderungen und dadurch auch
Resultatsdivergenzen zwischen dem neuen und dem alten System mit
sich gebracht. Die Wirtschaftsgeschichte wurde zwar nicht neu
geschrieben, trotzdem sei auf zwei Punkte hingewiesen: Gemäss
revidiertem System ist das Niveau des BIP durchschnittlich um 2,6%
höher, und das mittlere Wachstum fällt für die Periode 1990 bis 2002
um 0,2% kräftiger aus. Soweit zwei Ergebnisse des revidierten
Systems der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, über welches das
Bundesamt für Statistik (BFS) soeben umfassend informiert hat. Die
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung hat mit der Revision eine
wichtige Etappe auf dem Weg zur Modernisierung ihres statistischen
Werkzeugs zurückgelegt. Künftig werden die Ergebnisse nach denselben
Konzepten d.h. nach dem ESVG 95 (Europäisches System
Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen) bereitgestellt, wie sie
auch bei den wichtigsten Wirtschaftspartnern der Schweiz
gebräuchlich sind. Die letzte grundlegende Revision der
Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung stammt aus dem Jahre 1997.
Damals wurde das ESVG 78 der Vorläufer des ESVG 95 eingeführt.
Schon die Revision 97 galt als Zwischenschritt zur Einführung des
ESVG 95. Das Hauptziel ist jetzt erreicht, und es stehen nun
revidierte Ergebnisse für die Periode 1990 bis 2001 zur Verfügung.
Auch erste Schätzungen für 2002 sind verfügbar. Resultatsvergleich
zwischen dem alten und dem neuen System Wachstumsanalysen
konzentrieren sich in der Regel auf Entwicklungen in Realwerten. So
gesehen zeichnen die neuen Ergebnisse ein unterschiedliches, wenn
auch nicht radikal verändertes Bild der wirtschaftlichen
Entwicklung. Gemäss neuem System hat sich die Wirtschaft dynamischer
entwickelt und ist rascher und deutlicher aus dem Tief anfangs der
1990er-Jahre herausgekommen. In der Folge erscheint der «Rückfall»
von 1993 nach den revidierten Ergebnissen weniger deutlich (neu:
-0,2%; alt: -0,5%). Daneben ist der Wiederaufschwung von 1994 gemäss
ESVG 95 erheblich kräftiger mit einem Wachstum des
Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,1%, während das ESVG 78 lediglich
ein Plus von 0,5% auswies. Weiter ist zu erwähnen, dass die
wirtschaftliche Expansion für die Periode 1996-1998 laut neuem
System erheblich klarer ausfiel. Dabei war die Differenz zwischen
altem und neuem System für 1998 besonders gross (ESVG 78: +2,4%;
ESVG 95: +2,8%). Ein ähnlicher Unterschied besteht im Jahr 2000.
Während somit die Wachstumsdifferenz für die gesamte Periode
(1990-2002) bescheiden ist (+0,2% im neuen System), kann sich je
nach betrachteter Teilperiode ein anderes Bild ergeben. Es gibt
zahlreiche Gründe für die festgestellten Differenzen, wobei einige
davon sogar nur für ein bestimmtes Jahr gelten. So ist die stärkere
Reprise von 1994 gemäss ESVG 95 spezifisch auf das bessere
Abschneiden der Finanzinstitute im neuen System zurückzuführen. Die
Revision bot einerseits Gelegenheit, die Berechnungsmethoden
kritisch zu überdenken, insbesondere erlaubte sie jedoch eine tief
greifende Modernisierung des Analyseinstruments. So wird die
Software in Anlehnung an die Praxis der Unternehmen künftig als
Ausrüstungsgut behandelt und findet damit Eingang in eines der
wichtigsten Aggregate des BIP die Bruttoanlageinvestitionen. Diese
Umteilung verleiht diesem Aggregat eine neue Dynamik, was sich
insbesondere auf die Ergebnisse Ende der 1990er-Jahre auswirkt, als
die Angst vor dem Jahrtausendwechsel umging und sich die Computer-
sowie Informationstechnologien immer stärker verbreiteten. Der
«Software-Effekt» erklärt grösstenteils auch das weiter oben
erwähnte neue Profil des Jahres 1998. Das revidierte System räumt
zudem dem Sektor der öffentlichen Haushalte (Bund, Kantone,
Gemeinden sowie Sozialversicherungen) ein geringeres Gewicht ein als
das alte. Deshalb gibt es auch hier zahlreiche Änderungen zu
vermelden . So berücksichtig das neue System die Tatsache, dass die
Spitäler mehr und mehr den Gesetzen finanzieller Rentabilität
gehorchen und dass sie durchschnittlich über die Hälfte ihrer Kosten
durch ihren Verkaufserlös decken. Diese Einheiten werden deshalb
künftig gleich behandelt wie die Privatspitäler. Das heisst, sie
gehören nicht mehr dem Sektor der öffentlichen Haushalte, sondern
jenem der Nicht-Finanzunternehmen an. Diese «Redimensionierung» wird
durch den neuen Umgang mit den Pensions- und den Krankenkassen noch
verstärkt. Das neue System geht davon aus, dass diese Einheiten
effektive Versicherungsleistungen zum Schutz vor den Risiken
«Krankheit» und «Alter» bieten. Sie müssen deshalb gleich wie alle
anderen Versicherungsunternehmen behandelt werden und sind somit
nicht mehr Teil der öffentlichen Haushalte, sondern werden als
Finanzunternehmen (Sektor der Banken und Versicherungen) betrachtet.
Wie sich aus diesen Beispielen zeigt, wurde im Zug der Revision der
konzeptuelle Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung tief
greifend überarbeitet. Das ESVG 95 vermittelt somit das Bild einer
modernen Wirtschaft, in der die Verbreitung neuer Technologien, die
veränderte Dimension des Finanzsektors und der reduzierte Einfluss
des Staates Wachstum und Stand des BIP beeinflussen. Einige
Indikatoren der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Das nun
geltende System bietet auch neue Indikatoren, welche über den
Zustand der Gesamtwirtschaft eines Landes informieren. Dabei sind
zwei Indikatoren zum Staatsdefizit und zur Esparnis der privaten
Haushalte in letzter Zeit ins Zentrum des Interesses gerückt. Der
erste dieser Indikatoren setzt das Defizit der öffentlichen
Haushalte in Beziehung zum BIP. Auf Grund des Stabilitätspakts der
Europäischen Union darf dieses Defizit 3% nicht übersteigen. Dieser
Referenzwert gehört zu den so genannten Maastrichter
Konvergenzkriterien. Künftig kann nun die Schweiz auch in dieser
Beziehung mit ihren wichtigsten Wirtschaftspartnern verglichen
werden. In der Beobachtungsperiode hat sie die 3%-Grenze noch nie
erreicht. Die wirtschaftliche Krise zu Beginn der 1990er-Jahre hat
jedoch tiefe Spuren hinterlassen und diese Kennzahl infolge des
stark vergrösserten Staatsdefizits aufgebläht. Der zweite Indikator
befasst sich mit der Ersparnis der privaten Haushalte. Mit dem neuen
System lässt sich zum ersten Mal das Zwangssparen messen; gemeint
sind damit die Beträge, welche den Pensionskassen während der
Berichtsperiode jeweils neu zur Verwaltung im Namen der privaten
Haushalte übertragen wurden. Obligatorische und freiwillige
Ersparnis vermitteln zusammen ein korrektes Bild der
wirtschaftlichen Situation der privaten Haushalte. Punkto Sparen
lassen sich drei Perioden unterscheiden. Von 1990 bis 1995 liess die
angespannte wirtschaftliche Situation die privaten Haushalte
vorsichtiger werden, und die Sparquote stieg leicht an. Danach
besserte sich die Lage wieder, weshalb sie ihre Ausgaben ab 1997
steigerten und so die Sparquote wieder absinken liessen. Die Jahre
2000 und 2001 zeichnen sich durch spezielle Bewegungen aus. 2000
führte die insbesondere durch hohe Dividendenausschüttungen
hervorgerufene starke Steigerung der Einkommen aus Vermögen zu einer
markanten Steigerung der Sparquote. Dagegen beeinflussten die
schlechten Ergebnisse der Pensionskassen im Jahr 2001 die
Zwangsersparnisse der privaten Haushalte nachhaltig. Die Konsequenz:
Die globale Sparquote sank wieder. Steuerquote und Staatsquote Die Steuer- und die Staatsquote gehören
zu den gefragtesten makroökonomischen Indikatoren. Diese
Verhältniszahlen basieren auf den Staatsrechnungen, welche die
Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV) veröffentlicht. Nähere
Informationen erhalten Sie deshalb von Herrn André Schwaller von der
EFV, Tel. 031.322.60.89, E-Mail andre.schwaller@efv.admin.ch Weitere
statistische Analysen Die neuen Ergebnisse lassen sich vielseitig
einsetzen. Im Verlauf des Jahres 2004 wird das BFS die statistische
Analyse vertiefen und auf so unterschiedliche Bereiche wie Struktur
und Arbeitsproduktivität der einzelnen Wirtschaftsbranchen
ausweiten. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Informationsdienst Auskunft:
Philippe Stauffer, BFS, Tel. : 032 713 60 75
Philippe Küttel, BFS, Tel. : 032 713 60 67 Publikationsbestellungen Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60 61,
E-mail: order@bfs.admin.ch Neuerscheinungen:
BFS, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Eine Einführung in Theorie
und Praxis, Methoden und Konzepte, Neuchâtel 2003, Bestellnr.: 219-
0300, Preis: 30fr.
BFS aktuell, Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung,
Anpassung des Systems der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung an
die neuen wirtschaftlichen Realitäten (Einführung des ESVG 95)
Neuchâtel 2003,
Bestellnr.: 612-0300 Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch 12.12.03
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100470173
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