Medienmitteilung
BFS: Beschäftigungsbarometer im 3. Quartal 2003
Beschäftigungsrückgang hält weiter an
2003-12-01T09:15:00
(ots) - Beschäftigungsbarometer im 3. Quartal 2003 Beschäftigungsrückgang hält weiter an Die Indikatoren des vom Bundesamt für Statistik (BFS)
vierteljährlich veröffentlichten Beschäftigungsbarometers zeigen
einen Abwärtstrend auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Im Vergleich zum
Vorjahr nahm im 3. Quartal 2003 die Anzahl Erwerbstätiger um 0,6%
und jene der Beschäftigten um 1,1% ab. Dabei ist es zu einem
empfindlichen Rückschlag bei den Vollzeitbeschäftigten gekommen (-
2,7%), der durch eine erneute Zunahme der Teilzeitbeschäftigten
(+2,8%) nicht wettgemacht werden konnte. Aussichtsbeurteilungsziffer
und Index der offenen Stellen liegen beträchtlich tiefer als im
Vorjahresquartal. Am Ende des 3. Quartals 2003 waren in der Schweiz
gemäss den Zahlen der Erwerbstätigenstatistik (ETS, revidierte
Zahlen) 4,190 Mio. Personen erwerbstätig. Das entspricht einer
Abnahme um 0,6% innert Jahresfrist. Dieser Rückgang ist nur bei den
Männern festzustellen (- 1,0%), während die Zahl erwerbstätiger
Frauen stabil geblieben ist Weniger Stellen sowohl im 2. als auch im
3. Sektor Die Beschäftigungsstatistik (BESTA; revidierte Zahlen)
weist zwischen dem 3. Quartal 2002 und dem 3. Quartal 2003 einen
Beschäftigungsrückgang von 1,1% aus. Der 2. Sektor (-2,6%) war
wiederum stärker von der Beschäftigungsabnahme betroffen als der 3.
Sektor (-0,6%). Noch keine Trendwende in Sicht Die in die nahe
Zukunft gerichteten Indikatoren der BESTA deuten auf eine
Verschlechterung der Arbeitsmarktlage hin: Der revidierte Index der
offenen Stellen (neue Basis: 2. Quartal 2003 = 100) sank im
Vergleich zum Vorjahr um 35,0%. Auch die Aussichtsbeurteilungsziffer
lag mit 115 Punkten unter dem Wert des Vorjahres (117). Weniger
erwerbstätige Männer Laut den revidierten Ergebnissen der
Erwerbstätigenstatistik (ETS) zählte die Schweiz Ende des 3.
Quartals 2003 insgesamt 4,190 Mio. Erwerbstätige. In dieser Zahl
sind alle Personen enthalten, die mindestens eine Stunde pro Woche
einer Erwerbsarbeit nachgehen (Definition des Internationalen
Arbeitsamtes). Verglichen mit dem 3. Quartal 2002 hat sich die Zahl
der Erwerbstätigen um 0,6% verringert. Diese Entwicklung ist auf die
deutliche Abschwächung der Anzahl Männer unter den Erwerbstätigen
(-1,0%, neuer Stand: 2,314 Mio.) zurückzuführen. Die Zahl der
erwerbstätigen Frauen ist hingegen stabil geblieben (1,875 Mio.)
Verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresquartal gab sowohl die
Anzahl Erwerbstätiger ausländischer Nationalität (-0,8%; Stand:
1,052 Mio.) als auch jene der Schweizer (-0,5%; 3,138 Mio.) nach.
Bei den Ausländern variiert die Entwicklung je nach
Aufenthaltsbewilligung: Rückläufig war sowohl die Zahl der
erwerbstätigen Niedergelassenen (Ausweis C; -2,7%) als auch jene der
Ausländer in der Kategorie andere (mehrheitlich erwerbstätige
Asylsuchende; -7,7%). Umgekehrt legten die Grenzgänger oder die
erwerbstätigen Aufenthalter (Ausweis B) um 3,9% bzw. 0,8% zu. Die
massive Zunahme der Kurzzeitaufenthalter (+48,3%) lässt sich wie in
den vergangenen fünf Quartalen grösstenteils durch das Inkrafttreten
des Bilateralen Abkommens über den freien Personenverkehr zwischen
der Schweiz und de EU vom 1. Juni 2002 erklären. Seither werden
anstatt der Saisonnierbewilligungen meistens
Kurzaufenthaltsbewilligungen ausgestellt. Differenzen zwischen den
Daten der Erwerbstätigenstatistik und der Beschäftigungsstatistik Im
3. Quartal 2003 wies die ETS einen Rückgang der Erwerbstätigen von
0,6% aus, während die BESTA von einem Beschäftigungsrückgang von
1,1% ausging. Dieser Unterschied ist auf methodische Unterschiede
zurückzuführen. Die Unternehmensbefragungen (z.B. die BESTA)
erfassen lediglich die üblichen Beschäftigungsformen. Im Gegensatz
dazu decken die Haushaltserhebungen (z.B. die Schweizerische
Arbeitskräfteerhebung SAKE, welche die Hauptquelle der ETS
darstellt) auch atypische Beschäftigungsformen ab wie z.B. gewisse
Gelegenheitsarbeiten mit geringer Stundenzahl oder Aktivitäten im
Rahmen der Schattenwirtschaft. Diese atypischen Beschäftigungsformen
sind einer antizyklischen Entwicklung unterworfen, d.h. sie breiten
sich dann aus, wenn sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt
verschlechtert (Zeitraum 1991-1997 sowie heutige Situation), und
gehen umgekehrt in Zeiten des Wiederaufschwungs zurück (Periode
1998- 2001). In der Folge zeichnete die BESTA für die Periode
1991-1998 ein pessimistischeres Bild als die ETS; dagegen übertraf
sie diese in den Jahren 1999-2000, um sich 2001 wieder hinter ihr
einzureihen. Vollzeitäquivalente zeigen: Starker
Beschäftigungsrückgang in beiden Sektoren Im 3. Quartal waren gemäss
Beschäftigungsstatistik (BESTA, revidierte Daten) im sekundären und
tertiären Sektor 3,636 Mio. Stellen besetzt. Das sind rund 41'700
Stellen (-1,1%) weniger als ein Jahr zuvor. Im 2. Sektor schrumpfte
die Beschäftigung um 2,6% (- 26'600 Beschäftigte), im 3. Sektor um
0,6% (-15'100 Beschäftigte). In Vollzeitäquivalenten beträgt der
Beschäftigungsrückgang im sekundären Sektor 2,8% (-26'900) und im 3.
Sektor 1,3% (-27'700). Gesamtschweizerisch ist eine Abnahme von 1,7%
(-54'700) Vollzeitäquivalenten zu verbuchen, denn wie schon in den
letzten fünf Quartalen können die zusätzlich geschaffenen
Teilzeitstellen (+29'300; +2,8%) den Abbau von 71'000
Vollzeitstellen (-2,7%) nicht kompensieren. Nur wenige
Industriebranchen mit Beschäftigungswachstum Da 21 Branchen des
sekundären Sektors insgesamt 28'000 Stellen einbüssten und nur 4
kleine Branchen ein leichtes Beschäftigungswachstum verbuchen
konnten, wies der 2. Sektor im Vorjahresvergleich einen
Beschäftigungsrückgang von 2,6%(-26'600) aus. Am meisten Stellen
gingen im Maschinenbau (-5400; -5,1%), im Baugewerbe (-2900; -1,0%)
und bei der Herstellung von medizinischen Geräten,
Präzisionsinstrumenten und Uhren (-2600; -3,4%) verloren. Die
Chemiebranche, die vor Jahresfrist noch einen Höhepunkt von 65'800
Beschäftigten erlangt hatte, büsste nun 1300 Stellen ein (- 2,0%).
Weil im 2. Sektor immer noch zu 88,4% vollzeit gearbeitet wird,
liegt der Beschäftigungsrückgang in Vollzeitäquivalenten (-26'900; -
2,8%) auf demselben Niveau wie derjenige in Vollzeitstellen (-
26'500; -3,0%). Immer mehr Beschäftigte im Unterrichtswesen Auch im
tertiären Sektor hat sich die Beschäftigungssituation
verschlechtert: Nur in jeder dritten Branche wurden mehr
Beschäftigte als ein Jahr zuvor gemeldet. Insgesamt gingen im 3.
Sektor 15'100 Stellen verloren (-0,6%). Deutlich am meisten
Stellenverluste erlitten die Erbringer von Dienstleistungen für
Unternehmen (-11'000; -3,3%), gefolgt von dem sich seit fast zwei
Jahren negativ entwickelnden Gastgewerbe (-7800; -3,5%). Aber auch
im Grosshandel (-6200; -3,3%), im Kreditgewerbe (-5600; -4,3%) und
bei den Informatikdiensten (-5200; -7,8%) entwickelte sich die
Beschäftigung weiterhin negativ. Einen massiven Stellenzuwachs
wiesen das Gesundheits- und Sozialwesen (+13'700; +3,4%) sowie das
Unterrichtswesen (+8100; +3,4%) aus. Weil im 3. Sektor 36,4% der
Beschäftigten Teilzeit arbeiten, ist die Abbildung der
Arbeitsmarktlage mittels Vollzeitäquivalenten hier besonders
aufschlussreich: Innert Jahresfrist nahm die Anzahl Vollzeitstellen
im tertiären Sektor um 2,6% (-44'500) ab, während die Anzahl
Teilzeitstellen um 3,1% (+29'400) angestiegen ist. Umgerechnet in
Vollzeitäquivalente bedeutet dies, dass die Beschäftigung im 3.
Sektor um 1,3% (-27'700) abgenommen hat. Beschäftigungsrückgang in
allen Grossregionen der Schweiz Den revidierten Daten zufolge
mussten alle sieben Grossregionen im Vorjahresvergleich einen
Beschäftigungsrückgang hinnehmen. Die Nordwestschweiz war mit einer
Einbusse von 11'000 Stellen (-2,1%) - verursacht durch eine massive
Abnahme im 2. Sektor (-8200 Beschäftigte; -5,1%) - am stärksten
betroffen. Des weiteren schrumpfte die Beschäftigung in der
Zentralschweiz um 1,6%, in Zürich und der Genferseeregion um jeweils
1,3%, im Tessin um 0,9%, in der Ostschweiz um 0,5% und im Espace
Mittelland um 0,4%. Auch bezüglich Grossregionen kann die
Beschäftigungssituation mittels Vollzeitäquivalenten differenzierter
abgebildet werden: Beispielsweise wurden im Espace Mittelland sowohl
überdurchschnittlich viele Vollzeitstellen abgebaut (-3,4%) als auch
überdurchschnittlich viele Teilzeitstellen neu geschaffen (+6,3%).
Die Vollzeitäquivalente zeigen auf, dass trotz einer relativ
geringen Abnahme von 0,4% im Espace Mittelland dessen
Beschäftigungsvolumen um 1,8% abgenommen hat. Aussichten auf dem
Arbeitsmarkt bleiben schlecht Die in die nahe Zukunft gerichteten
Indikatoren des Beschäftigungsbarometers lassen momentan keine
Verbesserung der Beschäftigungssituation erwarten. Die
Aussichtsbeurteilungsziffer liegt um 2 Punkte tiefer als im
Vorjahresquartal bei 115 Punkten und es meldeten nur noch 15,7% der
Betriebe (Gewichtet mit der Anzahl Beschäftigten) einen Mangel an
gelernten Arbeitskräften (Vorjahr: 21,9%). Auch der revidierte Index
der offenen Stellen (neue Basis: 2. Quartal 2003 = 100) sank und
notiert bei 80,1 Punkten (-35,0%). Mit 76,8 Punkten (-33,4%) liegt
er im 2. Sektor etwas tiefer als im 3. Sektor (81,4 Punkte, -35,6%).
Auch die anderen Indikatoren weisen auf eine etwas ungünstigere
Beschäftigungsentwicklung im 2. Sektor als im 3. Sektor hin: Im 2.
Sektor wurden die Beschäftigungsaussichten nur von 27,0% der
Betriebe für gut befunden. 11,3% der Betriebe bezeichneten die
Aussichten als schlecht. Deshalb notiert die
Aussichtsbeurteilungsziffer im 2. Sektor bei 108 Punkten. Die
Betriebe des tertiären Sektors hingegen berichteten zu 42,4% von
guten und nur zu 6,0% von schlechten Beschäftigungsaussichten.
Entsprechend liegt die Aussichtsbeurteilungsziffer im 3. Sektor bei
118 Punkten. Die einzige Branche, in der der Index der offenen
Stellen höher liegt als im Vorjahresquartal ist das Unterrichtswesen
(Vorjahr: 53,9 Pkte., aktuell: 87,1 Pkte.). Hier erwarten 58,8% der
Betriebe für die nahe Zukunft eine gute und nur 2,0% eine schlechte
Beschäftigungssituation, womit ein weiteres Beschäftigungswachstum
in dieser Branche zu erwarten ist. Neues in den
Arbeitsmarktstatistiken Die statistischen Grundlagen des
Beschäftigungsbarometers (BESTA und ETS) wurden im 2. Quartal 2003
revidiert. Die Stichprobe der BESTA wurde teilweise erneuert, und
die Ergebnisse der beiden Statistiken wurden rückwirkend an die
Daten der Betriebszählung 2001 angepasst. Die Revision erstreckte
sich vom 4. Quartal 1998 bis zum 2. Quartal 2003. Daneben hat der
Index der offenen Stellen eine andere Basis erhalten. Neu gilt: 2.
Quartal 2003 = 100. Unterschiede zwischen der alten und der neuen
BESTA-Stichprobe Für das zweite Quartal 2003 weist die BESTA mit der
neuen Stichprobe eine etwas höhere Gesamtbeschäftigung (3'626'000
Personen; +1,4%) aus als mit der alten Stichprobe (3'577'000). Mit
der neuen Stichprobe ergibt sich für diesen Zeitraum eine
Verringerung der Gesamtbeschäftigung um 0,6%, verglichen mit einem
Rückgang um 0,9% nach dem alten System. Durch die
Stichprobenanpassung verringerte sich der Rückgang der
Gesamtbeschäftigung in Vollzeitäquivalenten von 1,4% auf 1,3%.
Auffallend sind auch deutliche Unterschiede in einigen
Wirtschaftsabteilungen des tertiären Sektors. Zu nennen sind
Erbringung von Dienstleistungen für Unternehmen (+35'000),
Grosshandel (-25'000), Mit dem Kredit- und Versicherungsgewerbe
verbundene Tätigkeiten (+10'000). Diese Differenzen erklären sich
durch die Aufnahme von Aktualisierungen des Betriebs- und
Unternehmensregisters in die BESTA. Dabei handelt es sich um die
Gründungen und Auflösungen von Unternehmen sowie die Neueinteilung
zahlreicher wirtschaftlicher Tätigkeiten, die im Rahmen der BZ 2001
festgehalten worden sind. Erneuerung des BESTA-Fragebogens auf das
1. Quartal 2004 verschoben Die Erneuerung des BESTA-Fragebogens ist
verschoben worden. Sie findet entgegen unserer früheren Mitteilung
nicht im 4. Quartal 2003, sondern erst im 1. Quartal 2004 statt.
Folgende Änderungen sind vorgesehen: Neu eingeführt wird eine Frage
zur Anzahl Grenzgängerinnen und Grenzgänger. Die Definition im
Zusammenhang mit der Frage zu den offenen Stellen wird an die
europäischen Standards angeglichen, und die zwei qualitativen Fragen
(Mangel an/Genügend/Überfluss an Personal und
Beschäftigungsaussichten), die seit ihrer Einführung 1925
unverändert geblieben sind, werden den heutigen Gegebenheiten
angepasst. Sie werden durch zwei Fragen ersetzt, wobei die eine die
Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Personal nach
Ausbildungsgrad und die andere die voraussichtliche Anzahl
Beschäftigter im nächsten Quartal behandelt. Erfolg der
elektronischen Datenerhebung bestätigt Zum 4. Mal seit dem 4.
Quartal 2002 hatten die Unternehmen die Möglichkeit, den jüngsten
Fragebogen zur BESTA per Internet auszufüllen. Insgesamt haben im 3.
Quartal 2003 rund 8'300 Betriebe von dieser Möglichkeit Gebrauch
gemacht. Dies entspricht 21% der bis anhin per Post retournierten
Fragebogen. Im 4. Quartal 2002 waren es nur gerade 10,5% gewesen.
Mehr als 82% dieser Betriebe haben sich sogar für eine vollständig
elektronische Abwicklung der Befragung entschieden. Das heisst, dass
diese Betriebe in Zukunft auch die Aufforderung zur Teilnahme an der
Befragung nicht mehr per Post, sondern per E-Mail erhalten werden.
Zählt man die ca. 14'000 Betriebe hinzu, die ihre Daten mittels
anderer elektronischer Hilfsmittel liefern (Sonderlösungen für
Grossunternehmen), so wird fast die Hälfte der BESTA-Stichprobe auf
elektronischem Weg erfasst. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Informationsdienst Auskunft zur BESTA:
Nathalie Portmann, BFS, Sektion Erwerbsleben und Arbeitsmarkt, Tel.:
032 713 67 88
Auskunft zur ETS:
Thierry Murier, BFS, Sektion Erwerbsleben und Arbeitsmarkt, Tel.:
032 713 63 63 Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch
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