Medienmitteilung
BFS: Entwicklung der Anzahl Todesfälle
2003-11-25T09:15:00
(ots) - Entwicklung der Anzahl Todesfälle
Jahrhunderthitze keine markante Zunahme der Todesfälle in der
Schweiz Die Hitzewelle im Sommer 2003 hat zu keinem signifikanten Anstieg
der Todesfälle in der Schweiz geführt. Dies hat die Statistik der
Todesfälle des Bundesamtes für Statistik (BFS) ergeben. Im Mittel
der letzten vier Jahre wurde lediglich eine geringfügige Zunahme der
Anzahl Todesfälle registriert. Sie betrifft hauptsächlich die 80-
jährigen oder älteren Personen in bestimmten Landesgegenden.
Geringer Anstieg der Anzahl Todesfälle im August Im August 2003
wurde die Schweiz wie die meisten westeuropäischen Länder von einer
aussergewöhnlichen Hitzewelle heimgesucht. Ungewohnt war zum einen
die Höhe der Temperaturen: Der August 2003 war der heisseste Monat
in der Schweiz seit Beginn der Messungen 1864. Unüblich lang war
auch die Dauer der Hitzeperiode. Trotz dieser besonderen
Witterungsbedingungen ist die Anzahl Todesfälle in der Schweiz nicht
signifikant gestiegen. Dies besagen die provisorischen Ergebnisse
des BFS für den Monat August. Registriert wurden insgesamt 5034
Todesfälle, 235 (4,9%) mehr als das August- Mittel der letzten vier
Jahre. Diese Steigerung ist nicht signifikant, werden doch von Jahr
zu Jahr für einen bestimmten Monat regelmässig Schwankungen um die
3% verzeichnet. Für März 2003 wurde sogar eine Steigerung der Anzahl
Todesfälle um über 11% gegenüber dem Mittel der Periode 1999-2002
ermittelt. Diese Zunahme wird durch deutliche Rückgänge in den
Monaten Januar und Februar ausgeglichen. Deutlichere Steigerungen in
den Nachbarländern Ersten Schätzungen zufolge ist hingegen die Zahl
der Todesfälle in den Nachbarländern der Schweiz deutlich gestiegen.
In Frankreich zum Beispiel beziffert das «Institut national de la
santé et de la recherche médicale» (Inserm) die Opfer der Hitzewelle
auf 14'800 Personen. Dadurch ist die Sterblichkeit 37% höher als
erwartet. Der italienische Gesundheitsminister veranschlagt die
Zunahme der Todesfälle in seinem Land auf 14% (+4200). In
Deutschland schätzt der Bundesverband Deutscher Bestatter die
Zunahme der Todesfälle gegenüber dem August 2002 auf 5% bis 10%.
Mehr Todesfälle an den sehr heissen Tagen In der Schweiz hat die
Zahl der Todesfälle an den extrem heissen Tagen im August besonders
zugenommen. Die Steigerung setzte am 4. August ein, um dann ab dem
15. August abzuflachen. Dieser Zeitraum entspricht der Hitzeperiode.
Die grössten Steigerungen der Todesfälle gegenüber den Vorjahren
wurden am 10., 11. und 13. August registriert. Diese vereinzelten
Steigerungen innerhalb der Hitzephase haben keine grossen
Auswirkungen auf die Sterblichkeit des gesamten Monats August.
Unterschiedliche Entwicklungen je nach Region Unter den Kantonen mit
einer genügend hohen Anzahl Todesfälle für jährliche Vergleiche
haben Basel-Stadt (+44 Fälle/+22%) und Genf (+53/+23%) die grössten
Sterblichkeitszunahmen gegenüber den vier vorangehenden Jahren
erfahren. In den anderen Kantonen mit jährlich vergleichbaren Zahlen
ist die Zahl der Todesfälle gegenüber den Vorjahren nicht merklich
gestiegen. In den Städten mit mehr als 30'000 Einwohnern ist kein
eindeutiger Zusammenhang zwischen der Sterblichkeit und den
Sommertemperaturen auszumachen. Zwar haben die Städte Genf, Basel
und Neuenburg im August 2003 während der Hitzeperiode eine merkliche
Steigerung der Anzahl Todesfälle bei sehr hohen Temperaturmaxima
verzeichnet. Angesichts der relativ geringen Anzahl Todesfälle auf
Städteebene ist jedoch bei der Interpretation dieser Entwicklungen
Vorsicht geboten. Deutlich mehr Todesfälle bei den 80-jährigen und
älteren Personen Die Verteilung der Todesfälle nach Alter der
Verstorbenen zeigt, dass die Sterblichkeit insbesondere in der
Gruppe der 80-Jährigen und Älteren zugenommen hat. Das BFS hat für
den Monat August eine Zunahme der Anzahl Todesfälle um über 16% für
die Männer und um rund 15% für die Frauen ermittelt. Für die extreme
Hitzeperiode vom 4. bis 15. August fällt Folgendes auf: Erstens
haben die Todesfälle unter den ältesten Personen stark zugenommen.
Zweitens scheint die weibliche Bevölkerung stärker betroffen gewesen
zu sein. Unter den über 80-jährigen Frauen haben die Todesfälle im
Jahr 2003 gemessen am Mittel der vorangehenden vier Jahre um 34%
zugenommen, bei den Männern dieser Altersstufe um 21%. In der
Bevölkerungsgruppe der 40- bis 79-Jährigen sind hingegen im August
weniger Personen verstorben als im Mittel der vier vorangehenden
Jahre. Zu überprüfender Kausalzusammenhang Der ursächliche
Zusammenhang zwischen der Hitzewelle und dem Anstieg der Anzahl
Todesfälle muss noch mittels Analyse der Todesursachen geprüft
werden. Diese Informationen werden in rund einem Jahr verfügbar sein
und eine genauere Untersuchung der Sterblichkeit im Sommer 2003
ermöglichen. Es wird auch interessant sein, die
Todesfall-Statistiken der letzten Monate des Jahres 2003 darauf hin
zu untersuchen, ob die leichte Steigerung vom August durch einen
Rückgang der Todesfälle zwischen September und Dezember wieder
ausgeglichen wird. Geht die Anzahl Todesfälle zurück, so könnte dies
heissen, dass die Hitzewelle geschwächte Personen getroffen hat, die
in naher Zukunft ohnehin gestorben wären. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Informationsdienst Auskunft:
Sylvie Regli Greub, BFS, Sektion Bevölkerungsentwicklung, Tel.: 032
713 62 92,
E-Mail: sylvie.regli@bfs.admin.ch
Stéphane Cotter, BFS, Sektion Bevölkerungsentwicklung, Tel.: 032 713
62 07;
E-Mail: stéphane.cotter@bfs.admin.ch Zusatzinformationen auf dem Internet:
- Weitere Informationen zur Bevölkerung in der Schweiz:
www.statistik.admin.ch/stat_ch/ber01/dber01.htm
- zu den Todesfällen im August 2003 in Frankreich:
www.inserm.fr; www.ined.fr/canicule/index.html Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch 25.11.03
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100469289
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