Medienmitteilung
BFS: MONET: Die Nachhaltige Entwicklung der Schweiz erstmals gemessen
Ansätze zu einer Nachhaltigen Entwicklung sind vorhanden, aber wir leben auf Kosten der Zukunft
2003-11-10T09:15:00
(ots) - MONET: Die Nachhaltige Entwicklung der Schweiz erstmals
gemessen Ansätze zu einer Nachhaltigen Entwicklung sind vorhanden,
aber wir leben auf Kosten der Zukunft Mit dem Indikatorensystem
MONET (Monitoring der Nachhaltigen Entwicklung) steht neu ein
Messin-strument für die Nachhaltige Entwicklung in der Schweiz zur
Verfügung. Es liefert erstmals ein umfas-sendes Bild der
Nachhaltigen Entwicklung in unserem Land. Und dieses zeigt: Die
Ansätze zu einer Nachhaltigen Entwicklung sind vorhanden, doch
anstatt nur von den Zinsen zu leben, zehren wir gleichsam vom
Kapital anderer Länder und zukünftiger Generationen . Das Bundesamt für Statistik BFS, das Bundesamt für Raumentwicklung
ARE und das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL haben
zur Beobachtung der Nachhaltigen Entwicklung ein Messsystem (MONET)
realisiert. Das nun verfügbare neue Monitoringinstrument ermöglicht
mit seinen über 100 Indikatoren eine regel-mässige Berichterstattung
über Stand und Verlauf der Nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz. Ansätze zu Nachhaltiger Entwicklung vorhanden Zu den wichtigsten
Erkenntnissen des Monitorings gehört, dass in den meisten
Lebensbereichen Ansätze zu Nachhaltiger Entwicklung vorhanden sind,
gleichzeitig aber auch gegenläufige Trends festzustellen sind:
Bei-spielsweise stehen einer steigenden Arbeitsproduktivität und
steigenden Haushalteinkommen ein nur schleppen-der Abbau der
Ungleichheiten zwischen Frau und Mann bezüglich beruflicher Stellung
und Einkommen und mehr Working Poor als vor 10 Jahren gegenüber. Die
Freude über eine verbesserte Energieeffizienz, die in der
Produk-tion von Gütern und Dienstleistungen und in der
Volkswirtschaft als Ganzer verzeichnet werden kann, wird getrübt
durch die Zunahme des Gesamtenergieverbrauchs. Dramatisch ist diese
Entwicklung im Verkehr, in welchem der Energieverbrauch aufgrund
einer ungebremsten Mobilitätszunahme zwischen 1980 und 2001 um über
40% ge-stiegen ist, trotz kontinuierlich verbesserter
Energieeffizienz. Widersprüchliche Gesellschaft Eine weitere Ambivalenz zeigt sich
darin, dass die Schweiz in Bezug auf national relevante Aspekte auf
dem nachhaltigen Weg ist, während sie sich bei global bedeutsamen
Aspekten nicht nachhaltig verhält: Schweizweit geniessen wir immer
bessere Luft und saubereres Wasser, während der für das globale
Klimasystem bedeutsa-me CO2-Ausstoss erst stabilisiert ist. Der
zunehmenden Aussenhandelsverflechtung der Schweiz und der
zuneh-menden Reisetätigkeit der Schweizerinnen und Schweizer steht
keine Erhöhung der Beiträge für die Entwick- lungszusammenarbeit
gegenüber. Auf Kosten kommender Generationen Eine dritte Erkenntnis betrifft
die Fairness zwischen den Generationen. Es deutet vieles darauf hin,
dass die rela-tiv positive Beurteilung der aktuellen Lage auf Kosten
zukünftiger Generationen zustande kommt: Während sich heute viele
Schweizerinnen und Schweizer einer hohen Arbeits- und
Lebenszufriedenheit erfreuen, verfügen allerdings 20% der
Jugendlichen über nicht einmal grundlegende, für die Gestaltung
ihres künftigen Lebens wich-tige Lesekompetenzen. Die hohe
Zufriedenheit mit der Wohnumgebung und die zunehmende Wohnfläche pro
Person werden mit einem Siedlungsflächenzuwachs von 0.86 m2 pro
Sekunde erkauft, der grösstenteils auf die Kosten von wertvollem
Kulturland geht. Es ist schliesslich zu erwarten, dass die steigende
Verschuldungsquote der öffentlichen Haushalte den Handlungsspielraum
kommender Generationen beträchtlich einschränkt. Gesamthaft betrachtet gibt es Fortschritte in den Bereichen
subjektive Lebensbedingungen, Produktion und Kon-sum von
biologischen Produkten, Forschung und Technologie und
Luftreinhaltung. Demgegenüber bestehen die grössten Defizite in den
Bereichen Verkehr, Boden- und Raumnutzung, Armut und internationale
Solidarität. Die-se bedürfen künftig besonderer Aufmerksamkeit. Das
Monitoring der Nachhaltigen Entwicklung soll als Anstoss dazu
dienen, diese Probleme aus der die Sektorpolitik übergreifenden
Optik der Strategie der Nachhaltigen Ent-wicklung anzugehen. BFS, Bundesamt für Statistik, Informationsdienst
ARE, Bundesamt für Raumentwicklung, Information
BUWAL, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Pressedienst Auskünfte
André de Montmollin, Projektleiter MONET, BFS, 032 713 64
72, E-Mail : Andre.Montmollin@bfs.admin.ch
Daniel Wachter, Sektionschef Nachhaltige Entwicklung, ARE,
031 324 14 50, E-Mail: Daniel.Wachter@are.admin.ch
Arthur Mohr, Abteilungschef Ökonomie und Forschung, BUWAL,
031 322 93 29, E-Mail: Arthur.Mohr@buwal.admin.ch Publikationen: BFS/BUWAL/ARE: Nachhaltige Entwicklung in der
Schweiz Indikatoren und Kommentare. Bestellnum-mer 518-0300, Preis
Fr. 12.- BFS/BUWAL/ARE: MONET Schlussbericht Methoden und
Resultate. Bestellnummer 311-0300, Preis Fr. 7.- Bestellungen: Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, Tel. 032 713 60
60, Fax 032 713 60 61 oder E-Mail: order@bfs.admin.ch Auf Internet unter: http://www.monet.admin.ch Was versteht man unter Nachhaltiger Entwicklung Nachhaltige
Entwicklung ist eine Entwicklung, welche die gegenwärtigen
Bedürfnisse zu decken vermag, ohne gleichzeitig späteren Generation
die Möglichkeit zur Deckung der ihren zu verbauen. Sie bedeutet die
Gewährung von menschenwürdigen Lebensbedingungen im Sinne der
Menschenrechte durch Schaffung und Aufrechterhal-tung möglichst
vieler Optionen zur freien Gestaltung der Lebensentwürfe. Bei der
Nutzung der gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen
Ressourcen soll der Grundsatz der Fairness unter und zwischen
gegenwärtigen und zukünftigen Generationen in der Schweiz und
gegenüber dem Ausland berücksichtigt werden. Es gilt das Prinzip der
Gleichrangigkeit: Ökologische, ökonomische und soziale Ziele dürfen
langfristig nicht auf Kosten der jeweils anderen Ziele erreicht
werden. Anlass für ein Monitoring in der Schweiz Die Schweiz hat sich 1992
mit der Annahme der «Agenda 21» und der Erklärung von Rio zu einer
Nachhaltigen Entwicklung bekannt und dieses Ziel in die revidierte
Bundesverfassung von 1999 aufgenommen. Um es in jedem Politikfeld zu
verankern hat der Bundesrat 2002 eine Strategie vorgelegt, die seine
Politik in diesem Bereich für die nächsten Jahre definiert und einen
Aktionsplan mit 22 Massnahmen enthält. Eine davon formuliert den
Bedarf nach einem Messinstrument, das die Fortschritte und
Rückschläge auf dem Weg zu einer Nachhaltigen Entwick-lung
überprüfen hilft. Bereits in der Agenda 21 wurde die Bedeutung einer
Kontrolle der Entwicklung erkannt und ebenfalls der Aufbau eines
aussagekräftigen Messinstruments verlangt. Das vorliegende
Monitoringsystem ist die Antwort auf diese national und
international geforderte Produktion von Indikatoren der Nachhaltigen
Entwicklung. Produkte Ein rund 90-seitiger Bericht liefert thematisch gruppiert
statistische Daten zur Nachhaltigen Entwicklung und erör-tert die
bisherige Entwicklung und die aktuelle Situation. Er enthält auch
die 43 Postulate, die ausgehend von einer Interpretation der
Definition für Nachhaltige Entwicklung im so genannten Brundtland-
Bericht von 1987 für die drei Zieldimensionen «gesellschaftliche
Solidarität», «wirtschaftliche Leistungsfähigkeit» und «ökologische
Verantwortung» formuliert worden sind und eine Neuheit darstellen.
Diese Postulate sind die entscheidenden Bezugsgrössen für die
Bewertung, ob sich die Schweiz nachhaltig entwickelt.
Journalistinnen und Journalisten sowie unabhängige Fachleute
analysieren und kommentieren die vorgestellten Resultate und zeigen
Perspektiven und Handlungsansätze für die Zukunft auf. Ihre Beiträge
dokumentieren auch eindrücklich die Breite der Anliegen an die
Nachhaltige Entwicklung. Zusätzlich steht ein technischer Bericht zur Verfügung, der die
Konstruktion des Indikatorensystems MONET beschreibt und die zu
diesem Zweck gewählten Ansätze und Methoden dokumentiert. Unter: http://www.monet.admin.ch sind diese Publikationen sowie
ausführlichere Informationen zu den Indikatoren der Nachhaltigen
Entwicklung im Internet verfügbar.
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100468679
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