Medienmitteilung
BFS: Das Schweizer Parteiensystem im internationalen und im kantonalen Vergleich
2003-10-08T09:15:00
(ots) - Das Schweizer Parteiensystem im internationalen und im kantonalen
Vergleich Im europäischen Vergleich stellt das schweizerische Parteiensystem
wie auch seine Veränderungen in den letzten dreissig Jahren keinen
Sonderfall dar, auch wenn die hiesige Parteienlandschaft durchaus
durch schweizerische Besonderheiten geprägt ist. So ist in der
Schweiz die Zahl der Parteien überdurchschnittlich gross und es gibt
eine Vielzahl politisch thematisierter Konfliktlinien. Die
politische Linke ist im internationalen Vergleich sehr schwach und
die bürgerlichen Parteien sind überdurchschnittlich stark. In den
letzten dreissig Jahren haben sich die kantonalen Parteiensysteme
einander angeglichen, es können gegenwärtig aber immer noch mehrere
Typen von kantonalen Parteienstystemen unterschieden werden. Das
sind Ergebnisse zweier Studien, welche die beiden Berner
Politologie- Professoren Klaus Armingeon und Andreas Ladner im
Auftrag des Bundesamtes für Statistik (BFS) erstellt haben. Ein
westeuropäisches Parteiensystem mit schweizerischen Besonderheiten
Ein Vergleich des schweizerischen Parteiensystems mit den
Parteiensystemen in den westeuropäischen Ländern der letzten
dreissig Jahre zeigt grosse Ähnlichkeiten: Es gibt in der Schweiz
ähnliche Parteien wie in Europa und die Entwicklungen dieser
Parteien verlaufen ebenfalls ähnlich wie jene in Westeuropa. Es gibt
jedoch auch Unterschiede. So ist die Zahl der Parteien in der
Schweiz viel grösser als in den meisten westeuropäischen Ländern.
Ebenfalls bedeutend ist im internationalen Vergleich die Zahl der
politisch thematisierten Konfliktlinien, was die schweizerische
Parteienvielfalt erklären dürfte. Im Gegensatz zu anderen
westeuropäischen Staaten gibt es in der Schweiz an den Rändern des
politischen Spektrums keine starken links- oder rechtsextremen
Parteien. Im Falle von linksextremen Parteien ist dies gemäss Klaus
Armingeon darauf zurückzuführen, dass die organisierte
Arbeiterbewegung relativ früh ins politische System eingebunden
wurde; das Fehlen ultra-rechter Parteien wiederum hange mit den
ausgebauten Volksrechten zusammen. Während in repräsentativen
Demokratien die Wahl einer rechtsextremen oder pointiert
fremdenfeindlichen Partei die einzige Möglichkeit ist, die dem
Rechtsextremismus zugrunde liegenden Wut und Ressentiments politisch
auszudrücken, können die Bürgerinnen und Bürger in der direkten
Demokratie zu einzelnen Fragen ihren Unmut äussern. Beispiel dafür
sind die Ausländerinitiativen. Ausgesprochen schwach ist im
internationalen Vergleich die politische Linke, wogegen das
bürgerliche Lager in der Schweiz überdurchschnittlich stark ist.
Klaus Armingeon hält jedoch fest, dass diese Eigenheiten des
schweizerischen Parteiensystems nicht so ausgeprägt seien, dass es
nicht in das Entwicklungsmuster der westeuropäischen Parteiensysteme
passen würde. Namentlich sind in der Schweiz wie in Westeuropa seit
den achtziger Jahren deutliche Stimmengewinne neuer Parteien
festzustellen, was darauf hinweist, dass die Stabilität der
Parteiensysteme der sechziger und siebziger Jahre etwas ins Rutschen
geraten ist. Angleichung der kantonalen Parteiensysteme Die
kantonalen Parteiensysteme haben sich in den letzten dreissig Jahren
gewandelt und teilweise einander angeglichen. Verantwortlich dafür
ist in erster Linie die SVP, welche sich immer stärker auch in
denjenigen Kantonen bemerkbar macht, in denen sie bis anhin nicht
organisiert war. Die CVP demgegenüber verliert sowohl in ihren
Stammlanden wie auch in den Diaspora-Gebieten, in denen sie
traditionell schwach ist, an Wählerstimmenanteilen. Wie Andreas
Ladner aufzeigt, gibt es nach wie vor beachtliche Unterschiede
zwischen den kantonalen Parteiensystemen. Die früher oft vertretene
Ansicht, in der Schweiz existierten 26 kantonale Parteiensysteme
entsprechend den 26 Kantonen, muss heute jedoch relativiert werden.
Aufgrund der Entwicklung von Wählerstimmenanteilen und der Stärke
der verschiedenen politischen Lager lassen sich die nach wie vor
bestehenden Unterschiede auf fünf Typen von Parteiensystemen
reduzieren: Drei Typen finden sich in den mehrheitlich katholischen
Kantonen, zwei Typen in den konfessionell gemischten Kantonen. Die
drei Typen in den katholischen Kantonen unterscheiden sich vor allem
hinsichtlich der Stärke der CVP. Entsprechend spricht man von einem
Zweiparteiensystem mit eindeutig dominanter CVP, einem
Vierparteiensystem mit starker CVP oder einem Vierparteiensystem mit
starker FDP (und schwächerer CVP). In den gemischten Kantonen
existieren einerseits Vielparteiensysteme mit einer starken Linken
oder andererseits Vierparteiensysteme mit einer starken SVP. Im
Anhang der beiden Studien befinden sich Tabellen mit den offiziellen
Ergebnissen der Parlamentswahlen sämtlicher EU- und EFTA- Staaten
seit 1970 sowie mit der Mandatsverteilung und den
Wählerstimmenanteilen der Parteien bei den kantonalen
Parlamentswahlen seit 1971. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Informationsdienst Information:
Werner Seitz, BFS, Sektion Kultur, Politik und Lebensbedingungen,
Tel. 032 713 63 65
Neuerscheinungen:
Die Publikation von Armingeon Klaus «Das Parteiensystem der Schweiz
im internationalen Vergleich. Eine Studie mit Daten der
Nationalratswahlen 19711999» umfasst 108 Seiten und kostet Fr. 10.
, jene von Andreas Ladner «Kantonale Parteiensysteme im Wandel. Eine
Studie mit Daten der Wahlen in den Nationalrat und in die kantonalen
Parlamente 19712003» umfasst 84 Seiten und kostet 8. Fr.
Publikationsbestellungen, Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60 61, E-
Mail: order@bfs.admin.ch
Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch 8.10.03
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100467599
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