Medienmitteilung
BFS: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Schweiz 2002
2003-09-01T09:15:00
(ots) - Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Schweiz 2002
Rückgang der Inlandnachfrage belastet Schweizer Wirtschaft 2002 Nach ersten Hochrechnungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) ist
das BIP im Jahr 2002 geringfügig gewachsen. Die zögerliche
Aufwärtstendenz ist hauptsächlich auf einen schwachen Binnenmarkt
zurückzuführen. Negativentwicklungen verzeichneten insbesondere die
Finanzinstitute, die Maschinenindustrie und der Tourismus. Einzig
die Bauinvestitionen erwiesen sich als Stütze für die
Inlandnachfrage. Das BIP zu laufenden Preisen nahm 2002 gegenüber
dem Vorjahr um 0,8% zu und belief sich auf 417 Milliarden Franken.
Die mässige Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus (+0,6%) hatte zur
Folge, dass das BIP zu konstanten Preisen um 0,2% wuchs und 350
Milliarden Franken erreichte. 2001 hatte das Plus 0,9% zu konstanten
Preisen betragen. Die ersten Schätzungen des BIP basieren auf den
verschiedenen Verwendungsarten sowie auf der Entwicklung der
Wertschöpfungsentstehung der verschiedenen Sektoren
(produktionsbasierter Ansatz). Gesteigerte Arbeitsproduktivität dank
Kostenrationalisierungen Im Sektor der nichtfinanziellen
Unternehmungen (Produktion von Waren und marktbestimmten
nichtfinanziellen Dienstleistungen) entwickelte sich die
Wertschöpfung sowohl zu laufenden als auch zu konstanten Preisen
positiv. Das Wachstum zu konstanten Preisen ist dadurch entstanden,
dass die Vorleistungen stärker zurückgegangen sind als der
Produktionswert. Dies ist auf Kostenrationalisierungen
zurückzuführen. Zusammen mit einer Zunahme der Erwerbslosigkeit
führte dies zu Produktivitätsgewinnen in diesem Sektor. Auch dieses
Jahr verzeichneten die einzelnen Branchen unterschiedliche
Entwicklungen. Die chemische Industrie, das Baugewerbe, der Handel
und die Reparatur von Automobilen sowie das Immobilienwesen
schnitten gut ab. Abschwächungen mussten hingegen die
Maschinenindustrie, die Herstellung von Metallerzeugnissen, die
Bekleidungsindustrie sowie die Verkehrsbranche hinnehmen. Trotz
einer Wachstumsverlangsamung gegenüber 2001 hat sich der Sektor der
nichtfinanziellen Unternehmungen 2002 erneut als Zugpferd der
Gesamtwirtschaft erwiesen. Die Finanzinstitute (Nationalbank,
sonstige Banken, Kreditinstitute, Börsen usw.) spielten 2002 erneut
eine nicht unbedeutende Rolle für die Konjunkturentwicklung. Der
Wertschöpfungsschwund von 2001 setzte sich, wenn auch deutlich
schwächer, fort. Zudem belastete die Abschwächung der
Emissionstätigkeit, der Börsenkurse sowie des
Treuhandanlagegeschäfts die Ergebnisse dieses Sektors. Die Banken
reagierten hierauf mit einer starken Komprimierung ihrer Kosten und
glichen so den Rückgang ihres Produktionswertes teilweise wieder
aus. Bei den öffentlichen Haushalten (Bund, Kantone, Gemeinden)
entwickelten sich die Personalkosten unterschiedlich. Das neue
Bundespersonalgesetz ermöglichte dem Bund eine bessere Kontrolle der
Löhne und Einsparungen bei der beruflichen Vorsorge. Die Kantone und
Gemeinden hatten hingegen eine Steigerung der Personalkosten zu
gewärtigen. Insgesamt war die Wertschöpfung des Sektors zu
konstanten Preisen leicht rückläufig. Die Sozialversicherungen
wiederum vermochten ihre Produktion sowohl zu laufenden als auch zu
konstanten Preisen merklich zu steigern. Diese Entwicklung erklärt
sich durch die Zunahme der Erwerbslosigkeit und die damit
einhergehende Erhöhung der Betriebskosten der
Arbeitslosenversicherung sowie durch die gleichzeitige Ausweitung
der laufenden Ausgaben der Ausgleichskassen und der
Invalidenversicherung. Abschwächung der Inlandnachfrage Die zwei
Komponenten der Inlandnachfrage der letzte Verbrauch und die
Bruttoanlageinvestitionen gingen 2002 sowohl zu laufenden als auch
zu konstanten Preisen zurück. Der letzte Verbrauch der privaten
Haushalte und der privaten Organisationen ohne Erwerbscharakter
(POoE) im Inland, der mehr als 60% des BIP ausmacht, erhöhte sich
lediglich um 1,1% zu laufenden Preisen. Dies entspricht einer
deutlichen Wachstumsverlangsamung gegenüber dem Vorjahr (+2,8%). Zu
Preisen von 1990 betrug die Steigerung nur gerade 0,4% (Jahr 2001:
+2,0%). Die Bruttoanlageinvestitionen hatten trotz einer Erholung im
Bausektor einen deutlichen Rückgang um 4,1% zu konstanten Preisen zu
gewärtigen. Und zum zweiten aufeinander folgenden Mal erfuhren die
Ausrüstungsinvestitionen eine Negativentwicklung. Letzter Verbrauch
der privaten Haushalte verliert an Schwung Mit einer Wachstumsrate
von 1,5% zu laufenden Preisen und 0,7% zu konstanten Preisen erwies
sich der letzte Verbrauch der gebietsansässigen privaten Haushalte
und POoE im Gegensatz zu den vorangehenden Jahren nicht mehr als
Wachstumsmotor. In dieser geringen Zunahme widerspiegelt sich die
Verschlechterung des Konsumklimas infolge des Konjunkturabschwungs
und der trüben Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Unter den
Konsumfunktionen haben sich die Ausgaben für Gesundheitspflege
erneut als Wachstumsmotor für den letzten Verbrauch der privaten
Haushalte erwiesen. Hierbei gilt es zu beachten, dass die privaten
Haushalte auf diese Ausgabenart nur wenig Einfluss nehmen können.
Die übrigen Funktionen verzeichneten starke Wachstumsverlangsamungen
oder Rückgänge. So schwächte sich die Funktion Nahrungsmittel,
Getränke und Tabakwaren, die zahlreiche lebensnotwendige Güter
enthält, um 0,4% zu konstanten Preisen ab. Dieses erstaunliche Minus
ist hauptsächlich auf einen Abbau bei den Getränken zurückzuführen.
Die deutlichsten Ausgabenreduktionen finden sich jedoch in den
Kategorien Restaurants und Hotels, Reisen sowie
Finanzdienstleistungen. Öffentliche Bauinvestitionen bremsen
Talfahrt der Investitionen als Ganzes Bereits 2001 zeichnete sich
eine deutliche Schrumpfung der Investitionen ab. Das Jahr 2002
brachte dann noch schlechtere Wachstumsraten. Die
Bruttoanlageinvestitionen (BAI) schrumpften um 4,8% zu laufenden
Preisen und um 4,1% zu konstanten Preisen. Die beiden Komponenten
der BAI die Ausrüstungs- und die Bauinvestitionen - entwickelten
sich unterschiedlich. Während die Ausrüstungsinvestitionen die
Entwicklungsrate der BAI nach unten zogen, gaben die
Bauinvestitionen (v.a. die öffentlichen) Gegensteuer. Nachdem sie
bereits 2001 rückläufig gewesen waren, beschleunigten die
Ausrüstungsinvestitionen ihre Talfahrt 2002. Dadurch ergaben sich
Negativraten von 10,3% zu laufenden Preisen und 9,3% zu konstanten
Preisen. Diese Entwicklung ist insbesondere auf die starke
Verringerung der Einfuhren von Ausrüstungsgütern während des
gesamten Berichtsjahres zurückzuführen. Dabei bauten sämtliche
Kategorien von Ausrüstungsgütern deutlich ab. Am stärksten betroffen
waren der Maschinenbau, die Herstellung medizinischer Geräte und
Präzisionsinstrumente, die Automobilindustrie und insbesondere die
Herstellung von sonstigen Fahrzeugen. Beim letztgenannten Posten
fällt insbesondere der Einbruch bei der Einfuhr von Flugzeugen ins
Gewicht. Die Bauinvestitionen, die 2001 zurückgegangen waren,
kehrten 2002 wieder auf den Wachstumspfad zurück und legten um 1,0%
zu laufenden Preisen bzw. um 2,1% zu konstanten Preisen zu. Der
Hochbau gab zu laufenden Preisen leicht nach (-0,3%), steigerte sich
jedoch zu konstanten Preisen (+0,3%). Die Zunahme ist dem guten
Geschäftsgang im Tiefbau, insbesondere im Bereich der öffentlichen
Investitionen, zuzuschreiben. So schlug der Tiefbau mit +5,5% zu
laufenden Preisen und +8,8% zu konstanten Preisen zu Buche. Die
positiven Ergebnisse erklären sich durch die umfangreichen Ausgaben
für die grossen Eisenbahnprojekte (NEAT und Bahn 2000). Erwähnt sei
schliesslich auch die Abschwächung der Vorratsveränderungen, die zu
laufenden Preisen weitaus deutlicher ausfiel als zu konstanten
Preisen. Hierbei spielten starke Preisschwankungen, insbesondere bei
den Rohstoffvorräten, eine wichtige Rolle. Zunahme des
Aussenbeitrags wegen Einfuhrrückgang Die internationale
Konjunkturschwäche belastete 2002 den Aussenhandel der Schweiz
stark. Zu laufenden Preisen schrumpfte der Warenhandel. Zu Preisen
von 1990 gingen die Einfuhren zurück, während die Ausfuhren
expandierten. Dieses ungünstige Umfeld machte sich auch bei den
Dienstleistungsbranchen bemerkbar, insbesondere im Verkehr und im
Tourismus. Hinzu kommt die anhaltende Schwäche der weltweiten
Finanzmärkte, welche das Transaktionsgeschäft der Banken mit der
übrigen Welt belastete. Trotz allgemeiner Verlangsamungstendenzen
verbesserte sich die Handelsbilanz 2002 deutlich. Unter
Ausklammerung des Handels mit Wertsachen wuchs ihr Überschuss von
1,7 auf 7,3 Milliarden. Dies bedeutet den höchsten Überschuss in der
Geschichte des schweizerischen Aussenhandels. Dabei gingen die
Ausfuhren (-1%) deutlich weniger zurück als die Einfuhren (-5,3%).
Bei den Importen erfuhren die Energieprodukte wegen starker
Preisabschläge den grössten Rückgang (-16,4%). Je nach Branche zeigt
sich ein sehr unterschiedliches Bild: Während die chemische
Industrie 2002 mehr Waren einführte (+3,8%), traten der Maschinenbau
und der Bereich Herstellung elektrischer Geräte diesbezüglich
kräftig auf die Bremse (-12,4%). Exportseitig wurde für die
Ausrüstungen der grösste Rückgang notiert. Nach der massiven
Verschlechterung seines Saldos 2001 stabilisierte sich der
Dienstleistungshandel im Berichtsjahr wieder. Deutliche Rückschläge
sind noch für die Bankkommissionen und die internationalen
Personentransporte zu vermelden. Im Gegensatz dazu liessen die
Ausfuhren im Versicherungssektor die Talsohle hinter sich und legten
wieder zu. Da die Einfuhren stärker zurückgingen als die Ausfuhren,
verbesserte sich die Dienstleistungsbilanz leicht. Und auch die
Austauschrelation (Terms of Trade) präsentierte sich besser als vor
Jahresfrist, da die Preise der eingeführten Güter stärker nachgaben
als jene der ausgeführten Güter. Für diese Entwicklung sind unter
anderem Schwankungen bei den Rohstoffpreisen verantwortlich. Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Die Ergebnisse der
Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) erscheinen zum letzten
Mal nach dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher
Gesamtrechnungen von 1978 (ESVG 78). Dieses System wurde anlässlich
der grundlegenden Revision des schweizerischen Systems von 1997
eingeführt, die es der hiesigen VGR erlaubte, sich der statistischen
Praxis ihrer wichtigsten Partner anzupassen. Die Mitglieder der
Europäischen Union gingen jedoch 1999 zu einem neuen System über,
dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen von
1995 (ESVG 95). Schon von Anfang an galt die Revision von 1997 als
Zwischenetappe auf dem Weg zur Einführung des ESVG 95 in der
Schweiz. Die Verbesserung der statistischen Grundlagen sowie der
gewachsene Erfahrungsschatz der Schweizer VGR erlauben nun die
Realisierung des eigentlichen Ziels. Die Ergebnisse für die Periode
1990-2002 nach dem neuen System werden im Dezember dieses Jahres zur
Verfügung stehen. Sie werden nun wieder vollständig mit den Daten
unserer wichtigsten Wirtschaftspartner vergleichbar sein, und auch
die Kompatibilität mit den Daten der Zahlungsbilanz ist
wiederhergestellt. In den letzten Jahren hatten unterschiedliche
Buchungsregeln im Rahmen des ESVG 78 und der Zahlungsbilanz zu
Differenzen bei der Erstellung der Dienstleistungsbilanz geführt.
Künftig werden die Beträge in den beiden statistischen Quellen
harmonisiert sein. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Informationsdienst Auskunft:
Philippe Stauffer, BFS, Sektion Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung,
Tel.: 032/713 60 75
Philippe Küttel, BFS, Sektion Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung,
Tel.: 032/713 60 67 Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS:
http://www.statistik.admin.ch 1.9.03
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100466255
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