Medienmitteilung
Staumeldungen während des sommerlichen Ferienverkehrs: Der Gotthard
ist nicht das Nadelöhr Europas
2003-07-31T10:24:45
Altdorf (ots) - Mit dem sommerlichen Reiseverkehr Richtung Süden
gelangen die Staus vor dem Gotthard-Strassentunnel regelmässig in
die Schlagzeilen. Dabei ist der Gotthard aber nur ein Nadelhör unter
vielen. Auf den Autobahnen in Deutschland und Italien kommt es
regelmässig zu bedeutend grösseren Staus als am Gotthard. Und auch
in den österreichischen Alpen, beispielsweise auf der vierspurigen
Brenner- Autobahn, entstehen gleich lange Staus wie am Gotthard. Der
Bau einer zweiten Strassenröhre kann also nur eine Scheinlösung
sein. Mit dem Anbruch der sommerlichen Reisewelle Richtung Süden und
zurück wird regelmässig und ausführlich über die Autokolonnen am
Gotthard berichtet. Im schweizerischen Vergleich allerdings zeigt
sich, dass diese Staus von nur geringer Bedeutung sind. Rund um die
wichtigsten Agglomerationen unseres Landes gibt es praktisch täglich
Staus. Eine Studie des UVEK zeigt mit aller Deutlichkeit, dass sich
die Engpässe in unserem Autobahnnetz vor allem auf der Ost-West-
Achse und nicht auf der Nord-Süd-Achse befinden. Einige
Autobahnteilstücke haben einen durchschnittlichen Verkehr von über
100'000 Fahrzeugen pro Tag. Dem gegenüber nehmen sich die
durchschnittlich 16'000 Fahrzeuge pro Tag am Gotthard direkt
bescheiden aus. Die Staus in den Agglomerationen allerdings werden
wenig thematisiert, weil sie schon fast alltäglich sind. Megastaus in Deutschland Wird die gesamte Nord-Süd-Achse durch Europa betrachtet, stellt man
schnell fest, dass sich Ferienstaus an den verschiedensten Orten
bilden. Der deutsche Automobil-Club ADAC sagt unvermeidbare und zum
Teil sehr lange Staus auf mindestens 16 Autobahnteilstrecken vor,
darunter die Strecken zwischen Hamburg und Köln, zwischen Frankfurt
und Basel, zwischen Berlin und München sowie zwischen München und
Salzburg. Für den Juli und August hat der ADAC nicht weniger als 23
Tage mit bedeutenden Staus prognostiziert. Vom 25. bis zum 27.Juli
und zwischen dem 1. und 8. August werden in Deutschland gar Mega-
Staus von 40 Kilometern und mehr angekündigt. Zudem empfiehlt der
ADAC, während des ganzen Sommers am Freitag, Samstag und Sonntag
nicht zu verreisen. Warten in Österreich und Italien Der österreichische Automobilclub ÖAMTC kündigte für den Alpen-
Transit durch Österreich über Innsbruck oder Salzburg nicht weniger
als 12 Stauzonen an. Auf der Tauernautobahn werden Staus von bis zu
20 Kilometern Länge vorausgesagt. In Italien sind die Autobahnen
rund um die grossen Agglomerationen wie Mailand, Genua oder Bologna
regelmässig überlastet. Das gebirgige Teilstück zwischen Bologna und
Florenz ist als eines der schlimmsten in Italien bekannt. Im Sommer
sind die Strecke zwischen Bologna und Rimini/Ancona, die ganze
Adriaküste, die Autobahn zwischen Florenz und Pisa sowie die
Autobahnen um Genua und Neapel regelmässig überlastet. Der
Informationsdienst der wichtigsten Autobahn-Betriebsgesellschaft in
Italien kündigte für Juli und August einen kritischen
Verkehrszustand während mindestens 23 Tagen an. 18 davon werden als
sehr kritisch bezeichnet. Bahn benützen statt im Stau stehen Nach einer Schweizer Nationalfonds-Studie sind ungefähr 60 Prozent
der auf Schweizer Strassen zurückgelegten Personenkilometer auf den
Freizeitverkehr zurückzuführen. Es ist also nicht überraschend, dass
die Autobahnen an den Hauptreisetagen überlastet sind. Dieses
Problem lässt sich auch mit einer zweiten Röhre am Gotthard nicht
lösen. Der regelmässig mit den Staumeldungen geforderte Ausbau des
Gotthards auf vier Spuren kann also nur eine Scheinlösung sein. Eine
echte Alternative könnte die Bahn bieten. Die Alpen-Initiative
fordert, dass die Bahnen ihre Angebote vermehrt auf den Ansturm
während den Sommerferien ausrichten. Der Fahrplan an den Wochenenden
ist zu verdichten, und komfortableres Rollmaterial muss angeboten
werden. Sonderzüge alleine genügen nicht, da sie kein im Fahrplan
ersichtliches Mehrangebot darstellen. Zudem ist auch das Problem der
Gepäcktransporte und der Anschlüsse in der Zielregion zu lösen. Die
Alpen-Initaitve ist überzeugt, dass die Schiene im Vergleich mit der
Strasse gute Trümpfe in den Händen hält. Neben der Sicherheit und
der Zuverlässigkeit braucht die Schiene auch einen Vergleich der
Reisezeiten nicht zu scheuen, vor allem, wenn sich die Autos
stundenlang in den Blechlawinen wälzen. Altdorf, 31. Juli 2003 Für Rückfragen:
Ruedi Bomatter, Alpen-Initiative, Tel. 041 870 97 89 Alpen-Initiative
AlfArnold
Telefon:+41 41 870 97 89
Permalink:

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