Medienmitteilung
BFS: Gesamtarbeitsvertragliche Lohnabschlüsse für 2003
2003-07-24T09:15:00
(ots) - Gesamtarbeitsvertragliche Lohnabschlüsse für 2003
Sozialpartner vereinbaren trotz unsicherer Wirtschaftslage 1,4
Prozent Lohnerhöhung Die Lohnabschlüsse der Sozialpartner der wichtigsten
Gesamtarbeitsverträge (GAV) enthalten für 2003 im Mittel eine
nominale Effektivlohnerhöhung um 1,4 Prozent. Davon werden 0,8
Prozent generell und 0,6 Prozent individuell zugesichert. Auch das
nominelle Wachstum der Mindestlöhne beläuft sich im Durchschnitt auf
1,4 Prozent. Trotz der relativ niedrigen durchschnittlichen
Jahresteuerung im Jahr 2002 (0,6%) und der Konjunkturabschwächung
seit 2001 verharrt das Mittel der gesamtarbeitsvertraglichen
Lohnanpassungen auf einem relativ hohen Niveau. Dies geht aus den
jüngsten Erhebungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor. Der
Geltungsbereich der wichtigsten Gesamtarbeitsverträge (GAV) in der
Schweiz erstreckt sich auf ungefähr ein Drittel der Beschäftigten in
der gesamten Wirtschaft. Von den rund 1,2 Millionen Arbeitnehmenden,
die diesen Gesamtarbeitsverträgen unterstellt sind, war im Jahr 2003
knapp eine Million von Verhandlungen über die Effektiv- und/oder
Reallöhne betroffen. Effektivlöhne: Durchschnittliche Zunahme um 1,4
Prozent Die Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern der
wichtigsten Gesamtarbeitsverträge brachten für 2003 durchschnittlich
eine nominale Effektivlohnerhöhung um 1,4 Prozent. Dieser
Durchschnittswert bezieht sich auf die Abschlüsse im Rahmen von 31
GAV mit rund 427'800 Arbeitnehmenden (davon 72'900 im öffentlichen
Dienst). In Anbetracht der unsicheren Wirtschaftslage und der
niedrigen Teuerungsrate im Jahr 2002 (+0,6%) bewegt sich die von den
Sozialpartnern vereinbarte Lohnerhöhung von 1,4 Prozent auf einem
relativ hohen Niveau. Auf die ausgeprägte und fortgesetzte
Verlangsamung der Effektivlohnsteigerungen, die von den
Sozialpartnern zwischen 1993 bis 1999 ausgehandelt worden waren,
folgt seit 2000 wieder eine durch die anziehende Wirtschafts- und
Arbeitsmarktlage bedingte beschleunigte Erhöhung der Effektivlöhne.
Die grösste Lohnverbesserung (+2,9%) wurde 2001 erzielt; sie konnte
auch 2002 beibehalten werden (+2,5%). 2003 ist vor dem Hintergrund
der gedämpften Konjunktur und der anhaltenden Unsicherheiten im
Wirtschaftsgeschehen im Rahmen der gesamtarbeitsvertraglichen
Lohnabschlüsse eine rückläufige Effektivlohnerhöhung bis auf das
Niveau des Jahres 2000 zu verzeichnen (+1,4%). Im primären Sektor
wurde für 2003 kein einziges Effektivlohnabkommen getroffen. Im
sekundären und im tertiären Sektor mündeten die Verhandlungen in
eine durchschnittliche nominale Lohnsteigerung um 0,9
beziehungsweise 1,8 Prozent. Die Sektorendurchschnittswerte werden
in erster Linie von Wirschaftszweigen wie dem Bau, dem Detailhandel
sowie der Nachrichtenübermittlung beeinflusst, weil diese einen sehr
hohen Anteil an GAV-unterstellten Arbeitnehmenden aufweisen. Die
höchsten Effektivlohnerhöhungen verzeichnen die Branchen Kultur,
Sport und Unterhaltung (+2,6%), Gesundheits- und Sozialwesen
(+2,4%), Landverkehr und Transport in Rohrleitungen (+2,3%). Die
schlechtesten Verhandlungsergebnisse erzielten Branchen wie Be- und
Verarbeitung von Holz (0%), Herstellung von medizinischen Geräten,
Präzisionsinstrumenten, optischen Geräten und Uhren (+0,5%), Papier-
und Kartonindustrie sowie die Herstellung von Möbeln, Schmuck und
sonstigen Erzeugnissen (+1,0%). 2003 noch immer mehrheitlich
generelle Lohnerhöhungen Von 1994 bis 1998 nahmen in den wichtigsten
GAV in der Schweiz die individuellen Effektivlohnerhöhungen
kontinuierlich zu. 1998 betraf diese Art der Lohnanpassung rund 80
Prozent der nominellen Erhöhungen. Ab 1999 konnte eine Umkehr dieser
Tendenz festgestellt werden: Der Anteil genereller Erhöhungen an der
Lohnmasse stieg damals auf 67 Prozent, im Jahr 2000 auf 71 Prozent
und im darauffolgenden Jahr auf 73 Prozent. 2002 und 2003 waren die
generellen Effektivlohnerhöhungen weiterhin in der Mehrzahl, jedoch
etwas weniger ausgeprägt, nämlich nur noch zu 53 beziehungsweise 57
Prozent. Mindestlöhne: Durchschnittliche Zunahme um 1,4 Prozent Die
in den GAV festgelegten Mindestlöhne nahmen nominal um
durchschnittlich 1,4 Prozent zu; sie wiesen demnach 2003 dieselbe
Wachstumsrate wie die Effektivlöhne auf. Trotz der Abschwächung der
Konjunktur bestätigt dieser Durchschnitt zum Teil das Ergebnis von
2002 (+2,6%). Von dieser Lohnerhöhung sind 38 Gesamtarbeitsverträge
mit rund 833'800 Arbeitnehmenden betroffen (davon 72'900 im
öffentlichen Dienst). 2003 nahmen die Mindestlöhne in den
wichtigsten GAV einen bedeutenden Platz ein: Knapp 70 Prozent der
Arbeitnehmenden, auf welche diese GAV Anwendung finden, sind von
einer Mindestlohnerhöhung betroffen. Im primären Sektor wurde keine
Vereinbarung über die Mindestlöhne abgeschlossen. Im sekundären und
tertiären Sektor mündeten die Verhandlungen in eine Steigerung der
Mindestlöhne um durchschnittlich 1,1 beziehungsweise 2 Prozent. Die
Sektorendurchschnittswerte wurden vor allem von Wirtschaftszweigen
beeinflusst, die einen hohen Anteil an GAV- unterstellten
Arbeitnehmenden aufweisen: Bau, Gastgewerbe, Detailhandel,
Nachrichtenübermittlung und Kreditinstitute. Je nach
Wirtschaftssektor fallen die durchschnittlichen Anpassungen der
Mindestlöhne sehr unterschiedlich aus. In folgenden Branchen liegen
sie deutlich über dem Durchschnitt von 1,4%: Erbringung von
sonstigen unternehmensbezogenen Dienstleistungen (+3,5%),
Gastgewerbe (+3,4%), Grosshandel (+3,3%). Im Gegensatz dazu weisen
mehrere Branchen ein Nullwachstum der Löhne auf (0%) , zum Beispiel
Herstellung von Nahrungsmitteln, Hilfs- und Nebentätigkeiten für den
Verkehr, Kreditinstitute und Erbringung von persönlichen
Dienstleistungen. Im Hinblick auf den freien Personenverkehr werden
die gesamtarbeitsvertraglich festgelegten Mindestlöhne in den nicht
von einem GAV abgedeckten Bereichen unerlässliche Bezugswerte für
die Beobachtung und gegebenenfalls Festlegung von Lohnrichtlinien
darstellen. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Informationsdienst Auskunft:
Bundesamt für Statistik, Sektion Löhne und Arbeitsbedingungen
Didier Froidevaux, Tel. : 032/713 67 56 Weiterführende Informationen finden sie auf der Homepage des BSF
http://www.statistik.admin.ch 24.7.03
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100465257
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