Medienmitteilung
BFS: Kosten des Gesundheitswesens von 1960 bis 2000
2003-07-22T09:15:00
(ots) - Kosten des Gesundheitswesens von 1960 bis 2000:
Der Kostenanstieg ist ein Gesellschaftsphänomen Laut Schätzungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) liegen die
Kosten des Gesundheitswesens im Jahr 2000 bei 43,4 Milliarden
Franken. Der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandprodukt
(BIP) ist während der vergangenen vierzig Jahre stetig gewachsen.
1960 betrug er noch 4,9%, heute erreicht er 10,7%. Der Kostenanstieg
im Gesundheitswesen ist also kein neues Phänomen. Er hängt weder mit
dem Krankenversicherungsgesetz von 1994 (KVG) zusammen, noch haben
die Wirtschaftszyklen einen Einfluss auf die Entwicklung der
Gesundheitskosten; vielmehr handelt es sich dabei um ein soziales
Phänomen, das alle Akteure und ihr jeweiliges Verhalten umfasst:
Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherer und Behörden. Das
Bundesamt für Statistik hat eine Zeitreihe der Kosten im
Gesundheitsbereich für die Periode 1960 bis 2000 berechnet. 1960
betrug der Anteil dieser Kosten am Bruttoinlandprodukt 4,9%, während
es im Jahr 2000 10,7% waren. Die Gesundheitskosten wurden für das
Jahr 1960 auf 1,9 Milliarden Franken geschätzt; 2000 betrugen sie
43,4 Milliarden Franken. Mit 7,3% liegt die durchschnittliche
jährliche Steigerung stark über jener der Konsumentenpreise (3,4%),
womit die reale Kostensteigerung im Gesundheitswesen 3,9% ausmacht.
In der jüngsten Periode 1990 bis 2000 weist das Gesundheitswesen
jährlich eine mittlere Zunahme von 4,2% aus, wogegen es für die
Konsumentenpreise lediglich 1,9% sind. Die reale Zunahme der
Gesundheitsausgaben liegt während dieses Zeitraums bei jährlich
2,3%. Der Kostenanstieg im Gesundheitswesen kann keinesfalls als
explosiv" eingestuft werden; im Gegenteil, er ist stetig und
entspricht eindeutig der Entwicklung der sozialen und individuellen
Ansprüche an die Lebensqualität, zu der die Gesundheit ganz
wesentlich beiträgt. Gründe für den Kostenanstieg Dem Kostenanstieg
liegen komplexe Ursachen zugrunde, die einerseits mit dem Angebot
und andererseits mit der Nachfrage von Sach- und Dienstleistungen
des Gesundheitswesens in Zusammenhang stehen. Dabei leisten alle
Akteure ihren Beitrag: Patienten, Leistungserbringer,
Krankenversicherer und Gesundheitsbehörden. Das Verhalten jedes
Einzelnen trägt zur steigenden Kostenentwicklung bei. Nennenswert
sind zum Beispiel auf der Angebotsseite die wachsende
Spezialisierung und Technisierung, die zunehmende Anzahl privat
praktizierender Ärzte sowie die Entwicklung neuer und kostspieliger
Medikamente. Erwähnt seien auf der Nachfrageseite die strukturelle
Entwicklung der Bevölkerung und der Haushalte, der Abbau sozialer
Netze sowie der verbesserte Zugang der Bevölkerung zu qualitativ
hoch stehender Behandlung. Boom bei der Krankenhausbehandlung
Während der Gesamtperiode ist der Anteil der Leistungen im
stationären Bereich von 35,7% im Jahr 1960 auf 46,8% im Jahr 2000
übergegangen. Der Kostenanteil der Spitalbehandlung und der langen
Aufenthalte in Heimen für Betagte und Chronischkranke ist zu Beginn
der 90er-Jahre gar bis auf 50% geklettert. Die ambulante Versorgung
und die Zusatzleistungen blieben mit 36,6% im Jahr 1960 und 33,1%
2000 ziemlich stabil. Das Krankenversicherungsgesetz von 1994
scheint einer besseren Nutzung der ambulanten Versorgung den Weg
geebnet zu haben, denn der Anteil der stationären Behandlungen ist
seither rückläufig. Die Präventions- und Administrativkosten haben
sich verdoppelt und sind von 3,5% 1960 auf 7,4% im Jahr 2000
gestiegen. Hingegen ist der Anteil der Ausgaben für
Gesundheitsgüter, hauptsächlich Medikamente, beinahe um die Hälfte
von 24,2% 1960 auf 12,6% 2000 geschrumpft. Dieser Rückgang wurde
während der ersten Hälfte der Berichtsperiode verzeichnet. Für die
vergangenen zwanzig Jahre war die Entwicklung unstabil; in den
90er-Jahren wies der Kostenanteil der Medikamente aufgrund teurer
medikamentöser Behandlungen eine steigende Tendenz aus. Zunehmende
Bedeutung der Sozialversicherungen Zwischen 1960 und 2000 hat die
staatliche Finanzierung leicht abgenommen; der Anteil ging von 22,2%
1960 auf 15,2% im Jahr 2000 zurück. Markante Veränderungen gab es im
Gegensatz dazu bei den Sozial- und Privatversicherungen. Diese haben
sich zwischen 1960 und 2000 verdoppelt (von 25,2% auf 50,9%). Seit
1960 sinkt der von den Haushalten aufgebrachte Anteil regelmässig;
im Jahr 2000 betrug er 32,9% während es 1960 noch 51,5% waren. Die
Entwicklung der Finanzierung während der Berichtsperiode 1960 bis
2000 ist von drei Fakten geprägt, die vermutlich auf strukturelle
Veränderungen zurückzuführen sind: die deutliche Zunahme der von den
Sozialversicherungen übernommenen Kosten, die mässige
Leistungsdrosselung des Staates und die deutliche Abnahme des
Finanzierungsbeitrags der Haushalte. Die Zunahme bei den
Sozialversicherungen erklärt sich hauptsächlich in der
Leistungserweiterung in der Grundversicherung. Weniger
Wohlfahrtsstaat im Gesundheitswesen Damit Schätzungen der Kosten des
Gesundheitssystems für Staat und Privatsektor vorgenommen werden
können, wird die Finanzierung der Sozialversicherungen nach Staat,
Privathaushalten und Unternehmen gegliedert. Der Anteil des Staates
weist von 1960 bis 1971 eine regelmässige Zunahme aus (von 31,4% auf
39,5%). Danach sinkt der Anteil konstant und erreicht im Jahr 2000
25,3%. Zwischen 1960 und 1971 ist der Anteil der Privathaushalte,
einschliesslich der Krankenversicherungsprämien, von 63,8% auf 55,4%
geschrumpft. Darauf folgte eine regelmässige Zunahme, wobei der
Anteil im Jahr 2000 68,2 Prozentpunkte erreichte. Bleibt noch der
Anteil der Unternehmen, der ziemlich stabil blieb und nur eine
langsame Zunahme verzeichnete; von 4,9% 1960 auf 6,4% im Jahr 2000.
Der Finanzierungsanteil des Staates befand sich Ende der 90er-Jahre
auf einem historischen Tiefstand (2000 bei 25,3%), und dies
obschon die Ausgaben zur Prämienverbilligung in diesen Zahlen
berücksichtigt sind. Aus sozialpolitischer Sicht nimmt die
öffentliche Hand somit immer weniger die Aufgabe der Umverteilung
wahr. Umgekehrt dazu hat der Beitrag der Haushalte an den
Gesundheitskosten im Laufe der Zeit zugenommen. Die Statistik der Kosten des Gesundheitswesens des BFS ist eine
Synthese aus dem verfügbaren Zahlenmaterial zur Schätzung der
Geldströme rund um die Produktionskosten, die Ausgaben und die
Finanzierung von Gütern und Leistungen des schweizerischen
Gesundheitswesens während eines Jahres. Sie kann somit erst
erarbeitet werden, wenn sämtliche statistischen Primärdaten
verfügbar sind, insbesondere jene der Sozialversicherungen und der
öffentlichen Finanzen. Deshalb werden die definitiven Berechnungen
erst mit einer rund zweijährigen Verspätung veröffentlicht.
Schätzmodell Das nun veröffentlichte Zahlenmaterial beruht auf einem
2001 vollständig überarbeiteten Schätzmodell. Die Methodik wurde
verbessert, und die Präsentation der Resultate berücksichtigt die
veränderten Bedürfnisse im Bereich der Beobachtung des
Gesundheitswesens und der Krankenversicherung. Die neuen Basisdaten
zum stationären Bereich erlauben genauere Schätzungen, und die
verwendeten Klassifikationen und Berechnungsverfahren sind absolut
konform mit der neuen internationalen Methodik der OECD für die
Gesundheitskonten. Schätzungen zu den Kosten des schweizerischen
Gesundheitssystems liegen ab 1960 vor. Das Bundesamt für Statistik
veröffentlicht seit 1985 die Statistik zu den Kosten im
Gesundheitswesen. Aufgrund der kürzlich revidierten Methodik der
Gesundheitskonten war die Harmonisierung der Zeitreihen nötig. Daher
wurde eine "Retropolation" bis ins Jahr 1960 mittels der Methode
einer Indexkette vorgenommen. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Informationsdienst Auskunft:
Raymond Rossel, BFS, Sektion Gesundheit
Tel.: 032 / 713 67 77 Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch 22.7.03
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100465193
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