Medienmitteilung
HEKS nimmt Stellung zu den Sparmassnahmen des Bundes im Asylbereich
:
Fragwürdige Sparübung
2003-06-20T13:56:00
Zürich (ots) - HEKS, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen
Schweiz, hält die neu geplanten Sparmassnahmen des Bundes im
Asylbereich für fragwürdig. Die als Entlastungsmassnahmen für den
Bundeshaushalt erklärten Änderungen verursachen zum Teil Mehrkosten
und gefährden ein faires Asylverfahren für Verfolgte und
Schutzsuchende. HEKS fordert deshalb Lösungen, die
Eigenverantwortung fördern und die asylpolitische Diskussion
entspannen und versachlichen. Die Sparmassnahmen im Asylbereich werden in einem dringlichen
Gesetzgebungsverfahren behandelt. Bereits auf den 1. Januar 2004
sollen sie in Kraft treten. Dies, obwohl eine Asylgesetzrevision in
Gang ist. HEKS erachtet das Vorgehen als problematisch. Der geplante
Abbau des Rechtsschutzes und der Unterstützung von verfolgten
Menschen setzt falsche Zeichen. Zudem sind unter dem Titel
Sparvorschläge Massnahmen vorgesehen, die zusätzliche Kosten
verursachen. Geplant ist ein Paradigmawechsel in der Asylbewerberfürsorge.
Abgelehnte Asyl Suchende mit einem rechtskräftigen
Nichteintretensentscheid sollen von den Fürsorgeleistungen des
Bundes ausgeschlossen werden. Allfällige Kosten müssten die Kantone
übernehmen. Personen, die nicht ausgeschafft werden können, würden
damit faktisch zu Sans-Papiers. Sie müssten aus den
Asylbewerberunterkünften ausziehen und würden in die Illegalität
abgedrängt werden. Die Folge davon wäre Verwahrlosung und
Kleinkriminalität, da diese Menschen keine legale Möglichkeit
hätten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Auch für besonders
verletzliche Personen wie unbegleitete Minderjährige, schwangere
Frauen oder Kranke sind keine Schutzmassnahmen vorgesehen. Weiter soll die Beschwerdefrist bei Nichteintretensentscheiden von
dreissig auf fünf Tage verkürzt werden. Damit verkommt das
Asylverfahren zu einer reinen Farce. HEKS verlangt eine
Beschwerdefrist von mindestens zehn Tagen sowie den Zugang zu
Rechtsberatung und -vertretung in den Empfangsstellen und am
Flughafen. Auch die Verlängerung der Ausschaffungshaft auf neun Monate lehnt
HEKS ab. Die neuen Haftgründe - beispielsweise das Nichteinreichen
von Papieren - sind nicht völkerrechtskonform. Die Haft hätte den
Charakter einer Beugehaft und nicht die Sicherung des Vollzugs als
Ziel. Die Kosten würden die heutigen Ausgaben um ein Mehrfaches
Überschreiten. Mit den Sparmassnahmen wird versucht, mittels Abschreckung den
Asylbereich in den Griff zu bekommen. Statt Repression sind jedoch
kreative Lösungen gefragt. HEKS bringt deshalb folgende Vorschläge
ein: - Das Asylverfahren soll verkürzt werden, in dem die Anhörungen
beim Bund zentralisiert werden. Zudem sollen die
Entscheidkapazitäten bei der Asylrekurskommission ausgebaut werden.
- Das Arbeitsverbot im Asylbereich soll gelockert werden. Asyl
Suchende sollen nach drei Monaten Zugang zum Arbeitsmarkt haben.
Dadurch könnte die Asylbewerberfürsorge wirkungsvoll entlastet
werden. Es hat sich gezeigt, dass Asylbewerber keine Konkurrenz für
die übrigen Arbeitskräfte der Schweiz darstellen. Diese positiven Signale würden mithelfen, die asylpolitische
Diskussion zu entspannen und zu versachlichen. Die Lösungen sind
menschlich und gewähren Personen, die vor Verfolgung und Krieg in
die Schweiz fliehen, weiterhin Schutz. HEKS Kommunikation Weitere Informationen bei Bruna Fossati unter Telefon 01 361 73 56;
Natel 079 287 88 79; E-Mail fossati@hekseper.ch Die bereits im März erschienene Stellungnahme "Für eine menschliche
Asylpolitik" der drei Landeskirchen, HEKS und Caritas kann ebenfalls
unter dieser Nummer bestellt werden. Obenstehender Text ist auch über Internet abrufbar: www.heks.ch
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000081/100464184
|
|