Medienmitteilung
Volkszählung 2000
Pendlermobilität und Verstädterung sind anhaltend gewachsen
2003-05-15T10:30:00
Neuchâtel (ots) - Gemäss den Resultaten der Volkszählung haben 6
von 10 Erwerbstätigen im Jahr 2000 ausserhalb ihrer Wohngemeinde
gearbeitet, gegenüber 5 von 10 Personen im Jahre 1990. Trotz dieser
Zunahme ist die für den Arbeitsweg aufgewendete Zeit seit 1970
praktisch stabil geblieben, präzisiert das Bundesamt für Statistik
(BFS). Das Auto bleibt das bevorzugte Transportmittel, selbst wenn
die Bahn in den 90er Jahren Marktanteile hinzugewonnen hat. Diese
neuen Pendlerdaten erlauben überdies, die Agglomerationen in der
Schweiz neu zu definieren. Weiter ausgedehnt haben sich die
städtischen Gebiete, wo heute drei von vier Personen leben. Die Resultate zu den Pendlerdaten gehören zu den grossen
Spezialgebieten der eidgenössischen Volkszählung. Die im Jahr 2000
durchgeführte Erhebung zeigt, dass die Erwerbstätigen, welche
ausserhalb ihrer Wohngemeinde arbeiten, weiter zugenommen haben.
Seit der ersten Auswertung der Pendlermobilität im Jahre 1910 ist
die Zahl der so genannten Wegpendler laufend gestiegen. 1990 (51,7%)
hat sie die 50%-Grenze überschritten, um im Jahr 2000 57,8% zu
erreichen. Trotz dieser fortlaufenden Zunahme blieb die für einen einfachen
Arbeitsweg aufgewendete Zeit in den vergangenen 30 Jahren praktisch
gleich. 1970 waren es 18,2 Minuten, 1990 19,1 Minuten und im Jahr
2000 20,1 Minuten. Diese in vielen Ländern beobachtete zeitliche
Stabilität der Arbeitswege ist in den 80er Jahren vom
Mobilitätsforscher Zahavi als Gesetz des stabilen Zeitbudgets
erklärt worden. Um das Zeitbudget unverändert zu belassen, muss bei
wachsenden Arbeitswegen entweder von langsameren auf schnellere
Verkehrsmittel umgestiegen oder mit demselben Verkehrsmittel eine
höhere Geschwindigkeit erzielt werden. In den 90er Jahren konnte man
insbesondere eine Zunahme des Wachstums in den städtischen Gebieten
und eine Überlastung der grossen Verkehrsachsen beobachten. Für die
90er Jahre wäre darum zu erwarten gewesen, dass die bisherigen
Substitutionsformen und die Erhöhung der Reisegeschwindigkeiten
nicht mehr im selben Mass möglich sein würden. Gleichwohl ist die
mittlere Reisezeit für einen Arbeitsweg nur geringfügig um eine
Minute angewachsen. Auto ist bevorzugtes Verkehrsmittel Das Auto bleibt das bevorzugte
Verkehrsmittel, um zur Arbeit zu gelangen. Im Jahr 2000 fuhren 49,2%
mit dem Auto zur Arbeit (gegenüber 42,4% im Jahre 1990). Wenn man
die Personen, die zu Hause arbeiten, nicht mitzählt, sind es gar
54,3%. Mit Ausnahme der ganz jungen und der Personen kurz vor der
Pensionierung benutzen alle Altersklassen das Auto gleichmässig.
Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Die Westschweizer und die
Tessiner bevorzugen das Auto. An der Spitze liegt der Kanton Tessin,
wo 65,3% der Erwerbstätigen ihren Arbeitsweg mit dem Auto
zurücklegen. Die Eisenbahn hat Marktanteile hinzugewonnen, vor allem bei den
Jugendlichen. Im Jahre 1990 lag der Anteil bei 9,8% der
Erwerbstätigen, um im Jahr 2000 11% zu erreichen (12,1% wenn man die
Personen, die zu Hause arbeiten, nicht mitzählt). Diese Erhöhung ist
umso bemerkenswerter als der Anteil der Pendler bei andern
öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgegangen ist: von 12,3 auf 10,3%
für die städtischen Verkehrsbetriebe und von 2,2 auf 2,0% für die
regionalen Verkehrsbetriebe. Die Benützung des Velos ist ebenfalls von 6,3 auf 6,1% leicht
zurückgegangen. Auch haben weniger Personen den Arbeitsweg zu Fuss
zurückgelegt (Rückgang von 9,1 auf 7,9%). Siedlungsstruktur und
Angebot des öffentlichen Verkehrs beeinflusst die Wahl des
Verkehrmittels Die Verkehrsmittelwahl der berufstätigen Einwohner
der Schweiz hängt mit der Siedlungsstruktur zusammen. In städtischen
Kantonen wird weniger zu Fuss gegangen, weniger das Privatauto
benutzt und die öffentlichen Verkehrsmittel werden stärker bevorzugt
als in ländlichen Kantonen. So verwenden nur 20% der Stadt-Basler
das Auto, hingegen 55% der Solothurner; 17% der Bündner gehen zu
Fuss, aber nur 6% der Aargauer, während 37% der Zürcher ein
öffentliches Verkehrsmittel verwenden, aber nur 5% der Innerrhoder. Einen grossen Einfluss auf die Verkehrsmittelwahl haben auch das
Angebot der Bahn sowie die Netzdichte und der Fahrplan der
städtischen Verkehrsbetriebe. Weist der Kanton Zürich mit seinem
guten S-Bahn-Netz 20% Bahnbenutzer auf, so sind dies im Kanton Genf
nur gerade 2% auf zwei Bahnlinien ohne guten Erschliessungswert.
Drei von vier Personen leben in Agglomerationen Die Resultate der
Volkszählung erlauben auch, alle 10 Jahre die Anzahl der
Agglomerationen und deren Grenzen neu zu definieren. Diese
Definition berücksichtigt die ökonomische und soziale Struktur der
Gemeinden, die Pendlerbewegungen sowie die Siedlungsdichte und den
baulichen Zusammenhang. In den 90er Jahren ist der
Verstädterungsprozess weiter fortgeschritten und heute gehören knapp
1000 Gemeinden mit über 5,4 Millionen Einwohnern oder 73,3% der
Schweizer Bevölkerung zum städtischen Gebiet. Im Jahre 1990 waren es
erst 68,8% und 1980 deren 61,6% gewesen. Das städtische Gebiet der
Schweiz weist eine Fläche von 9'000 km2 auf und umfasst 50
Agglomerationen und 5 Einzelstädten. Zürich als
Millionenagglomeration In der Rangfolge der Agglomerationen liegt
Zürich mit einer Bevölkerung von 1,08 Mio. weiterhin deutlich vor
Basel (480'000 Einwohner) und Genf (470000 Einwohner) im Schweizer
Teil. Zusammen mit dem ausländischen Teil der Agglomeration erreicht
Basel 690'000 Einwohner, und Genf 640'000. Bern und Lausanne weisen
rund 350'000 resp. 310'000 Einwohner auf, gefolgt von Luzern
(197'000), St. Gallen (146'000), Winterthur (123'000), Lugano
(122'000), Baden- Brugg (107'000) sowie Olten-Zofingen (102000).
Freiburg und Zug mit über 90'000 Einwohnern liegen auf den nächsten
Rängen, gefolgt von Thun, Biel, Vevey-Montreux und Aarau. Die Agglomerationen Zürich und Basel haben sich stark ausgedehnt,
letztere (unter Einbezug von Liestal) bis ins Oberbaselbiet und
Laufental, sowie ins Elsass und nach Südbaden. Eine starke
Vergrösserung erfuhren auch die Agglomerationen von Freiburg, Vevey-
Montreux, Aarau, Wil (SG) und Heerbrugg-Altstätten. Das Wachstum der
grossen Agglomeration Genf ist fast ausschliesslich auf die
französischen Nachbargebiete in Hochsavoyen konzentriert. Funktional
verbundene Agglomerationen bilden Metropolitanregionen Die fünf
Grossagglomerationen Zürich, Genf-Lausanne, Basel und Bern sowie die
Tessiner Agglomerationen um Lugano bilden mit ihren funktional eng
verflochtenen Nachbaragglomerationen sogenannte Metropolitanräume.
Die Metropolitanregion Zürich umfasst neben der Agglomeration Zürich
noch elf weitere Agglomerationen, darunter neu auch Schaffhausen.
Die Agglomerationen Thun, Freiburg, Biel und Lyss sind zu Bern
hinzugekommen. Die Métropole lémanique umfasst neben den
Agglomerationen Genf und Lausanne auch Vevey-Montreux sowie
Yverdon-les-Bains und die französische Agglomeration Thonon-Evian.
Die Abgrenzung der Agglomerationen hat heute grössere Bedeutung als
in der Vergangenheit, da Fragen der Stadtentwicklung und der
Agglomerationspolitik vermehrtes wissenschaftliches und politisches
Interesse finden. Das statistische Instrument kommt dieser Nachfrage
entgegen, auch wenn ihm keine juristische Verbindlichkeit zukommt. BUNDESAMT FÜR STATISTIK Informationsdienst Fachauskünfte : Dr. Werner Haug, Vizedirektor BFS, Tel : 032 713 66 85
Dr. Martin Schuler, Institut du développement territorial - ETH
Lausanne, Tel : 021 693 34 24 Andere Auskünfte Eine Pressedokumentation zu diesem Thema (Karten, Grafiken,
Tabellen) steht Ihnen unter folgender Adresse zur Verfügung: Auskunftszentrale für die Volkszählung
Bundesamt für Statistik
Place de l'Europe 10
2010 Neuchâtel
Tel : 032 713 61 11
Fax : 032 713 67 52 e-mail : census.info@bfs.admin.ch Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch 15.05.03
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100463017
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