Medienmitteilung
BFS: Eidgenössische Volkszählung 2000
Neue Herausforderungen durch demografischen Wandel
2003-03-17T09:15:00
Neuchâtel (ots) - Die Bevölkerungsstruktur der Schweiz hat sich in
den 1990er Jahren durch demografische Alterung, Individualisierung
und Migrationen stark verändert. Dadurch sind neue soziale
Herausforderungen entstanden. Die Zahl der jungen Erwachsenen ging
deutlich zurück, während die Hochbetagten und älteren Erwachsenen
besonders stark zunahmen. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Ledigen
und der Geschiedenen in der Bevölkerung. Die Frauen sind vom Anstieg
der Scheidungen besonders betroffen. Zwischen Ausländern und
Schweizern wurden die Unterschiede im Heiratsverhalten, in den
Partnerschaftsformen und in der Altersstruktur grösser. Dies zeigt
eine Analyse der Ergebnisse der Volkszählung 2000 durch das
Bundesamt für Statistik (BFS). Weniger junge Erwachsene, mehr Hochbetagte In den 1990er Jahren war das Bevölkerungswachstum der Schweiz
(zwischen 1990 und 2000: 6,0%) sehr ungleich verteilt. Weitaus am
stärksten zugenommen haben die Hochbetagten über 80-jährigen
(+17,4%) und die älteren Erwachsenen zwischen 45 und 64 Jahren
(+14,8%). Die Zahl der über 100-jährigen hat sich auf 787 Personen
(85,9% davon Frauen) mehr als verdoppelt. 1970 waren in der
Volkszählung erst 61 Personen über 100 Jahre gezählt worden. Zwei Altersgruppen nahmen zwischen 1990 und 2000 ab: die Kinder
unter 6 Jahren (-1,1%) und vor allem die jungen Erwachsenen zwischen
18 und 29 (-17,6%). Der starke Rückgang bei den jungen Erwachsenen
hat zwei Gründe: einerseits die kleinen Kinderzahlen der 1968er
Generationen und andererseits der Rekrutierungsstopp für
ausländische Arbeitskräfte in den 1990er Jahren. Bei den Kindern
unter 6 Jahren ist der Rückgang ausschliesslich auf die sinkende
Kinderzahl der Schweizerinnen und Schweizer zurückzuführen. Die Zahl
der ausländischen Kinder zwischen 0 und 5 Jahren nahm stark zu
(+36,0%). Die Zahl der über 64-jährigen hat in den 90er Jahren stärker
zugenommen als die Zahl der Personen im Erwerbsalter, so dass der
Altersquotient (über 64-jährige im Verhältnis zur Zahl der 20-64-
jährigen) von 23,0% auf 24,8% anstieg. Besonders stark verändert hat
sich aber die Altersstruktur der Bevölkerung im Erwerbsalter. Im
Unterschied zu 1990 gibt es heute mehr 40-64-jährige als 20-39-
jährige Erwachsene. Fast gleich viele Personen stehen vor dem
Einstieg ins Erwerbsleben (zwischen 15 und 24) wie sich auf die
Pensionierung vorbereiten (zwischen 55 und 64). Mehr Ledige und Geschiedene Durch das Hinausschieben der Heirat und die Veränderung der
Partnerschaftsformen bleiben mehr Personen ledig. Im Alter 30 sind
46,1% der Bevölkerung noch unverheiratet (1970: 18,0%, 1990: 33,5%).
In den 1990er Jahren hat auch die Scheidungsbereitschaft zugenommen,
während gleichzeitig das Scheidungsrecht liberalisiert wurde. Die
Zahl der Geschiedenen stieg im Vergleich zu 1990 um 38,0%. Im Alter
zwischen 48 und 58 sind 12,3% der Bevölkerung geschieden (1970:
3,8%, 1990: 8,7%). Im Alter zwischen 45 und 60 sind 75,3% der Bevölkerung verheiratet
(1970: 79,4%, 1990: 78,5%). Anschliessend nehmen die Verwitwungen
zu, die vor allem Frauenschicksal sind. Das Geschlechterverhältnis
sinkt im Alter zwischen 70 und 90 durch die höhere Sterblichkeit der
Männer von 80 auf unter 37 Männer je 100 Frauen. 74,5% aller 90-
jährigen Frauen sind verwitwet. Gegenüber 1990 (72,6%) ist dieser
Anteil etwas gestiegen. Geschlecht und Nationalität beeinflussen Heiraten und Scheidungen
stark Frauen heiraten im Durchschnitt ungefähr drei Jahre früher als
Männer. Im Alter 30 sind 59,3% der Frauen verheiratet (1990: 69,0%),
aber nur 42,0% der Männer (1990: 57,4%). Männer bleiben auch
häufiger ledig als Frauen. Im Alter 50 sind 11,0% der Männer ledig
aber nur 9,1% der Frauen. Dieses Verhältnis ändert sich erst bei den
über 57-jährigen, wenn die ledigen Frauen - im Unterschied zu den
ledigen Männern - kaum mehr Heiratspartner finden. Zudem werden Frauen früher im Lebenslauf von Scheidungen betroffen.
Da die Chance der Wiederverheiratung mit zunehmendem Alter abnimmt,
bleiben Frauen häufiger als Männer dauerhaft geschieden. Im Alter 50
beträgt der Anteil der Geschiedenen bei den Frauen 14,4%, bei den
Männern 10,9%. Bei den ausländischen Staatsangehörigen finden sich wesentlich
traditionellere Familien- und Partnerschaftsformen als bei den
Schweizerinnen und Schweizern. 75,4% der ausländischen Frauen und
58,6% der Männer sind im Alter 30 verheiratet, aber nur 52,3% der
Schweizer Frauen und 35,4% der Schweizer Männer. Gleichzeitig ist
auch die Scheidungshäufigkeit im ausländischen Bevölkerungsteil
wesentlich tiefer. Im Alter 50 sind nur 8,2% der ausländischen
Frauen und 8,9% der ausländischen Männer geschieden, gegenüber 15,5%
der Schweizer Frauen und 11,4% der Schweizer Männer. Hoher Ausländeranteil bei Kindern und Erwerbstätigen Hinter dem durchschnittlichen Ausländeranteil von 20,5% verbergen
sich sehr unterschiedliche Verhältnisse. Besonders hoch ist der
Ausländeranteil bei den Kleinkindern und den Kindern im
schulpflichtigen Alter. 25,8% der 0-5-jährigen Kinder haben heute
keine schweizerische Staatsangehörigkeit (1990: 18,7%), in den
städtischen Gebieten sind es 31,0% (16,0% in den ländlichen
Gebieten) und in den fünf Grosstädten der Schweiz sogar 45,0%. Sehr stark angestiegen ist der Ausländeranteil seit 1990 bei den
Frauen zwischen 20 und 45 Jahren, während er bei den Männern dieser
Altersgruppe nahezu konstant blieb. 29,7% der Frauen in dem für
Beruf und Familie zentralen Alter zwischen 24 und 32 sind heute
Ausländerinnen (1990: 19,9%). Diese Veränderung ist einerseits
zurückzuführen auf die Aufhebung des automatischen
Bürgerrechtserwerbs bei Heirat mit einem Schweizer Mann,
andererseits auf die Feminisierung der Migrationen in den 1990er
Jahren. Ab dem 47. Altersjahr sinkt der Ausländeranteil unter den
Durchschnitt. Bei den Rentnerinnen und Rentnern zwischen 65 und 79
beträgt er noch 8,2%, bei den über 80-jährigen 4,0%. Unter den
Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz befinden sich nur wenig
Altersrentner, obwohl ihre Zahl vor allem bei den Angehörigen aus
den Nachbarstaaten Italien und Deutschland seit 1990 deutlich
zugenommen hat. BUNDESAMT FÜR STATISTIK Informationsdienst Auskünfte: Dr. Werner Haug, Vizedirektor BFS, Tel : 032 713 66 85
Auskunftszentrale für dieVolkszählung, Tel : 032 713 61 11 E-Mail :
Deutsch, info.vz@bfs.admin.ch; Französisch,
info.recensement@bfs.admin.ch; Italienisch,
info.censimento@bfs.admin.ch. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch Beilagen zur Pressemitteilung: Tabellen: 1. Wohnbevölkerung nach Altersklassen, Zivilstand und
Nationalität sowie Geschlecht, 1990 und 2000, in absoluten Zahlen,
sowie Veränderung 1990-2000 in %
2. Demographische Indikatoren (Alter) nach Kantonen,
Städtisch/Ländlich und Gemeindegrössenklassen, 2000
3. Demographische Indikatoren (Ausländer) nach Kantonen,
Städtisch/Ländlich und Gemeindegrössenklassen, 2000
4. Demographische Indikatoren (Zivilstand) nach Kantonen,
Städtisch/Ländlich und Gemeindegrössenklassen, 2000
5. Die 100-jährigen und älter nach Geschlecht und Zivilstand,
von 1900 bis 2000 Grosse Unterschiede in der Altersstruktur der Gemeinden und Kantone Der Anteil der über 64-jährigen schwankt in den Gemeinden der
Schweiz zwischen 2,5% und 50,0% (bei einem Durchschnitt von 15,4%).
Er ist besonders hoch in den städtischen Zentren, in den
Randgebieten entlang der Jurakette sowie in einzelnen Voralpen- und
Alpentälern der Kantone Bern, Waadt, Tessin, Uri, Glarus und
Graubünden. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 20 schwankt zwischen
2,9% und 41,8% (bei einem Durchschnitt von 22,9%). Er ist hoch in
den ländlichen Regionen der Innerschweiz und der Ostschweiz und
besonders tief in den städtischen Zentren, den suburbanen Gemeinden
der Grosstädte, am Jurasüdfuss, in zahlreichen Alpentälern sowie im
gesamten Tessin. Die städtischen Zentren (rund um die Stadt Zürich auch die
suburbanen Gemeinden) sind die privilegierte Wohngegend der 20-39-
jährigen. Die 40-64-jährigen hingegen sind in den städtischen
Zentren untervertreten. Sie wohnen besonders häufig in den
periurbanen Gemeinden sowie den ländlichen Gemeinden im Umfeld der
städtischen Agglomerationen. Die wirtschaftlich dynamischen, stark städtisch geprägten Kantone
Zug, Zürich und Genf haben aus ökonomischer Sicht die günstigste
Altersstruktur (relativ wenig Kinder, Jugendliche und ältere
Menschen, viel Personen im Erwerbsalter). Eine ungünstige
Altersstruktur (relativ viel Kinder, Jugendliche und ältere
Menschen, wenig Personen im Erwerbsalter) haben alte
Industriegebiete der Schweiz und Kantone in Randregionen: Uri,
Glarus, Obwalden, Thurgau, Schaffhausen, die beiden Appenzell, sowie
Solothurn, Jura und Neuenburg. Die Kantone Basel-Stadt, Schaffhausen, Tessin und Bern sind
besonders stark von der demografischen Alterung betroffen
(überdurchschnittlich viel ältere Menschen, relativ wenig Kinder).
Vergleichsweise niedrig ist die demografische Alterung hingegen in
den Innerschweizer Kantonen Luzern, Schwyz, Zug, Ob- und Nidwalden,
in den Kantonen Freiburg, Waadt, Wallis sowie im Aargau, in St.
Gallen und im Thurgau. Migranten, Doppelbürger und Eingebürgerte Die Unterscheidung zwischen Ausländern und Schweizern beruht auf der
Staatsangehörigkeit. Da die Staatsangehörigkeit durch administrativ-
politische Verfahren erworben werden bzw. verloren gehen kann und
zudem die doppelte Staatsangehörigkeit in der Schweiz zulässig ist,
eignet sich die Staatsangehörigkeit schlecht für die Erfassung der
internationalen Migrationen. Ein aussagekräftigeres Merkmal,
insbesondere im internationalen Vergleich, ist der Geburtsort, der
angibt, ob eine Person in einem Land geboren, bzw. seit Geburt in
ein Land eingewandert ist. In der Volkszählung 2000 wurden, neben
den Daten zum Geburtsort, erstmals auch Informationen über die
doppelte Staatsbürgerschaft und den Bürgerrechtserwerb ermittelt. 77,6% der Bevölkerung sind in der Schweiz geboren. Davon besitzen
93,8% einen Schweizer Pass bzw. eine doppelte Staatsbürgerschaft
(Frauen: 49,0%, Männer: 51,0%). 6,2% besitzen ausschliesslich einen
ausländischen Pass. 22,4% der Bevölkerung sind im Ausland geboren und in die Schweiz
eingewandert (Frauen: 51,9%, Männer: 48,1%). Davon besitzen 29,3%
einen Schweizer Pass bzw. eine doppelte Staatsbürgerschaft (Frauen:
64,8%, Männer: 35,2%). 70,7% besitzen ausschliesslich einen
ausländischen Pass. 8,6% aller Schweizer Staatsbürger (495'000 Personen) sind
Doppelbürger. Davon sind 59,2% Frauen, 40,8% Männer. 351'000
Doppelbürgerschaften (70,9%) betreffen Staaten der Europäischen
Union (in erster Linie Italien, Deutschland, Frankreich,
Grossbritannien, Spanien und Österreich). 215'000 Doppelbürger
(43,4%) geben einen Geburtsort im Ausland an, 280'000 (56,6%) sind
in der Schweiz geboren. 49,8% der Doppelbürger haben ihre
schweizerische Staatsangehörigkeit durch Bürgerrechtserwerb erhalten
(Frauen: 65,5%, Männer: 34,5%), 50,2% durch Abstammung. 10,0% aller
Schweizer Staatsbürger haben die Staatsbürgerschaft durch
Bürgerrechtserwerb erhalten, 90,0% sind Schweizer durch Abstammung.
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100461101
|
|