Medienmitteilung
BFS: Wissenschaft und Technologie (W+T) in der Schweiz
Wissenschaft und Technologie: Die Schweiz verliert an Boden
2003-01-09T09:15:00
Neuchâtel (ots) - Inwiefern können Wissenschaft und Technologie
(W+T) die Wirtschaft ankurbeln und die Schweiz unter die Spitze der
Länder bringen, die auf das Wissen setzen? Gestützt auf eine Reihe
von W+T-Indikatoren - die übrigens auch auf dem Internet zu finden
sind - liefert das Bundesamt für Statistik (BFS) Antworten auf diese
Fragen und zieht Bilanz über das W+T-System im vergangenen
Jahrzehnt. Seit zehn Jahren haben politische Umwälzungen weltweit immer wieder
für wirtschaftliche Turbulenzen gesorgt. Parallel dazu hat das
Aufkommen der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)
tiefe Spuren in den Produktionsprozessen hinterlassen und zu einer
zunehmenden internationalen Arbeitsteilung und wirtschaftlichen
Verflechtung geführt. Die Globalisierung hat auch vor der Schweiz
nicht haltgemacht, die sich aufgrund ihrer starken Abhängigkeit vom
internationalen Wirtschaftsgeschehen gezwungen sieht, sich laufend
anzupassen und sich den Folgen all der Veränderungen zu stellen. Um gegenüber den anderen westlichen Industrieländern konkurrenzfähig
zu bleiben und auf den Weltmärkten bestehen zu können, springt die
Schweiz auf den Zug der neuen Produktions- und Wissenstransferformen
auf. Grösserer Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften Die Ausrichtung auf eine wissensbasierte Wirtschaft bringt eine
zunehmende Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften mit sich.
Zwischen 1991 und 2001 nahm die Zahl der Erwerbstätigen in
wissenschaftlichen oder technischen Berufen oder in höheren
Kaderfunktionen relativ deutlich zu (von 34% auf 42%). Auch der
Anteil der Erwerbstätigen mit W+T-Ausbildung (Universität oder
Fachhochschule) vergrösserte sich, und zwar stieg er von 19% auf
24%. Betrachtet man nur gerade das F+E-Personal, so fällt auf, dass davon
im Jahr 2000 fast die Hälfte einen Tertiärabschluss besass, während
dies 1992 noch lediglich für 35% galt. Zwar nimmt das Bildungsniveau der Bevölkerung in der Schweiz seit
zehn Jahren zu, jedoch war im Jahr 2000 der Anteil der Personen (am
Total der Bevölkerung im diplomüblichen Alter: 23-26 Jahre), die
eine Tertiärausbildung an einer Universität oder Fachhochschule
abschlossen, im internationalen Vergleich relativ gering (13,3%) und
lag sogar unter dem Durchschnitt der OECD-Länder (25,9%).
Überdurchschnittlich innerhalb der OECD (Mittel: 10,6% und 1%)
schneidet die Schweiz hingegen bezüglich des Anteils von
ausseruniversitären höheren Berufsausbildungen (19%) und
Doktortiteln (2,6%) ab. Schweizer Investitionen in Forschung und technologische Entwicklung:
beunruhigende Anzeichen In einer wissensbasierten Wirtschaft kommt dem wissenschaftlichen
System eine wachsende Bedeutung zu, gilt es doch als Hauptquelle
neuer Kenntnisse und als Schlüssel für die Weitergabe und Nutzung
des vorhandenen Wissens. Das System ist Basis für die technologische
Entwicklung und die Expansion neuer wissenschaftsbasierter Sektoren
wie die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) oder die
Biotechnologie. In der Schweiz wird in der F+E insgesamt ein
bedeutendes Mass an Human- und Finanzressourcen eingesetzt. Im Jahr
2000 arbeiteten, auf Personenjahre (PJ) umgerechnet, 13 von 1000
Erwerbstätige in der F+E, und die Intramuros-Ausgaben für F+E
(10'675 Mio. Fr.) machten 2,64% des BIP aus. Damit belegte die
Schweiz punkto F+E-Ressourcen noch einen der vordersten Plätze unter
den OECD-Ländern. Seit 1996 verringert sich jedoch der Anteil der
F+E-Ausgaben am BIP (1996: 2,73%), weshalb die Schweiz seitdem
gegenüber Japan, den USA, Schweden und Finnland an Boden verliert.
Während derselben Zeit stockte Japan seine F+E-Ausgaben von 2,77%
auf 2,93% auf, die USA erhöhten von 2,55% auf 2,76%, Schweden von
3,46% auf 3,80% und Finnland von 2,54% auf 3,31%. Das F+E-Personal
verstärkte sich in der Schweiz zwischen 1996 und 2000 lediglich um
0,3 PJ pro 1000 Erwerbstätige (12,7 auf 13); zwischen 1995 und 1996
wuchs es hingegen in Schweden um 0,9 PJ pro 1000 Erwerbstätige (15,2
PJ pro 1000 im Jahr 1999) und um 6,2 PJ pro 1000 in Finnland (19,6
PJ pro 1000 im Jahr 1999). Zwischen 1992 und 2000 betrug die Steigerung der F+E-Finanzierung
real durchschnittlich rund 1% pro Jahr. Der Anteil der F+E-Ausgaben
der Privatwirtschaft ist leicht von 67,4% auf 69,1% gewachsen;
zugelegt haben auch die Ausgaben der übrigen nationalen Geldgeber
und des Auslandes. Stark geschrumpft ist hingegen der vom Bund
finanzierte Anteil (von 28,4% auf 23,2%). In kaum einem OECD-Land
ist der von der öffentlichen Hand finanzierte Teil der F+E so gering
und der von der Privatwirtschaft gedeckte Teil so hoch wie in der
Schweiz. Zunehmende Interdependenz und Schwächung der Position der Schweiz In einer wissensbasierten Wirtschaft spielt die Diffusion des
Wissens eine Schlüsselrolle. Zusammenarbeit in der Forschung fördert neue Ideen und erleichtert
den Wissenstransfer. Die Schweiz engagiert sich immer stärker in der
internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit, dies insbesondere
durch ihre Beteiligung an den Rahmenprogrammen für Forschung und
technologische Entwicklung der Europäischen Union (FRP). Das 3. FRP
von 1990 bis 1994 vereinte 504 Schweizer Teilnehmende auf sich. Eine
mehr als doppelt so grosse Teilnehmerzahl (1273) ergab sich beim 4.
FRP (1995-1998), und das 5., noch laufende FRP zählt bereits 913
Teilnehmende aus der Schweiz. Die wissenschaftlichen Publikationen, die Patente und der Inhalt der
technologischen Zahlungsbilanz stellen ebenfalls einen bedeutenden
Vektor für den technologischen Wissenstransfer dar. Die Schweiz
profitiert von der technologischen Diffusion, sei es in Form von
Publikationen, Patenten, Kenntnissen oder
Spitzentechnologieprodukten. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz im Rennen um die
wissenschaftlichen Publikationen und Patente ziemlich gut da. Die
Zunahme der Anzahl Patentanmeldungen in der Schweiz durch Erfinder
und Erfinderinnen mit Wohnsitz ausserhalb der Landesgrenzen (1990:
42 459; 1998: 108 922) widerspiegelt die Bedeutung des Schweizer
Marktes für die ausländischen Unternehmen. Illustriert wird dadurch
auch die technologische Verflechtung zwischen den Ländern. Die
technologische Abhängigkeitsrate der Schweiz (Patentanmeldungen
nicht ansässiger ErfinderInnen / Patentanmeldungen ansässiger
ErfinderInnen) erhöhte sich denn auch von 11,65 (1990) auf 49,80
(1998). Die technologische Zahlungsbilanz der Schweiz ist seit 1985 positiv.
Der Anteil nicht-integrierter, importierter ausländischer
Technologien nimmt jedoch im Verhältnis zu den inländischen F+E-
Aufwendungen immer mehr zu (1992: 13,9%; 2000: 30,4%). Im internationalen Handelsaustausch der High-Tech-Industrien sticht
die Schweiz in der Herstellung von Geräten sowie in der
Pharmaindustrie mit einem relativ hohen Deckungsgrad
(Exporte/Importe) hervor. Im Laufe der 90er-Jahre war jedoch gerade
in der Pharmaindustrie ein Terrainverlust zu verzeichnen; ihr
Deckungsgrad sank von 3,4 im Jahr 1990 auf 1,9 im Jahr 2000. Die Schweiz und die IKT: sehr hohe Ausgaben, relativ wenige
Internetanschlüsse Der Werdegang der Informatik seit den 50er-Jahren ist in der Schweiz
so spektakulär, dass das Land punkto Informations- und
Kommunikationstechnologien (IKT) inzwischen zu den bestausgerüsteten
Ländern gehört. 2001 wies die Schweiz von allen OECD-Ländern die
höchsten IKT-Aufwendungen pro Kopf auf. Die gesamten Ausgaben für
IKT beliefen sich auf 9% des BIP. Was hingegen die Internet-
Infrastruktur betrifft, so lag die Schweiz mit 74 Hosts (mit dem
Internet verbundene Computer) pro 1000 Einwohner im Juli 2001 unter
dem Durchschnitt der OECD-Länder (101). BUNDESAMT FÜR STATISTIK Informationsdienst Auskunft: Elisabeth Pastor, BFS, Sektion Hochschulen und Wissenschaft, Tel.:
032/713 62 99, E-Mail: elisabeth.pastor@bfs.admin.ch Neuerscheinung: Indikatoren "Wissenschaft und Technologie". Wissenschaft und
Technologie in der Schweiz, Bilanz des letzen Jahrzehnts, 1990-
2000/2001, BFS, Neuchâtel, 2002. Bestellnummer: 139-0102 , Preis 5.-- Bezug: Tel. 032/713 60 60, Fax: 032/713 60 61, E-Mail:
order@bfs.admin.ch Weiterführende Informationen sowie die W+T-Indikatoren finden Sie
auf folgender Website: http://www.science-stat.admin.ch 09.01.03
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100459145
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