Medienmitteilung
BFS: Eidgenössische Volkszählung 2000
Stärkung des Französischen - Bessere Integration der Ausländerinnen und Ausländer
2002-12-19T09:15:00
Neuchâtel (ots) - Das Französische und im Tessin das Italienische
wurden durch die demografische und sprachliche Entwicklung der
90er-Jahre gestärkt. Hingegen hat sich der Erosionsprozess des
rätoromanischen Sprachgebietes fortgesetzt. Der Anteil der
Nicht-Landessprachen blieb konstant (9%) gegenüber 1990 (8,9%). Die
sprachliche Integration der Ausländerinnen und Ausländer hat sich
deutlich verbessert. 62% geben eine schweizerische Landessprache als
Hauptsprache an. Dies zeigt die Auswertung der Ergebnisse der
Volkszählung 2000 durch das Bundesamt für Statistik (BFS). 63,7% der Bevölkerung geben Deutsch als Hauptsprache (d.h. Sprache,
in welcher jemand denkt und die am besten beherrscht wird) an, 20,4%
Französisch, 6,5% Italienisch und 0,5% Rätoromanisch. Gegenüber 1990
hat vor allem das Französische um 1,2 Prozentpunkte zugelegt (1990:
19,2%), während der Anteil des Deutschen nahezu konstant blieb
(1990: 63,6%). Hingegen haben die beiden Minderheitensprachen
Italienisch und Rätoromanisch gesamtschweizerisch um 1,1 bzw. 0,1
Prozentpunkte eingebüsst (1990: 7,6 bzw. 0,6%). Dies zeigt die
Analyse der definitiven Ergebnisse der Volkszählung 2000 zu den
Hauptsprachen. Die Zahl der Personen mit Französisch als Hauptsprache stieg um
12,4% auf 1,49 Mio. Das Wachstum war doppelt so stark wie bei der
schweizerischen Wohnbevölkerung insgesamt (+ 6,0%). Der starke
Zuwachs erfolgte vor allem in den Kantonen Genf und Waadt, aber auch
im französischen Sprachgebiet der zweisprachigen Kantone Wallis und
Freiburg sowie in den meisten deutschsprachigen Kantonen. Ausländerinnen und Ausländer sind sprachlich besser integriert Der Anteil des Französischen nahm sowohl bei den Schweizerinnen und
Schweizern (von 20,5% auf 21,0%) wie bei der ausländischen
Wohnbevölkerung zu (von 13,3% auf 18,0%). Der Anteil der
Schweizerinnen und Schweizer, die Deutsch sprechen, ging hingegen
von 73,4% auf 72,5% leicht zurück. Dies wurde aber durch den stark
gewachsenen Anteil Deutsch sprechender Ausländerinnen und Ausländer
mehr als aufgewogen (von 19,6% auf 29,4%). Der Anteil der Ausländerinnen und Ausländer, die eine Landessprache
als Hauptsprache angeben, stieg von 56,7% auf 62,3%. Gleichzeitig
ging bei der ausländischen Bevölkerung der Anteil der
Italienischsprachigen von 23,7% auf 14,8% zurück. Dieser Rückgang
des Italienischen betrifft Personen, die entweder nach Italien
zurückgekehrt sind oder die das Italienische zugunsten des Deutschen
oder Französischen als Hauptsprache aufgegeben haben. Die deutliche Verbesserung der hauptsprachlichen Integration der
Ausländerinnen und Ausländer ist ein zentraler Trend der 90er Jahre.
Dank dem Territorialprinzip werden die Landessprachen der Schweiz
gestärkt und erneuert. Gleichzeitig haben aber immer mehr Menschen
einen nicht-landessprachlichen Hintergrund. Die Mehrsprachigkeit
nimmt zu, und dies beeinflusst auch die Landessprachen. Stärkung des Italienischen im Tessin Im Gegensatz zur ausländischen Bevölkerung nahmen bei den
Schweizerinnen und Schweizern die italienisch Sprechenden um 20'000
auf 249'000 Personen zu. Der Zuwachs erfolgte vor allem im Kanton
Tessin (+ 19'000 Personen). Da im Tessin auch die
italienischsprechenden Ausländerinnen und Ausländer leicht zunahmen,
wuchs hier die Zahl der italienischsprechenden Personen mit
insgesamt 9,1%, während das Deutsche an Bedeutung verlor. Ein Symbol
für diese Entwicklung ist auch der Wechsel der ursprünglich rein
deutschsprachige Walsergemeinde Bosco/Gurin zum italienischen
Sprachgebiet. Im Misox, im Puschlav und im Bergell hat die Zahl der
Italienischsprachigen andererseits gegenüber 1990 nur leicht
zugenommen. Im demografisch dynamischen Kanton Graubünden ging
dadurch die Bedeutung des Italienischen weiter zurück. Abgeschwächte Erosion des rätoromanischen Sprachgebiets Die Erosion des rätoromanischen Sprachgebiets hat sich fortgesetzt,
wenn auch etwas abgeschwächt. Die Zahl der Personen mit
Rätoromanisch als Hauptsprache ging um - 11,4% auf 35'100 zurück.
Der Rückgang war besonders stark in der rätoromanischen Diaspora der
deutschsprachigen Kantone. Im Kanton Graubünden selber betrug er -
8,9%. In 5 Bündner Gemeinden hat sich die Sprachmehrheit zugunsten
des Deutschen geändert (Laax und Surcuolm im stark touristischen
Gebiet des Vorderrhein, Alvaschein und Brienz/Brinzauls im
Albulagebiet und Patzen-Fardün im Hinterrhein). Dieser Trend liegt
in der Entwicklung seit 1970. Allerdings ist die Bevölkerungszahl
der vom Sprachwechsel betroffenen Gemeinden deutlich kleiner als
zwischen 1980 und 1990. Neue Vielfalt der Nicht-Landessprachen Obwohl der Ausländeranteil zwischen 1990 und 2000 von 18,1% auf
20,5% zugenommen hat, blieb der Anteil der Nicht-Landessprachen
konstant (1990: 8,9%, 2000: 9,0%). Er ist im französischen
Sprachgebiet mit 10,4% deutlich höher, im italienischen und
rätoromanischen Sprachgebiet mit 6,6% bzw. 3,9% deutlich tiefer als
im Landesdurchschnitt. Die Zusammensetzung der Nicht-Landessprachen hat sich gegenüber 1990
stark verändert. Zurückgegangen ist als Folge der Rückwanderung
sowie des Sprachwechsels der ansässigen Immigranten der Anteil des
Spanischen, Portugiesischen, Griechischen, Türkischen sowie des
Arabischen. Albanisch (drei Viertel der Albanischsprachigen stammen
aus dem Kosovo, ein Viertel aus Mazedonien), Russisch sowie die
afrikanischen und übrigen Sprachen haben demgegenüber besonders
deutlich zugenommen. Insgesamt gab es in der Schweiz im Jahre 2000
vierzig Sprachen mit mehr als 1000 Sprechenden (Hauptsprache). Gute landessprachliche Kenntnisse bei Personen aus dem ehemaligen
Jugoslawien Kaum zugenommen haben überraschenderweise die slawischen Sprachen
des ehemaligen Jugoslawien (Serbisch, Kroatisch, Bosnisch,
Mazedonisch und Slowenisch). Über 60% der Angehörigen von
Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien (ohne albanischsprachige
Bevölkerung) sprechen eine Landessprache der Schweiz als
Hauptsprache (vor allem Deutsch). Am höchsten ist der Anteil bei den
Personen aus Mazedonien (78%), am tiefsten bei jenen aus Bosnien-
Herzegowina (42%). Die meisten Englischsprachigen sind Ausländerinnen und Ausländer Englisch als Hauptsprache wird von 1,0% der Bevölkerung der Schweiz
gesprochen, das sind etwas mehr als 1990 (0,9%). Englisch
konzentriert sich in den Wirtschaftsmetropolen um Zürich und Basel
sowie am Genfersee. Die meisten Englischsprachigen sind
Ausländerinnen und Ausländer. Englisch ist aber auch die weitaus
wichtigste Nicht-Landessprache von Schweizerinnen und Schweizern.
Allerdings wird sie nur von 0,4% als Hauptsprache angegeben, gefolgt
vom Spanischen mit 0,2%. Personen mit Schweizer Pass sprechen fast alle eine Landessprache Der Geburtsort und bei Migrantinnen und Migranten das Sprachgebiet
der Herkunftsregion haben einen grossen Einfluss auf die
Beherrschung einer Landessprache. Von den in der Schweiz geborenen
Schweizerinnen und Schweizern (5,1 Mio. Personen) sprechen 99,6%
eine Landessprache. Von den Personen mit einem Schweizer Pass, die
im Ausland geboren sind (0,4 Mio Personen) sind es 84,2%. Unter
ihnen ist der Anteil der Italienisch- und Französischsprachigen
deutlich höher als bei den in der Schweiz geborenen Personen. Die
Schweizerinnen und Schweizer, die keine Landessprache sprechen, sind
mehrheitlich aus dem Ausland zugezogene Ehepartnerinnen von
Schweizern. Unterschiedliche Sprachkenntnisse bei zugewanderten Ausländerinnen
und Ausländern Von den in der Schweiz wohnhaften Angehörigen der Nachbarstaaten
(Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Liechtenstein)
sprechen ebenfalls zwischen 98,0% und 99,3% eine Landessprache, und
zwar unabhängig davon, ob sie in der Schweiz oder im Ausland geboren
sind. Bei den Ausländerinnen und Ausländern aus entfernteren Ländern
bestehen vor allem Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten
Generation. Bei den im Ausland geborenen Personen aus den
Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien, aus Portugal, Spanien,
der Türkei sowie aus zentraleuropäischen Staaten geben zwischen 30%
und 45% eine Landessprache als Hauptsprache an. Bei den Personen aus
Sri Lanka sind es 25%. Der Anteil der Landessprachen ist bei diesen
zugewanderten Gruppen um 15 bis 30 Prozentpunkte höher als 1990. Grosse Integrationsleistung der schweizerischen Schulen Die grosse Mehrheit der zweiten Generation (Ausländerinnen und
Ausländer, die in der Schweiz geboren sind) gibt demgegenüber eine
Landessprache als Hauptsprache an. Bei den Spaniern, Ungarn und
Tschechen sind es zwischen 70% und 80%. Bei den Portugiesen und
Türken zwischen 60% und 65%, bei den Staatsangehörigen aus dem
Gebiet des ehemaligen Jugoslawien knapp 60% (Personen mit albanisch-
und slawischsprachigem Hintergrund zusammen). Auffallend tief ist
der Anteil auch hier bei den Personen aus Sri Lanka mit nur knapp
37%. Der Anteil der Landessprachen liegt bei den Ausländerinnen und
Ausländern der zweiten Generation je nach Staatsangehörigkeit um 10
bis 35 Prozentpunkte höher als 1990. Fast alle Ausländerinnen und
Ausländer, die in der Schweiz geboren sind und keine Landessprache
sprechen, stehen noch im Vorschulalter. Die schweizerischen Schulen
erbringen bei der sprachlichen Integration der in der Schweiz
geborenen Ausländerinnen und Ausländer eine grosse Leistung. BUNDESAMT FÜR STATISTIK Informationsdienst
_______________ Auskünfte: Dr. Werner Haug, Vizedirektor BFS, Tel : 032 713 66 85 Auskunftsdienst Volkszählung, Tel : 032 713 61 11 E-Mail : Deutsch, info.vz@bfs.admin.ch; Französisch,
info.recensement@bfs.admin.ch; Italienisch,
info.censimento@bfs.admin.ch. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch Beilagen zur Pressemitteilung: Übersichtstabellen Wachstumsraten der Landessrachen, in %, 1990-2000 Wachstumsraten der Landessprachen nach Nationalität, in %, 1990-2000 Gemeinden, die das Sprachgebiet wechselten, 1990-2000 Wachstumsraten der Nicht-Landessprachen, Gewinner, in %, 1990-2000 Wachstumsraten der Nicht-Landessprachen, Verlierer, in %, 1990-2000 Anteil Landessprachen bei Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien,
in %, 2000 Die häufigsten Nicht-Landessprachen, in absoluten Zahlen (gerundet),
2000 Detailtabellen Tabelle 1: Wohnbevölkerung nach Hauptsprache und Nationalität,
absolut und in %, 1990 und 2000 Tabelle 2: Wohnbevölkerung in den Kantonen nach Hauptsprache, in %,
2000 Tabelle 2 (Fortsetzung): Wohnbevölkerung in den Kantonen nach
Hauptsprache, in %, 1990 Tabelle 3: Wohnbevölkerung in den Kantonen nach Hauptsprache,
Veränderung in %, 1990-2000 Tabelle 4: Gemeinden und Wohnbevölkerung, die 1970 - 2000 das
Sprachgebiet gewechselt haben Tabelle 5: Landes- und Nicht-Landessprachen nach Sprachgebiet,
absolut und in %, 2000 Tabelle 6: Landessprachen und Nicht-Landessprachen bei Angehörigen
der Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien, absolut und in %,
2000 Tabelle 7: Wohnbevölkerung nach Hauptsprache mit mindestens 600
Sprechenden, absolut, 2000 19.12.02
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100458123
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