Medienmitteilung
BFS: BFS: Sozialberichterstattung Schweiz
Alleinerziehende am weitesten entfernt vom Ideal von Wohlstand und Wohlbefinden
2002-11-04T09:15:00
Neuchâtel (ots) - Der neue Bericht des Bundesamts für Statistik
(BFS) zu «Wohlstand und Wohlbefinden» vergleicht die
Lebensbedingungen von Personen aus Haushalten mit niedrigem,
mittlerem und hohem Einkommen. Trotz des allgemeinen Wohlstands gibt
es in der Schweiz ein beachtliches Gefälle zwischen privilegierten
und weniger privilegierten Bevölkerungsgruppen. Am schlechtesten
stehen Alleinerziehende, Ausländerinnen und Ausländer, kinderreiche
Familien sowie Angestellte in Verkaufs- und Dienstleistungsberufen
da. Sie sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung mehrfach
benachteiligt. Das letzte Jahrzehnt war geprägt von einer wachsenden Kluft zwischen
Wohlstandsgewinnern und -verlierern. Laut neueren Untersuchungen
leben in der Schweiz bis zu zehn Prozent der Bevölkerung unter der
Armutsgrenze. Hinzu kommen viele Menschen, die in finanziell
ebenfalls prekären Verhältnissen knapp über dem Existenzminimum
leben. Im soeben erschienenen Sozialbericht des BFS "Wohlstand und
Wohlbefinden. Lebensstandard und soziale Benachteiligung in der
Schweiz" geht es nicht um die Ermittlung der neuesten Armutsquote.
Vielmehr richtet sich das Augenmerk auf die Lebensbedingungen und
Problemlagen des einkommensschwachen Bevölkerungsteils. Die Daten
stammen aus der Einkommens- und Verbrauchserhebung, in deren Rahmen
1998 ein Zusatzinterview zu den Lebensbedingungen durchgeführt
wurde. Unterschiedlicher Lebensstandard Einkommensschwäche ist nicht selten mit Zahlungsschwierigkeiten
verbunden und zwingt oft zum Verzicht auf allgemein üblichen
Lebensstandard. So haben 11% der Personen mit niedrigem Einkommen
1998 aus finanziellen Gründen auf eine Zahnbehandlung verzichtet. Im
Durchschnitt geben einkommensschwache im Vergleich zu wohlhabenden
Haushalten halb so viel Geld für den Verbrauch von Gütern und
Dienstleistungen aus. Allein die Nahrungsmittel- und Wohnkosten
(ohne Wohnungseinrichtung) machen die Hälfte ihrer gesamten
Konsumausgaben aus. Im Gegensatz dazu geben wohlhabende Haushalte
durchschnittlich nur 9,3% für Nahrungsmittel und 26% für das Wohnen
aus. Entsprechend grösser ist der Anteil, der für die Befriedigung
weiter gehender Bedürfnisse übrigbleibt. Beispielsweise geben
wohlhabende Haushalte 12% ihres ohnehin grösseren Budgets für
auswärtige Verpflegung und Übernachtung aus, Haushalte mit niedrigem
Einkommen nur 8%. Einkommensschwache haben kleinere Wohnungen, 13%
leben sogar in einem Haushalt mit weniger als ein em Zimmer pro
Person (Wohlhabende: 0,7%). Die Wohnausstattung deckt jedoch bei den
allermeisten zumindest die Grundbedürfnisse. Betroffen ist nicht nur der Lebensstandard Einkommensschwache fühlen sich im Durchschnitt etwas weniger gesund
als Wohlhabende. Kommen weitere ungünstige Faktoren hinzu, ergeben
sich teilweise bedenklich hohe Anteile von weniger Gesunden.
Bekanntlich gehen niedrige Einkommen nicht selten mit Kontaktmangel
oder sogar sozialer Isolation einher. Mehr als doppelt so viele
Wohlhabende gehen aus und sehen Freunde und Bekannte. Auch bei der
politischen Beteiligung zeigen sich deutliche Unterschiede: Während
36% der Wohlhabenden stark am politischen Geschehen interessiert
sind, beläuft sich dieser Anteil bei den Einkommensschwachen nur auf
rund 20%. Die Lebenszufriedenheit in der Schweiz ist hoch In allen drei Einkommensgruppen ist eine deutliche Mehrheit
zufrieden mit dem Leben. Dennoch gibt es eine nicht zu
vernachlässigende Zahl von teilweise unzufriedenen Menschen, die
gehäuft der niedrigsten Einkommensgruppe angehören. Ihre
Unzufriedenheit zeigt sich natürlich besonders in finanzieller
Hinsicht. Aber auch in Bezug auf andere Bereiche und das Leben im
Allgemeinen sind die Anteile der Unzufriedenen unter den
Einkommensschwachen höher. Die Analyseergebnisse unterstreichen
somit die Bedeutung der Einkommenslage für den Zufriedenheitsgrad
der Bevölkerung, zeigen auf der anderen Seite aber auch, dass dieser
letztlich erst in Kombination mit weiteren Einflussfaktoren
erklärbar wird. Mehrfachbenachteiligungen Bei gewissen einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen kumulieren sich
einzelne Defizite zu komplexen, bereichsübergreifenden Problemlagen.
Von solcher Mehrfachbenachteiligung besonders betroffen sind
Alleinerziehende. Sie sind sowohl objektiv in Bezug auf die äusseren
Lebensbedingungen als auch subjektiv (Zufriedenheitsgrad) in einer
Mehrheit der untersuchten Lebensbereiche besonders schlecht
gestellt. Sie weisen nicht nur materielle Defizite auf, sondern sind
auch mit einer hohen Arbeitsbelastung und damit einhergehend
Freizeitmangel konfrontiert. Als mehrfach benachteiligte Gruppen
haben sich auch Ausländerinnen und Ausländer, kinderreiche Familien,
Angestellte in Verkaufs- und Dienstleistungsberufen
herauskristallisiert. BUNDESAMT FÜR STATISTIK Informationsdienst Auskunft: Beat Schmid, BFS, Sektion Kultur, Politik und Lebensbedingungen,
Tel. 032 713 62 95, beat.schmid@bfs.admin.ch Caterina Modetta, BFS, Sektion Kultur, Politik und
Lebensbedingungen, Tel. 032 713 64 30, caterina.modetta@bfs.admin.ch Publikationsbestellungen unter: Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60
61, E-Mail: order@bfs.admin.ch Neuerscheinung: BFS, Wohlstand und Wohlbefinden, Lebensstandard und soziale
Benachteiligung in der Schweiz, Neuchâtel 2002, Bestellnummer: 525-
0200, Preis: Fr. 15.- 04.11.02
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