Medienmitteilung
BFS: Schweizerische Arbeitskräfteerhebung 2002, definitive Ergebnisse
Vom Konjunkturrückgang sind bislang vor allem Männer betroffen
2002-10-22T09:15:00
Neuchâtel (ots) - Gemäss den Ergebnissen der Schweizerischen
Arbeitskräfteerhebung 2002 nahm die Zahl der Erwerbstätigen innert
Jahresfrist nochmals um 0,5% zu und erreichte einen neuen
Höchststand. Parallel dazu stieg aber auch die Zahl der Erwerbslosen
an (+19%). Von der konjunkturellen Abschwächung waren bis jetzt vor
allem die Männer (Erwerbstätigkeit -0,9%, Erwerbslosigkeit +66,5%)
und nicht die Frauen betroffen (Erwerbstätigkeit +2,4%,
Erwerbslosigkeit -9%). Dieses Ergebnis erklärt sich unter anderem
durch den hohen Männeranteil in den vom Konjunkturrückgang besonders
betroffenen Wirtschaftssektoren. Frühpensionierung ist ein
verbreitetes Phänomen. Die Frühpensionierungsquote liegt ein Jahr
vor dem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters bei 49%. Erstmals erlaubt die SAKE auch regionale Auswertungen. Es zeigt
sich, dass sowohl die Erwerbsbe-teiligung als auch die
Teilzeitarbeit in der Deutschschweiz höher waren als in der
Genferseeregion und im Tessin. Haushaltsexterne
Kinderbetreuungsangebote wurden am meisten in der Genferseeregion
und im Kanton Zürich genutzt, am wenigsten in der Zentralschweiz und
in der Ostschweiz. Nochmals leichte Zunahme der Erwerbstätigkeit Gemäss den neusten Ergebnissen der Schweizerischen
Arbeitskräfteerhebung (SAKE) waren im 2. Quartal 2002 3,959 Mio.
Personen erwerbstätig. Das sind 0,5% resp. 21'000 Personen mehr als
im Vorjahr. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht, trotz der
sich verschlechternden wirtschaftlichen Rahmen-bedingungen. In
diesen Zahlen sind die 235'000 erwerbstätigen Grenzgänger,
Saisonniers, Kurzaufenthalter und Asylbewerber nicht enthalten. Das Wachstum der Wirtschaft und damit die Nachfrage der Unternehmen
nach zusätzlichen Arbeitskräften erhöhte sich weniger stark als die
Zunahme der Zahl erwerbswilliger Personen. Daher vergrösserte sich
zwischen dem 2. Quartal 2001 und dem 2. Quartal 2002 nicht nur die
Zahl der Erwerbstätigen, sondern auch die Zahl der Erwerbslosen
(+19% resp. +19'000 Personen). Trotz der Zunahme der Zahl erwerbswilliger Personen von 1% ist aber
die Erwerbsquote (Anteil Erwerbs-tätiger plus Erwerbsloser an der
Gesamtbevölkerung ab 15 Jahren) konstant geblieben (67,8%), da die
Be-völkerung in gleichem Ausmass zugenommen hat. Weniger erwerbstätige Männer, mehr erwerbstätige Frauen Von der konjunkturellen Abschwächung waren bis jetzt vor allem die
Männer betroffen. Zwischen dem 2. Quartal 2001 und dem 2. Quartal
2002 nahm die Zahl erwerbstätiger Männer um 0,9% resp. um 21'000 ab,
die Zahl Erwerbsloser stieg um 66,5% oder 25'000 Personen an. Im
Gegensatz dazu hat sich die Er-werbssituation der Frauen nochmals
verbessert: Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl erwerbstätiger
Frauen um 2,4% oder 42'000 zu, die Zahl erwerbsloser Frauen
reduzierte sich um 9% resp. 6'000. Der Anteil Frauen an der
Gesamtzahl der Erwerbstätigen erhöhte sich entsprechend von 44% auf
45%, ihr Anteil an der Zahl der Erwerbslosen reduzierte sich von 62%
auf 47%. Bei den Erwerbsquoten setzte sich der Trend der letzten Jahre fort:
Die Erwerbsquote der Frauen erhöhte sich von 58,8% auf 59,4%,
während sie sich bei den Männern von 77,4% auf 76,7% reduzierte. Stellenabbau ausschliesslich in den von Männern dominierten
Wirtschaftssektoren Die unterschiedliche Entwicklung der Zahl erwerbstätiger Männer und
Frauen erklärt sich unter anderem durch die unterschiedliche
Verteilung der Geschlechter auf die Wirtschaftssektoren. Zwischen
dem 2. Quar-tal 2001 und dem 2. Quartal 2002 wurden nur Stellen im
Agrarsektor (-1,9%) und in der Industrie (-1,8%) abgebaut, wo die
männlichen Arbeitskräfte mit Anteilen von 65% und 77% klar
dominieren. Im von Frauen dominierten Dienstleistungssektor
(Frauenanteil 53%) nahm die Erwerbstätigkeit nochmals zu (+1,5%).
Inwiefern auch andere Faktoren für die gegenläufige Entwicklung der
Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen verantwortlich waren (z.B.
eine grössere Flexibilität der Frauen hinsichtlich Arbeitszeit,
Lohn, Art der Tätigkeit etc.), kann aufgrund der zurzeit
vorliegenden Resultate noch nicht abschliessend geklärt werden. Starker Rückgang der Anzahl teilzeiterwerbstätiger Männer Während bei den Frauen sowohl die Zahl der Vollzeiterwerbstätigen
(+2,0%) als auch die Zahl der Teilzeit-erwerbstätigen (+2,7%)
zunahm, waren bei den Männern vor allem die Teilzeiterwerbstätigen
vom Kon-junkturrückgang betroffen (-7,5%). Die Zahl der
vollzeiterwerbstätigen Männer ging dagegen nur leicht zu-rück (-
0,1%). Entsprechend nahm der Männeranteil bei den
Teilzeiterwerbstätigen innert Jahresfrist von 11,1% auf 10,3% ab. Allerdings darf daraus nicht geschlossen werden, dass das Interesse
der Männer an Teilzeitarbeit abgenom-men habe. Rückläufig waren
nämlich lediglich die Teilzeitanteile in der jüngsten Altersklasse
(15 bis 24 Jahre) und in den Altersklassen ab 55 Jahren, während bei
den erwerbstätigen Männern im Alter von 25 bis 54 Jahren der
Teilzeitanteil nochmals von 7,2% auf 7,5% angestiegen ist (1991:
4,3%). Vielmehr deutet die-ses Ergebnis auf eine angespannte
Wirtschaftslage hin, in der zuerst die Teilzeitjobs für Studenten
und (Früh-)Pensionierte aufgehoben werden. Frühpensionierung - ein verbreitetes Phänomen Angesichts der Konjunkturabschwächung haben sich im letzten Jahr
vermehrt ältere Personen aus dem Er-werbsleben zurückgezogen resp.
sind (früh-)pensioniert worden. Bei den Personen im Alter zwischen
55 und 64 Jahren sank die Erwerbsquote von 68,2% auf 66,1%, bei den
Personen über 64 Jahren ging sie von 9,3% auf 8,9% zurück. In allen
anderen Altersklassen sind die Erwerbsquoten nochmals angestiegen. 14,3% der Personen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren gaben an, dass
sie in den letzten Jahren frühpen-sioniert wurden (Männer: 17,9%;
Frauen: 10,8%). Die Frühpensionierungsquote (Anteil
Frühpensionierten an den Erwerbspersonen plus den Frühpensionierten)
betrug ein Jahr vor der Erreichung des gesetzlichen Rentenalters 49%
(Männer: 53%; Frauen 44%). Drei Jahre vor dem Erreichen des
gesetztlichen Rentenalters lag der entsprechende Prozentsatz bei 27%
(Männer: 34%, Frauen: 18%). Frühpensionierung hat verschiedene Gründe Die Gründe für die Frühpensionierung sind vielfältig: Rund ein
Drittel (31%) liessen sich frühzeitig pensio-nieren, weil sie vom
Arbeitgeber ein entsprechend attraktives Angebot bekamen oder weil
für sie keine finanzielle Notwendigkeit mehr bestand zu arbeiten.
Ein Viertel (24%) wurde frühzeitig pensioniert, weil der Betrieb
Stellen abbaute oder umstrukturiert wurde, und ein Viertel (26%)
ging aufgrund eines Unfalls, einer Krankheit oder infolge von
Invalidität frühzeitig in Pension. Rund 20% der frühzeitig
pensionierten Personen nannten andere Gründe für ihre
Frühpensionierung. Pensionierung führt mehrheitlich zu einer Verschlechterung der
finanziellen Situation 58% der Frühpensionierten gaben an, dass sich ihre finanzielle
Situation nach der Frühpensionierung ver-schlechtert hat. Etwas
weniger oft traf eine Verschlechterung der Situation bei Personen
ein, die sich erst mit dem Erreichen des offiziellen Rentenalters
oder noch später aus dem Erwerbsleben zurückgezogen haben (54%). Bei
den Personen, die sich frühpensionieren liessen, weil sie ein
attraktives Angebot des Arbeitgebers erhielten resp. weil keine
finanzielle Notwenigkeit mehr bestand zu arbeiten lag der Anteil
allerdings nur bei 51%. Bedeutend höher lagen die Anteile bei
Personen, die frühzeitig pensioniert wurden, weil der Betrieb
Stellen abbaute oder umstrukturiert wurde (62%) und bei Personen die
aufgrund eines Unfalls, einer Krank-heit oder infolge von
Invalidität frühpensioniert wurden (62%). Höhere Erwerbsbeteiligung in der Deutschschweiz... Wegen des wesentlich grösseren Stichprobenumfangs ermöglicht die
SAKE 2002 erstmals auch detaillierte regionale Auswertungen von
Arbeitsmarktstrukturen. Für Zeitvergleiche und Analysen von
Entwicklungen müssen allerdings die Ergebnisse für das Jahr 2003
abgewartet werden. Es zeigt sich, dass die Erwerbsbetei-ligung in
der Deutschschweiz deutlich höher ist als in der Genferseeregion und
im Tessin. Die höchsten Er-werbsquoten ergaben sich in der
Zentralschweiz (70,3%), im Kanton Zürich (70,2%) und in der
Ostschweiz (69,1%). Im Mittelfeld lagen der sprachlich gemischte
Espace Mittelland (67,7%) und die Nordwestschweiz (67,0%). Leicht
bzw. stark unterdurchschnittlich waren die Erwerbsquoten in der
Genferseeregion (65,7%) und im Tessin (59,4%). Dieses Muster gilt
grundsätzlich sowohl für Männer als auch für Frauen. ... aber höhere Arbeitspensen in der Genferseeregion und im Tessin Die regionalen Unterschiede hinsichtlich der Erwerbsbeteiligung
lassen sich unter anderem mit dem Angebot an Teilzeitstellen in den
verschiedenen Regionen erklären: Eine sehr hohe Erwerbsquote und den
höchsten Teilzeitanteil (32,8%) wies der Kanton Zürich auf. Die
tiefsten Teilzeitanteile und die tiefsten Erwerbsquo-ten fanden sich
in der Genferseeregion und im Tessin (Teilzeitanteile 28,9% und
24,8%). Die Nordwest-schweiz und die Ostschweiz bewegten sich sowohl
bei den Erwerbsquoten als auch bei den Teilzeitanteilen (31% resp.
29,4%) im Mittelfeld. In der Zentralschweiz wurden allerdings die
höchste Erwerbsquote gemes-sen, obwohl hier der Teilzeitanteil
(29,6%) leicht unterdurchschnittlich war und im Espace Mittelland
lagen die Erwerbsquoten trotz eines sehr hohen Anteils an
Teilzeiterwerbstätigen (32,4%) nahe beim Durchschnitt. BUNDESAMT FÜR STATISTIK Informationsdienst Auskunft: Dr. Brigitte Buhmann, BFS, Sektion Erwerbsleben und Arbeitsmarkt,
Tel. 032 713 88 52 Michel Kolly, BFS, Sektion Erwerbsleben und Arbeitsmarkt, Tel. 032
713 64 76 Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch 22.10.02
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100021325
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