Medienmitteilung
BFS: Volkszählung 2000
Verstädterung des Mittellandes
2002-10-21T09:15:00
Neuchâtel (ots) - Mit der Publikation "Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden 1850-
2000" veröffentlicht das Bundesamt für Statistik (BFS) die
definitiven Resultate der Volkszählung 2000 und eine lückenlose
Darstellung der demographischen Entwicklung der Schweiz in den
vergangenen 150 Jahren. Die Bevölkerungsentwicklung zeigt eine
Verstädterung des gesamten Mittellandes, wobei die Einwohnerzahlen
in den Kernstädten der Agglomerationen relativ stark zurückgingen.
Verlierer der Entwicklung sind aber auch einzelne Regionen im Jura
und im zentralen und östlichen Alpenraum. Dank dem 10-Jahres-Rhythmus zu einem einheitlichen Zeitpunkt gehört
die Serie der eidgenössischen Volkszählungen im internationalen
Vergleich zu den aussagekräftigsten Bevölkerungsstatistiken. Die 300-
seitige Publikation "Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden 1850-
2000" gibt einen Überblick über die Entwicklung der Wohnbevölkerung
in der Schweiz von der ersten Volkszählung bis heute. Sie
dokumentiert zudem sämtliche Gemeindefusionen und die Veränderung
der Kantone, Bezirks- und Kantonsgrenzen seit der Gründung des
schweizerischen Bundesstaates. Mittelland als eine Stadt? Zwischen 1990 und 2000 haben nur wenige Gemeinden der Schweiz
Bevölkerung verloren. Die Urbanisierung und Metropolisierung hat
inzwischen das ganze Mittelland erfasst. Manche Agglomerationen
vergrössern sich nicht nur; sie wachsen mit andern zusammen. Die
höchsten kommunalen Zuwachsraten finden sich in den äusseren
Agglomerationsgürteln mit Maximalwerten in den Gemeinden des Bezirks
Nyon (Agglomeration Genf), in den Bezirken Morges, Echallens und
Oron (Lausanne), Affoltern, Bremgarten, Dielsdorf und Uster
(Zürich). Ausserhalb dieser Grossagglomerationen finden sich
überdurchschnittliche Bevölkerungszunahmen im Rhonetal, in der
Innerschweiz (besonders in Nidwalden, Schwyz und im Amt Sursee), im
Raum Freiburg und im Tessin. Bevölkerungsrückgang in den Stadtzentren Eine detaillierte Betrachtung der Verstädterung zeigt aber wichtige
Nuancen: Trotz des grossflächigen Wachstums weisen die Kernstädte
der Agglomerationen einen relativ starken Bevölkerungsrückgang aus. In der Tat kompensieren die Gewinne der Umlandgemeinden die
Einwohnerverluste der Zentren, aber das Wachstum der Stadtregionen
als ganzes blieb erstmals hinter demjenigen ländlicher Gebiete
zurück. Zentraler und östlicher Alpenraum als Verlierer Die ländliche
Peripherie ist auf einzelne Problemregionen zusammengeschrumpft,
welche vor allem im zentralen und östlichen Alpenraum sowie im Jura
liegen. Auffallend viele Gemeinden mit zum Teil beträchtlichen
Einwohnerverlusten gibt es im weiteren Gotthardgebiet, also im Goms,
im Haslital, im Kanton Uri, in der Surselva, im Bleniotal und in der
Leventina. Ausserdem gehören nach wie vor das Emmental und das
Entlebuch zu den Gebieten mit Bevölkerungsrückgang, ebenso weisen
Teile des Juras, vom Vallée de Joux über Ste-Croix und die
Neuenburger Hochtäler bis in den Berner Jura, die Freiberge und die
Ajoie Bevölkerungsverluste auf. Nur wenig Gemeindefusionen Seit 1850
sind gemäss den Auflistungen der Volkszählungen 376 Gemeinden (davon
11 erhebungsbedingt) durch Verschmelzung oder Eingemeindung
verschwunden. Dies entspricht 12% der 3'205 im Jahre 1850
existierenden Gemeinden der Schweiz. Mehr als ein Drittel dieses
Rückganges entfällt auf den Kanton Thurgau, wo die Ebene der
Ortsgemeinden aufgelöst worden ist. Im Vergleich mit andern
europäischen Ländern sind die territorialen Reformen und
Gemeindefusionen in der Schweiz eher bescheiden. In vielen Ländern
beobachtet man seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts einen
leichten Anstieg der Gemeindezahl, häufig als Reaktion zu den
vorangegangenen Fusionen (Italien, Österreich). Island, die
Niederlande, Griechenland und die neuen Länder Deutschlands haben im
vergangenen Jahrzehnt ihren Gemeindebestand namhaft reduziert. In
vielen Ländern Mittel- und Osteuropas läuft ein analoger Prozess ab. BUNDESAMT FÜR STATISTIK Informationsdienst Auskunft: Werner Haug, Vizedirektor BFS, Tel. 032 713 66 85 Neue Publikationen Eidg. Volkszählung 2000, Bevölkerungsentwicklung 1850-2000,
Neuchâtel, 2002, Bestellnummer 001-0015, Preis Fr. 25.- Publikationsbestellungen unter: Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60
61, E-Mail: Ruedi.Jost@bfs.admin.ch Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
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