Medienmitteilung
BFS: Verbreitung von Computern und Internet
Informationsgesellschaft Schweiz: ausbaufähig
2002-10-11T11:15:00
Neuchâtel (ots) - Informations- und Kommunikationstechnologien
(IKT) sind in unserer Gesellschaft von zunehmender sozialer und
wirtschaftlicher Bedeutung. In den letzten Jahren hat die Nutzung
von Computern und Internet im Arbeitsleben, im Bildungsbereich und
in der Freizeit stark zugenommen. Allerdings vollzieht sich die
Ausbreitung der IKT nicht in allen Bereichen mit gleicher
Geschwindigkeit. Komplexere Nutzungsmöglichkeiten wie über das
Internet abgewickelte Transaktionen (E-Commerce) werden erst zaghaft
genutzt. Zudem wird das Nutzungspotenzial von IKT nicht von allen
Bevölkerungsgruppen gleichermassen ausgeschöpft: So ist der typische
Internet-Benutzende in der Schweiz immer noch männlich, jung und
verfügt über eine höhere Schulbildung sowie ein überdurchnittliches
Einkommen. Der unter der Federführung des Bundesamtes für Statistik
(BFS) in Zusammenarbeit mit Experten entstandene neue Bericht gibt
mittels Indikatoren und bereichsbezogenen Analysen Aufschluss über
den Stand der Informationsgesellschaft Schweiz und die mit der
zunehmenden Verbreitung von IKT verbundenen Chancen und Risiken. Gute infrastrukturelle Voraussetzungen in der Schweiz Beinahe alle Unternehmen und Schulen in der Schweiz sind heute mit
Computern ausgerüstet und mehr als die Hälfte der Schweizer
Bevölkerung hat Zugang zu Internet, sei es zu Hause oder am
Arbeitsplatz. Im internationalen Vergleich verfügt die Schweiz
hinsichtlich Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) über
gute infrastrukturelle Voraussetzungen. Die Infrastruktur ist in
kommerziell besonders relevanten Bereichen sogar sehr gut: Die
Verbreitung gesicherter Web-Server, die die sichere Datenübertragung
z.B. bei Online-Kreditkartengeschäften gewährleisten, erreicht in
der Schweiz mit 192 gesicherten Web-Servern pro Million
Einwohnerinnen und Einwohner (Stand Juli 2001) fast das Dreifache
des Mittels der Länder der Europäischen Union. Die Schweiz rangiert
damit zwar hinter den USA, Neuseeland, Kanada und Australien, aber
vor den bei IKT generell sehr gut abschneidenden skandinavischen
Ländern. Potenzial noch nicht ausgeschöpft Die Bevölkerung nutzt die neuen Technologien heute hauptsächlich für
die Kommunikation (E-Mail) und die Informationssuche (am häufigsten
über Internet-Suchmaschinen). Komplexere Nutzungsmöglichkeiten, wie
über das Internet abgewickelte Transaktionen (E-Shopping, E-
Banking), haben noch einen geringen Stellenwert. Es gibt allerdings
auch bereits eine Bevölkerungsgruppe, welche umfassender von den
neuen Technologien Gebrauch macht. So nutzen immerhin 14% der
regelmässigen Internet-Benutzenden in der Schweiz das Internet
mindestens ein Mal pro Woche zum Kauf von Waren und Dienstleistungen
(Stand Anfang 2002). Die Nutzungsquoten der elektronischen Variante der vom BFS
durchgeführten Volkszählung 2000 (E-Census) zeigten, dass ein
beträchtlicher Unterschied zwischen der einfachen Informationssuche
und dem Abwickeln einer komplexen Transaktion über Internet besteht:
Jede achte Person mit Interneterfahrung oder 4% der Schweizer
Bevölkerung beantwortete den Fragebogen der Volkszählung über das
Internet. Dabei füllte nur jeder zweite Haushalt, welcher die
Startseite des E-Census besuchte und sich somit für die
elektronische Erfassung interessierte, den Fragebogen auf diesem Weg
schliesslich auch erfolgreich aus. Dabei nannten die Mehrzahl der
Personen mit Internetzugang als Hauptgrund für die Nicht-Teilnahme
am E-Census die einfachere Handhabung des Papierfragebogens. Computer und Internet werden in der Schweiz auch noch selten als
Lernmittel verwendet. Zwar benutzten im Jahr 2000 63% der 15-
Jährigen regelmässig einen Computer zu Hause, aber nur 21% in der
Schule. Dabei stehen die Lehrpersonen der Computernutzung im
Unterricht grundsätzlich positiv gegenüber. Fast zwei Drittel der
Lehrpersonen im Volksschulbereich stimmen in einer Erhebung Ende
2001 der Aussage zu, dass der Computereinsatz im Unterricht wichtig
ist. Auf Barrieren für eine stärker Nutzung von IKT im Unterricht
weist die kritische Einschätzung der Lehrerschaft ihrer eigenen IKT-
bezogenen Kompetenzen hin: Sie schätzen insbesondere ihre
methodisch- didaktischen Kenntnisse für den Einsatz des Computers im
Unterricht im Mittel als eher mittelmässig bis gering ein. Für den
sinnvollen Einsatz von IKT im Unterricht scheint demnach ein grosser
Weiterbildungsbedarf zu bestehen. Soziale Unterschiede: Herausforderungen für unsere Gesellschaft Nicht alle Bevölkerungsgruppen haben gleichermassen Zugang zu den
neuen Technologien. Obwohl die Internetnutzungsquoten in den letzten
Jahren in allen sozialen Gruppen zugenommen haben, ist der typische
Internet-Benutzende heute immer noch jung, männlich und verfügt über
eine höhere Schulbildung sowie ein überdurchschnittliches Einkommen.
Die Unterschiede nach Bildung, Einkommen und Geschlecht scheinen
sich zu halten; so nutzten Anfang 2002 in der Schweiz 77% der
Personen mit einer Hochschulbildung das Internet regelmässig,
während dies für lediglich 25% der Personen mit obligatorischer
Schulbildung gilt. Die Chance der jüngeren Generation, sich im Elternhaus mit den neuen
Medien vertraut zu machen, ist abhängig von der sozialen Herkunft.
Im Jahr 2000 war der Anteil von Neuntklässlerinnen und
Neuntklässlern, die den Computer zu Hause fast täglich verwenden,
bei Jugendlichen niedriger sozialer Herkunft deutlich kleiner (35%)
als bei denen mittlerer (43%) oder höherer sozialer Herkunft (49%).
In der Schule gibt es keine solchen Nutzungsunterschiede nach
sozialer Herkunft. Der Schule kommt hier eine ausgleichende Wirkung
zu. Frauen stehen neuen Technologien wie Computern und Internet generell
weniger positiv gegenüber als Männer. Entsprechend gehören Anfang
2002 33% der Frauen und 52% der Männer zu den regelmässigen
Internet- Benutzenden. Diese Unterschiede setzen sich bei der
jüngeren Generation fort: Mädchen der neunten Klassen nutzen in der
Schweiz den Computer signifikant weniger, haben weniger Interesse
daran und weniger Selbstvertrauen im Umgang damit als Knaben. Dabei
spielt das Selbstvertrauen die grösste Rolle: Auch bei gleich
häufiger Nutzung zeigen die Mädchen ein geringeres Selbstvertrauen. BUNDESAMT FÜR STATISTIK Informationsdienst Auskunft Maja Huber, BFS, Hochschulen und Wissenschaft, Tel. 032 713 61 49, E-
Mail: Maja.Huber@bfs.admin.ch Publikationsbestellungen unter: Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60
61, E-Mail: order@bfs.admin.ch Neuerscheinung: BFS/GWF/BAKOM, Informationsgesellschaft Schweiz. Standortbestimmung
und Perspektiven, Neuchâtel 2002, Bestellnummer: 507-0200, Preis: 18
Fr. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Site des Bundesamtes
für Statistik unter http://www.infosociety-stat.admin.ch 11.10.02
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000114/100021056
|
|