MedienmitteilungADAC, ÖAMTC und TCS-Symposium zum Thema "Fahrzeugbrand" in Bregenz2002-04-24T10:15:12Bregenz (ots) - Expertendiskussion über Ursachen und Folgen von Fahrzeugbränden - Clubs präsentieren Forderungen zur Brandvermeidung und -bekämpfung. Rein statistisch betrachtet, brennen jährlich auf den Straßen Deutschlands 40 000, Österreichs 3 000 und der Schweiz 3 000, das heißt täglich nicht weniger als 125 Fahrzeuge, rund drei Viertel davon sind Pkw. Jährlich sind in diesen drei Ländern im Zusammenhang mit Fahrzeugbränden rund 100 Tote zu beklagen. Abgesehen von den menschlichen Tragödien, die mit solchen Unfällen verbunden sind, verursachen Fahrzeugbrände, wie die spektakulären Beispiele im Montblanc-, Gotthard- und Tauerntunnel zeigen, Unfallfolgekosten in Milliarden-Euro-Dimensionen. Gründe genug für die Automobilclubs ADAC, ÖAMTC und TCS das oft unterschätzte Thema «Fahrzeugbrand» in den Mittelpunkt eines internationalen Symposiums im Bregenzer Festspielhaus zu stellen. In acht Fachreferaten und einer praktischen Vorführung eines Fahrzeugbrandes geht es den Veranstaltern darum, die Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen von Fahrzeugbränden aus unterschiedlichsten Perspektiven zu beleuchten, um auf dieser Grundlage wirksame Gegenstrategien zur Vermeidung und Bekämpfung von Fahrzeugbränden zu entwickeln. Der Bogen der Beiträge spannt sich von der Klärung der Ursachen für Fahrzeugbrände über technische Möglichkeiten der Brandvermeidung und richtiges Verhalten bei Fahrzeugbränden bis hin zur Thematik Versicherungsbetrug und überzogene mediale Darstellung brennender und explodierender Fahrzeuge. Unfallforscher sehen die Hauptursachen für Fahrzeugbrände in technischen Defekten ohne Unfallenergie, gefolgt von Brandstiftung. Versicherungsexperten schätzen, dass ca. 20 Prozent der Brände gelegt sind, d.h. in die Rubrik «Versicherungsbetrug» einzuordnen sind. Die Hauptursache bei Unfällen mit Fahrzeugbrand sind heiße Teile im Motorraum, Funkenbildung durch Reibung von Fahrzeugteilen und zunehmend elektrischer Kurzschluss. Und auch mit dem Mythos, dass ein Fahrzeug z.B. nach einem Unfall zuerst in Flammen steht, um dann unmittelbar danach zu explodieren, räumen die Experten gründlich auf, benötigt doch ein im Motorraum entstandener Brand in der Realität rund zehn Minuten bis er den Fahrgastraum erreicht hat. Im Fall der Fälle bleibt also oft genügend Zeit für Helfer oder Retter, verletzte Personen zu bergen bzw. in Sicherheit zu bringen. Was seitens der Fachwelt generell beklagt wird, ist das Fehlen einer einheitlichen, nationalen oder gar länderübergreifenden Unfalldatenbank, die auch spezielle Aufschlüsse über Unfälle mit Fahrzeugbränden ermöglichen würde. Trotz des Fehlens solch gesicherter Daten steht aber fest, dass bezogen auf alle Verkehrsunfälle der Anteil von Fahrzeug-Unfallfolgebränden in der Größenordnung von rund einem Prozent liegt. Betrachtet man aber lediglich Unfälle mit schweren Folgen, also z.B. mit getöteten Personen, dann steigt dieser Anteil auf rund 3,5 Prozent an. Ähnliches gilt auch für Unfälle mit Fahrzeugbränden in Tunnel - rein statistisch betrachtet relativ «seltene Ereignisse», die allerdings dann, wenn sie eintreten, überproportional schwere Unfallfolgen nach sich ziehen und nicht selten das Ausmaß echter Brandkatastrophen annehmen, wie etwa bei den Unfällen im Montblanc-, Gotthard- und Tauerntunnel. Die wichtigsten Ergebnisse der eintägigen Fachveranstaltung in Bregenz bilden die Grundlagen für ein umfassendes Paket an Forderungen und Empfehlungen der Clubs in Richtung Automobilhersteller, europäische Gesetzgeber und Exekutive. Ergänzt wird dieses Paket durch eine Reihe praktischer Tipps zum richtigen Verhalten bei Fahrzeugbränden, um eine breitere Öffentlichkeit mit den wichtigsten Botschaften anzusprechen. Clubs präsentieren Forderungskatalog zur Brandvermeidung und -bekämpfung Einigkeit unter den Clubs herrscht darüber, dass das Prinzip des Brandschutzes fortführend und umfassend in Fahrzeugkonstruktion und Fahrzeugbau integriert werden muss, also z.B. die Verhinderung von Kraftstoffaustritt bei Unfall, Abschirmung heißer Fahrzeugteile, Verhinderung von Kurzschluss, Einsatz von selbstverlöschenden Kunststoffen und brandhemmenden Isolationsmaterialien. Erkenntnisse aus Unfallforschung und Crashtests müssen berücksichtigt werden. Aus diesem grundsätzlichen Vorschlag lassen sich folgende konkrete Forderungen bzw. Empfehlungen ableiten, die sich an Automobilhersteller, Gesetzgeber und Exekutive richten:
Verhaltensregeln für Autofahrer bei Brandfällen - Unfallstelle absichern (Warnblinker, Warndreieck)
- Polizei/Rettung verständigen (D: 110, A: 112, CH: 117)
- Zündung am Unfallfahrzeug ausschalten (möglicher Schmorbrand)
- Insassen aus Fahrzeug retten (so lange es die Situation zulässt)
Brennende Fahrzeuge explodieren nicht !!!
Eine Brandausbreitung vom Motorraum zur Fahrgastzelle dauert ca.
5 - 10 Minuten
- Erste Hilfe leisten
- Vorhandenen Feuerlöscher gezielt einsetzen (Löscher bis 2 kg
sind nach max. 10 Sekunden leer!):
Im Abstand von 1 - 2 Meter mit Pulverwolke Flammen ersticken
(Vorsicht beim Löschen von Personen)
Immer in Windrichtung sprühen
Bei Motorbrand möglichst durch Öffnungen sprühen (z.B.
Lüftungsgitter, Spalt bei entriegelter Motorhaube, usw.), weil
Frischluft das Feuer anfachen kann
- Feuerlöscher im Fahrzeug immer crashsicher befestigen, damit
kein zusätzliches Verletzungsrisiko entstehtKontakt: Stephan Müller, Mediensprecher TCS, Permalink:
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