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Bain-Studie zum europäischen Gesundheitswesen: Unzufriedenheit von Klinikärzten nimmt alarmierende Formen an

Weckruf für Europas Krankenhäuser Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/19104 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Bain & Company"
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München/Zürich (ots) - Gut ein Drittel der deutschen Krankenhausärzte würde ihre Einrichtung Freunden oder Verwandten nicht empfehlen

   - Europaweit gehen drei Viertel der Klinikärzte davon aus, dass 
     die Digitalisierung der Krankendaten die Behandlungsqualität in 
     den kommenden drei bis fünf Jahren verbessert
   - Mehr als zwei Drittel sind unzufrieden mit den Informationen, 
     die sie von Pharmaunternehmen und Medizintechnikherstellern 
     erhalten 

Ärzte in Deutschland und weiten Teilen Europas sind ausgesprochen unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen in ihren Krankenhäusern. Gleiches gilt für die Qualität der Behandlung. Klinikbetreibern sollte dies eine Warnung sein. Die Versorgung der Patienten ist in Gefahr, Untätigkeit keine Lösung. Das sind Ergebnisse der Studie "Front Line of Healthcare 2018" der internationalen Managementberatung Bain & Company. In Zusammenarbeit mit SERMO, einem weltweit führenden sozialen Netzwerk für Ärzte und Marktforscher im Gesundheitswesen, wurden dafür mehr als 1.100 Ärzte aus 10 Fachgebieten in 150 Krankenhäusern in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien befragt.

Mit Ausnahme von Frankreich hat in Europa die Unzufriedenheit der Klinikärzte seit 2016 - der letzten Bain-Studie zum europäischen Gesundheitswesen - massiv zugenommen. So sagen 35 Prozent der deutschen sowie 20 Prozent der britischen und italienischen Mediziner, dass sie ihre Klinik Freunden und Verwandten nicht als Behandlungsort empfehlen würden. "Die gegenwärtigen Budgetrestriktionen gefährden unsere Fähigkeit, gute Arbeit zu leisten", beschreibt ein Arzt die allgemeine Stimmung hierzulande.

Zu wenig Personal, veraltete Geräte

Die aktuelle Studie zeigt, dass Krankenhäuser, Pharmaunternehmen und Medizintechnikhersteller nach wie vor in einem überholten System arbeiten, das immer mehr geprägt ist von zu wenig Personal, Budgetkürzungen und veralteten Geräten. Entsprechend fühlen sich Mediziner kaum noch in der Lage, Herausforderungen wie alternde Bevölkerungen oder die Wiederkehr vieler Infektionskrankheiten zu meistern. "Der Stimmungsumschwung der Klinikärzte von schlecht zu miserabel ist frappierend", stellt Michael Kunst, Bain-Partner und Leiter der Praxisgruppe Gesundheitswesen in Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA), fest. "Zwar waren sie auch schon vor zwei Jahren unzufrieden mit dem Status quo, aber immerhin noch optimistisch, mit neuen Strukturen, Systemen und digitalen Hilfsmitteln eine bessere Krankenbetreuung zu geringeren Kosten zu erreichen. 2018 scheinen sie von diesem Ziel weiter entfernt zu sein denn je."

Tatsächlich kommt der Wandel der Gesundheitssysteme in Deutschland und Europa kaum voran. Die Branche geht weiterhin nur zögerlich neue Wege in der Patientenversorgung und nutzt digitale Hilfsmittel eher selten. Noch vor zwei Jahren hatten die Klinikärzte mit Arbeitserleichterung und höherer Versorgungsqualität durch neue Methoden wie der Digitalisierung der Patientendaten gerechnet. Doch getan hat sich laut Bain-Studie in dieser Hinsicht wenig. Die Nutzung von Datenanalyse als klinisches Hilfsmittel für die Ärzte stagniert bei 45 Prozent, der Einsatz risikobasierter Vergütungssysteme in Krankenhäusern hat sogar abgenommen. Dennoch sind 75 Prozent der Klinikärzte immer noch überzeugt davon, dass die Digitalisierung der Krankendaten in den kommenden drei bis fünf Jahren die Betreuung der Patienten verbessern wird - vorausgesetzt, die IT-Systeme sind sicher und gut gegen Cyberangriffe geschützt.

Neben unzureichenden Ressourcen sorgen sich die Krankenhausärzte um die Qualität der Informationen, die sie für medizinische Entscheidungen zur Verfügung haben. Mehr als 70 Prozent halten die Informationen der Pharmaunternehmen und Medizintechnikhersteller für unzureichend. Zugleich kritisieren sie deren Schwächen in der Betreuung ihrer Klientel. Noch unzufriedener mit den Medtech-Lieferanten als die Ärzte sind die Einkäufer in den Kliniken. "Das ist von großer Relevanz, weil sich die Zahl der zentral gesteuerten Kaufentscheidungen durch professionelle Einkaufsexperten in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt hat", so Kunst.

Wandel in Europas Gesundheitssystemen längst überfällig

Die gängige Patientenversorgung in Deutschland und Europa basiert auf einem Modell, das sich nicht mehr weiterentwickeln kann. In vielen Bereichen gibt es keinerlei Fortschritte, weil die Klinikärzte im bestehenden System kaum noch in der Lage sind, den wachsenden Ansprüchen von Patienten und anderen Stakeholdern gerecht zu werden. "Für Krankenhausbetreiber sollten unsere Studienergebnisse deshalb ein Weckruf sein", erklärt Bain-Experte Kunst. "Es gilt schnell zu handeln und neue Ansätze in der Patientenversorgung zu finden." Gleichzeitig macht er Mut: "Unternehmen mit loyalen und motivierten Mitarbeitern sind bekanntlich deutlich produktiver. Kliniken, die ihre Organisationsstruktur entlang ihrer Unternehmensmission ausrichten, bekommen wesentlich bessere Noten von ihren Ärzten."

Gelegenheiten für Krankenhäuser, Pharmakonzerne und Medizintechnikhersteller, die Situation im Gesundheitswesen zu verbessern, gibt es genug. Doch soll die Betreuungsqualität für Patienten nachhaltig steigen, ist ein ganzheitlicher Ansatz nötig. In allen Bereichen des Gesundheitssystems lautet deshalb das Gebot der Stunde, digitale Innovationen zu nutzen, um die gegenwärtigen Strukturen aufzubrechen und neu zu gestalten. Betont Kunst: "Nur wenn alle Akteure im Gesundheitswesen zusammenarbeiten, wird ein neues Qualitätsniveau erreicht."

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