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17.09.2020 – 08:15

Stiftung Menschen für Menschen Schweiz

Armut plus Corona gleich Hunger
In der Pandemie verkümmern Kinder weitgehend unbemerkt

Armut plus Corona gleich Hunger / In der Pandemie verkümmern Kinder weitgehend unbemerkt
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Zürich/Debre Berhan (ots)

Unter den grossen Hungerkatastrophen in Ostafrika litten in früheren Jahren vor allem Menschen in abgelegenen Gebieten. Doch nun haben Familien mitten in den Städten nicht ausreichend zu essen. Kinder verkümmern in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung. "Durch die Folgen der Corona-Krise fallen viele Familien in extreme Armut zurück", warnt Kelsang Kone, Geschäftsführer von Menschen für Menschen.

"In den Städten versteckt sich die Not oft nur eine Gasse entfernt von einer belebten Geschäftsstrasse", sagt Kelsang Kone. Zwar habe Äthiopien in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte gemacht. Im Jahre 2005 waren laut Gesundheitsministerium noch mehr als die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren von "Stunting" betroffen. Darunter versteht man einen chronischen Mangel an ausgewogener Nahrung, der dazu führt, dass die Kinder zu klein für ihr Alter sind und sie in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung verkümmern. Im Jahr 2019 waren nur noch 37 Prozent der Kinder durch "Stunting" beeinträchtigt. "Wir sind besorgt, dass dieser positive Trend durch die Corona-Folgen abbricht und wieder mehr Kinder an Unterernährung leiden", sagt Kelsang Kone.

Sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren, kostet in Äthiopien laut der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO umgerechnet knapp zwei Franken pro Tag und Person. 48 Prozent der Menschen können sich diese Summe nicht leisten. Die Menschen konzentrieren sich deshalb auf Grundnahrungsmittel und ernähren sich einseitig. Viele Familien kaufen fast ausschliesslich Weizen oder Mais, verzichten auf Gemüse, Fleisch und Obst. Die einseitige Ernährung macht sie anfällig für Krankheiten. Gerade die kleinsten Kinder sind gefährdet. Eines von zwanzig Kindern erlebt seinen fünften Geburtstag nicht.

Bereits vor der Corona-Krise war eines von fünf Kindern in Äthiopien untergewichtig, wog also signifikant zu wenig für sein Alter und seine Grösse. "In unseren Projektgebieten sehen wir, dass sich die Ernährungslage der Kinder aus den armen Familien aufgrund der Krise weiter verschlechtert und Fortschritte zunichte gemacht werden", sagt Kelsang Kone. Die Schulen sind seit Mitte März geschlossen. Kindergartenkinder und Schüler erhalten kein Schulessen mehr - für viele war das die wichtigste Mahlzeit des Tages. Laut einer Studie der Weltbank ist die Beschäftigung im informellen Sektor um 61 Prozent zurückgegangen. Es trifft gerade die Ungelernten, die von Gelegenheitsarbeiten leben. Arbeitern in den wenigen Exportindustrien wie Rosenzucht und Textilproduktion werden teilweise die Löhne gekürzt. Der Mindestlohn in den Nähfabriken liegt bei lediglich 26 Dollar pro Monat. Laut der britischen Zeitung Guardian bekommen Arbeiter nun teilweise nur noch zehn Dollar ausbezahlt.

Hinzu kommt, dass der landesweite Warenaustausch durch die Corona-Beschränkungen erschwert sind und die Lebensmittelpreise steigen. Eine von vier Familien berichtet laut Weltbank, dass sie in den vergangenen 30 Tagen mindestens einmal keinerlei Nahrungsmittel mehr im Haus hatte: Weithin unbeachtet von der Weltöffentlichkeit hungern die Kinder in den ärmsten Familien.

Deshalb brauchen die ärmsten Familien jetzt dringend Lebensmittelhilfe. Menschen für Menschen versorgt besonders bedürftige Familien in den Slums der Hauptstadt Addis Abeba und der Grossstadt Debre Berhan mit Überlebenspaketen und teils auch mit Bargeld, damit sie die Mieten ihrer Unterkünfte bezahlen können.

Kurzfristig lindert dies die unmittelbare Not in der Corona-Krise. Langfristig aber geht es darum, die kleinbäuerliche Landwirtschaft weiter zu stärken, damit Äthiopien mehr und gesunde Nahrung produziert. Seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verheerten immer wieder Dürren das Horn von Afrika. Die Folge waren Hungersnöte, unter denen Millionen Menschen litten. Aus Zorn über diese "Ungerechtigkeit der Welt" gründete der Schauspieler Karlheinz Böhm Menschen für Menschen. Die Stiftung bringt seitdem nachhaltige Hilfe in ländliche Bezirke Äthiopiens, indem Kleinbauern und Hirten lernen, angepasste Land- und Viehwirtschaft zu betreiben.

Daneben entsteht in den Städten eine neue Herausforderung. Aufgrund der Überbevölkerung in den Dörfern ziehen immer mehr Menschen in die städtischen Armenviertel. Dort schlagen sie sich als Tagelöhner durch. Diese Familien sind in der Corona-Krise besonders verletzlich, weil sie keine Rücklagen bilden können. Menschen für Menschen zeigt den Tagelöhnern über Berufsbildung und Mikrokredite alternative Einkommensmöglichkeiten auf, etwa im Strassenhandel - doch aufgrund der Pandemie-Beschränkungen funktionieren viele der gegründeten Kleinstunternehmen nicht mehr. "Das Virus bringt die Not zurück", sagt Kelsang Kone. "Jetzt kommt es darauf an, die Corona-Folgen für die ärmsten Familien einzudämmen und die langjährig erzielten Fortschritte zu bewahren."

Menschen für Menschen setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 - 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Schwerpunkte der einzelnen Projekte sind Frauenförderung, Berufsbildung, Mikrokredite, Kinderhilfe, Familienplanung und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.

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Pressekontakt:

Michael Kesselring | m.kesselring@mfm.ch | Tel.: +41 (0)43 499 10 60

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