Stiftung Menschen für Menschen Schweiz

Zum Weltwassertag am 22. März 2018: Die Wüste lebt!

Der ehemalige Nomade Wolleo Hassan beim Ackerbau in Subuli, Äthiopien. (Stiftung Menschen für Menschen) Weiterer Text über ots und www.presseportal.ch/de/nr/100007199 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Stiftung Menschen für Menschen Schweiz/Rainer Kwiotek"
Der ehemalige Nomade Wolleo Hassan beim Ackerbau in Subuli, Äthiopien. (Stiftung Menschen für Menschen) Weiterer Text über ots und www.presseportal.ch/de/nr/100007199 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Stiftung Menschen für Menschen Schweiz/Rainer Kwiotek"

Zürich (ots) - Durch den Klimawandel verdurstet und verhungert das Vieh: In den vergangenen Jahren erlebten viele Hirtenfamilien in Äthiopien so grosse Verluste, dass sie auch um ihr eigenes Leben fürchteten. Im Gebiet Subuli können die Familien nun aufatmen. Ein Bewässerungsprojekt der Stiftung Menschen für Menschen schafft Lebensperspektiven für sie.

Als Wolleo Hassan, 36, geboren wurde, nahm sein Vater seine Nabelschnur und band sie mit der Nabelschnur einer neugeborenen Ziege zusammen. "So war es bei uns seit Menschengedenken Sitte", erzählt Wolleo Hassan: "Künftig gehörten alle Nachkommen dieser Ziege mir." Der archaische Brauch unter den Hirten vom Stamm der Afar symbolisiert, dass ihr Schicksal untrennbar mit ihrem Vieh verknüpft ist.

Jahrhunderte lang zogen die Afar-Nomaden mit Kamelen, Rindern, Schafen und Ziegen den Niederschlägen hinterher: Wo ausreichend Regen gefallen war, fand das Vieh Nahrung und Tränke. Doch in der Dürre der vergangenen Jahre verlor Wolleo Hassan, 36, fast seinen gesamten Besitz: "40 Ziegen verendeten. Nur eine Handvoll konnten wir am Leben halten." Die Dornstrauch-Savanne war in der Dürre zu einer lebensfeindlichen Wüste geworden. "Ich fürchtete um das Leben meines kleinen Sohnes", erinnert sich Wolleo, der mit seiner Frau Geja und dem siebenjährigen Hassan in Subuli im Bezirk Bure Mudaytu lebt.

In der Innerschweiz fallen pro Jahr auf jeden Quadratmeter 2000 Liter Regen; pro Tag verbraucht jeder Einwohner der Schweiz in seinem Heim 142 Liter Wasser: In der Schweiz ist nichts vom sogenannten "Wasserstress" zu spüren, unter dem die weltweite Nahrungsmittelproduktion im Klimawandel leidet. Niederschläge fallen in Ländern des Südens in kürzerer Zeit, werden schwächer oder bleiben ganz aus. In den ärmsten Ländern wie Äthiopien sind vor allem Kleinbauern und Hirten betroffen, deren Existenz völlig von der Produktion ihrer Nahrungsmittel abhängen. Darauf weist Menschen für Menschen (www.mfm.ch) zum Weltwassertag am 22. März hin. "Auf die globale Herausforderung des Wasserstresses müssen wir lokal genau angepasste Lösungen finden", sagt Josefine Kamm, Geschäftsführerin der Schweizer Stiftung.

In Subuli errichtete das Hilfswerk am Arso eine Bewässerungs-Infrastruktur. Dieser Fluss führt das ganze Jahr über Wasser aus dem Hochland heran. Das Wasser des Arso blieb bislang ungenutzt, es fliesst in den Awash River, der in den Abbe-Salzsee mündet. Das Schweizer Hilfswerk errichtete eine Uferschutzmauer und einen teils gemauerten 3,5 Kilometer langen Hauptkanal. Von ihm zweigen Erdkanäle ab. So werden bis Ende des Jahres insgesamt 150 Hektar Trockenland zu Garten- und Ackerflächen. Jede Hirtenfamilie bekommt Zugang zu einer Fläche, die so gross ist wie ein halbes Fussballfeld. Dank genau abgestimmter Bewässerungspläne können insgesamt 300 Familien ihre Flächen intensiv bebauen und kommen in den Genuss eines stetigen Einkommens. Jetzt schon sind 80 Hektar bewässert. Händler fahren mit geländegängigen Lastwagen über Staubpisten ins entlegene Subuli, um die Ernten abzunehmen und in die 50'000-Einwohner-Stadt Shewarobit zu transportieren.

"Als wir in der Dürre vor zwei Jahren unsere Ziegen verloren, konnte ich bei den Bauarbeiten helfen und bekam dafür eine Entlöhnung", sagt Wolleo Hassan. "Nur so konnten wir die Trockenheit überstehen." Im Schulungsgarten des Projekts hat der 36-Jährige gelernt, wie man Mais und Gemüse anpflanzt. Die erste Ernte auf dem ihm zugewiesenen Landstück habe ihm 70 Fünfzig-Kilo-Säcke Maiskolben eingebracht. Die Hälfte davon verkaufte er für umgerechnet 160 CHF, der Rest ernährt Familie und Verwandte. "Unser Ziegenbestand hat sich inzwischen wieder erholt", sagt der Hirte, der nun zum Nebenerwerbs-Landwirt wurde: "Jetzt fühle ich mich sicher. Vor einer neuen Dürre muss ich mich nicht mehr fürchten."

Die Hirten bauen auf ihrem Gartenland auch Futtergras an. Jetzt brauchen die Jungen und Männer nicht mehr Hunderte Kilometer weit durch die Savanne zu streifen, bewaffnet mit alten Gewehren und Kalaschnikows zum Schutz vor Hyänen und Viehdieben. "Das Vieh bleibt in der Nähe. Das ist ein riesiger Vorteil", sagt Wolleo. "Wir sind nicht mehr von unseren Freunden und unserer Familie getrennt." Das Vieh sei auch gesünder, denn beim weiten Umherstreifen würden die Tiere von Zecken geplagt und geschwächt. Gerade werde in Subuli eine Schule errichtet. "Meine Generation konnte nicht zur Schule gehen, aber mein Sohn wird alles lernen, was notwendig ist." Als Hassan zur Welt kam, habe er die alte Tradition mit der Nabelschnur nicht mehr durchgeführt, erzählt Wolleo: "Ich will nicht, dass das Leben meines Sohnes nur von den Ziegen und dem Regen abhängt."

Menschen für Menschen (www.mfm.ch) setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 - 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Die einzelnen Programmkomponenten setzen sich aus den Schwerpunkten Umweltschutz, Landwirtschaft, Grundbedürfnisse, Infrastruktur und Stadtentwicklung, Bildung sowie Nothilfe zusammen. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.

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Kontakt:

Michael Kesselring | m.kesselring@mfm-schweiz.ch | Tel: 043 499 10 60



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