Bundesamt für Wasser und Geologie

BWG: Das Matterhorn entschlüsselt

      Bern (ots) - Die Pyramide des Matterhorns besteht aus afrikanischen
Gesteinen und Meeresablagerungen. Diese und andere interessante
Erkenntnisse zeigt das soeben erschienene Blatt Matterhorn des
Geologischen Atlas der Schweiz 1:25’000. Damit ist der berühmteste
Berg der Alpen rund 100 Millionen Jahre nach seiner Entstehung nun
auch im offiziellen geologischen Kartenwerk der Schweiz enthalten.

    Aus Anlass dieser Neuerscheinung steht Zermatt diesen Sommer ganz im Zeichen der Geologie. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Wasser und Geologie organisiert Zermatt-Tourismus vom 12. Juli – 27. August 2004 wöchentlich geologische Rundgänge und Exkursionen. Dabei ist auch die spannende Geschichte des Matterhorns ein Thema. So hat die nun publizierte geologische Karte frühere Erkenntnisse bestätigt, wonach das Schweizer Wahrzeichen „multikulturell“ zusammengesetzt ist. Die Spitze des Matterhorns ist wie einige andere Walliser Berge, (die Dent Blanche und das Weisshorn z.B.), afrikanischen Ursprunges.

    Spitze des Matterhorns kommt aus Afrika Der Grund für diese seltsam anmutende Tatsache liegt 100 Millionen Jahre zurück. Damals planschte zwischen der europäischen und der afrikanischen Kontinentalplatte die so genannte Tethys – das Urmeer. Am Boden dieses Meeres waren Vulkane tätig, die den Meeresboden neben den Meeressedimenten mit vulkanischen Gesteinen deckten. Im Zuge der Plattenwanderung näherte sich die afrikanische Platte quer durch diesen Ozean auf die europäische Platte zu und schob gleichzeitig Sedimente und Vulkangesteine vom Meeresgrund vor sich her. Beim Aufeinanderprallen der beiden Platte vor 45 Millionen Jahren schob sich die afrikanische Platte samt Meeresbodengesteinen über den Rand der europäische Platte hinauf. Dieser so verdickte Rand der europäischen Platte wurde durch den Druck gleichzeitig zusammengeschoben und aufgetürmt - die Faltung der Alpen hatte begonnen.

    Dieser Vorgang hat in der Region Zermatt sichtbare Spuren hinterlassen. Auf engstem Raum sind afrikanische und europäische Gesteinstypen sowie Meeresablagerungen zu finden. In der Region Zermatt zeugt so genannte Kissen-Lava von der einst vulkanischen Aktivität auf dem Meeresboden. Alle diese Phänomene können im Rahmen der Geologischen Wochen leicht selber beobachtet werden. Weitere Informationen zu den Geologischen Wochen in Zermatt und zur geologischen Karte Matterhorn sind auf dem Internet zu finden unter: www.zermatt.ch > Events www.bwg.admin.ch > Geologie.

Auskünfte: Geologischer Atlas der Schweiz: Andreas Kühni, Bundesamt für Wasser und Geologie (BWG); 031 325 71 76 oder 078 789 06 69 Zermatt Tourismus: 027 966 81 11 Kommunikationsdienst BWG: Flavia Castelberg; 031 324 27 39 oder 079 624 47 43

    Kasten:

    Was ist eine geologische Karte? Geologische Karten geben Auskunft über die obersten Gesteinsschichten der Erdkruste und vermitteln einen detaillierten Einblick in die vielfältige und komplexe Beschaffenheit unseres Lebensraumes. Das in den Karten konzentrierte geologische Wissen gibt erste unerlässliche Hinweise für die Grobplanung von zahlreichen Bauten und Anlagen. Dazu gehören Tunnels, Strassen, Trinkwasserfassungen, Deponien, Gasleitungen, günstige Abbaustandorte von Kies oder Naturbausteine usw. Solche Vorhaben erfordern genaue Kenntnisse der lokalen Geologie. Für die Erstellung einer geologischen Karte im Massstab 1:25'000 dient die entsprechende Landeskarte als topografische Grundlage. Sie erlaubt es, die geologischen Formationen und Ihre Beziehung zur Geländeoberfläche optimal darzustellen. Das im Geologischen Atlas der Schweiz aufbereitete Fachwissen schützt also sowohl Menschenleben als auch die Umwelt und erspart unserer Gesellschaft teure Investitionsruinen. Somit kommt das vom Bund finanzierte Kartenwerk der gesamten Bevölkerung zugute. Das wichtigste Kartenwerk für die Geologie in der Schweiz ist der seit 1986 vom Bund betreute Geologische Atlas der Schweiz im Massstab 1:25'000. Die Karte Matterhorn ist das 107te Kartenblatt des Geologischen Atlas der Schweiz.



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