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pafl: Seismische Untersuchungen, keine Tiefenbohrungen

Vaduz (ots)

Vaduz, 15. Dezember (pafl) - Die Regierung führt im
Januar 2010 eine seismische Messkampagne durch. Damit werden 
Informationen zum Aufbau der geologischen Tiefenstruktur gesammelt. 
Diese Informationen werden im Hinblick darauf gesammelt, in einigen 
Jahren eventuell heisses Wasser aus tiefen Lagen für die energetische
Nutzung gewinnen zu können. Solche Nutzungen werden auch mit dem 
Kurzbegriff "Tiefengeothermie" umschrieben. Aktuell stehen aber keine
Tiefenbohrungen an.
Im Zusammenhang mit den bevorstehenden seismischen Untersuchungen 
und den Abklärungen zur Nutzung der Tiefengeothermie wurden 
verschiedentlich Befürchtungen hinsichtlich Erdbeben und anderen 
Schäden geäussert. Konkret wird immer wieder auf die Bohrung in Basel
im Rahmen des "Deep Heat Mining"-Projektes sowie auf die Situation in
Staufen in Deutschland verwiesen. Mit den folgenden Ausführungen 
sollen diese Befürchtungen geklärt werden.
Die seismischen Messungen im Januar 2010 sind keine 
Tiefenbohrungen. Bevor solche tiefen Bohrungen (3 bis 4 Kilometer 
tief) angedacht werden können, muss zuerst alles verfügbare Wissen 
über den tieferen geologischen Untergrund zusammengetragen werden. 
Dies wird mit der anstehenden Untersuchung getan. Dabei werden mit 
Spezialfahrzeugen an der Oberfläche, ähnlich wie mit einem Echolot 
auf Schiffen, schwache Schwingungen in den Untergrund abgegeben. 
Diese Schwingungen breiten sich wellenartig im Untergrund aus, wo sie
an den verschiedenen Gesteinsschichten reflektiert werden. Innerhalb 
von Sekunden werden diese "Echos" an der Erdoberfläche mittels 
empfindlichen Sensoren, sogenannten Geophonen, erfasst. Die 
Auswertung dieser Daten lässt dann Rückschlüsse auf die Geologie des 
Untergrundes zu. Die durch die Spezialfahrzeuge erzeugten 
Schwingungen sind in der Wahrnehmung mit der Durchfahrt eines voll 
beladenen LKW vergleichbar. Bei diesen Messungen handelt es sich um 
eine bewährte Messmethode, die seit Jahrzehnten routinemässig auf der
ganzen Welt durchgeführt wird, um geologische Strukturen im 
Untergrund zu untersuchen.
Aus heutiger Kenntnislage ist davon auszugehen, dass im 
Alpenrheintal in grosser Tiefe verschiedene Wasser führende 
Gesteinsschichten verlaufen. Je tiefer diese liegen, desto wärmer ist
das darin zirkulierende Wasser. Dieses kann mit Tiefenbohrungen 
gefördert, energetisch genutzt und wieder in den Untergrund 
zurückgegeben werden. Solche Anlagen existieren seit Jahrzehnten in 
verschiedenen Regionen Europas.
Anderer Ansatz als in Basel
Im Gegensatz zu diesem Ansatz handelt es sich beim "Deep Heat 
Mining"-Projekt in Basel um eine andere Methode. Dort wurde versucht,
die Wärme im trockenen Festgestein zu nutzen. Dazu wurden die im 
festen Gestein vorhandenen Risse durch Einpressen von Wasser 
aufgeweitet. In derart geschaffene Hohlräume sollte dann Wasser 
eingeführt werden, welches sich im Untergrund erwärmt und dann wieder
zur energetischen Nutzung an die Oberfläche gefördert werden sollte. 
Zu diesem Vorgehen sind noch keine gefestigten Erkenntnisse 
vorhanden. Es wird vermutet, dass durch das Einpressen von Wasser 
unter hohem Druck und die Erweiterung der Gesteinsrisse die 
beobachteten Beben ausgelöst wurden.
Geologie in Staufen nicht mit jener Liechtensteins vergleichbar
Die in Staufen durchgeführten Bohrungen erreichten eine Tiefe von 
ca. 140 Meter und sind in keiner Weise mit Tiefenbohrungen (3 bis 4 
Kilometer in den Untergrund) vergleichbar. Dabei handelt es sich um 
Bohrungen für Erdwärmesonden. Solche Bohrungen werden auch in 
Liechtenstein bereits seit Jahren durchgeführt, um die 
oberflächennahe Erdwärme für energetische Zwecke zu nutzen. Insgesamt
wurden in Liechtenstein in den vergangenen Jahren mehr als 200 
solcher Bohrungen durchgeführt, es besteht also eine sehr grosse 
Erfahrung in diesem Bereich.
Jede einzelne Bohrung benötigt eine Bewilligung des Amtes für 
Umweltschutz. Die bei den Bohrungen anfallenden neuen Erkenntnisse 
werden fortlaufend erfasst. Mit den so erhaltenen Informationen wird 
die Erdsondenkarte fortlaufend den neuesten Erkenntnissen angepasst. 
Obwohl die erneuerbare Energiequelle aus dem Boden genutzt werden 
soll, besteht in Liechtenstein aus den erwähnten Gründen also ein 
relativ restriktives Bewilligungsgebot und eine fortlaufende 
Überwachung. Dies bietet Gewähr, dass Vorkommnisse wie in Staufen 
nicht auftreten können. Zudem ist die geologische Situation in keiner
Weise vergleichbar, da die in Staufen vorhandenen quellfähigen 
Anhydritschichten in Liechtenstein nicht vorliegen.
Weitere Informationen zu Erdsonden und der 2D-Testseismik sind auf
der Homepage des Amtes für Umweltschutz (www.afu.llv.li) zu finden.

Kontakt:

Amt für Umweltschutz
Andreas Gstöhl
T +423 236 61 86
andreas.gstoehl@aus.llv.li

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