Medienmitteilung

Messung von Wirtschaftlichkeit und Qualität der Arztpraxen ist unbefriedigend

2004-10-11T10:00:00

Neuchâtel (ots) -

Obwohl vom Krankenversicherungsgesetz gefordert,
gibt es bis heute keine etablierte Methode, um Wirtschaftlichkeit und
Qualität in Schweizer Arztpraxen messen zu können. Diese wäre nicht
nur unabdingbar, um wirtschaftliche und qualitativ gute Medizin zu
fördern, sondern auch in Hinblick auf die Vertragsfreiheit zwischen
Arzt und Krankenversicherer. Eine vielversprechende Alternative
besteht gemäss einer neuen Studie des Schweizerischen
Gesundheitsobservatoriums darin, die Managed-Care-Modelle stärker zu
fördern.
Das Schweizerische Gesundheitswesen benötigt adäquate und
anerkannte Konzepte zur Messung der Wirtschaftlichkeit, aber auch der
Qualität von Leistungen und Leistungserbringern. Diese Forderung
stellt nicht zuletzt das Krankenversicherungsgesetz (KVG). Nun hat
das Schweizerische Gesundheitsobservatorium in seiner neusten Studie
eine Bestandesaufnahme der Systeme und Methoden zur Messung von
Wirtschaftlichkeit und Qualität in der Arztpraxis vorgenommen. Nach
dieser Studie gibt es derzeit in der Schweiz kein allgemein
anerkanntes Instrument, das die Forderung des KVG nach ökonomischer
und gleichzeitig qualitativ guter Versorgung kombiniert. "Gerade vor
dem Hintergrund einer allfälligen Einführung der Vertragsfreiheit
zwischen Arztpraxis und Krankenversicherung stellt dieser Mangel ein
grosses Problem dar", sagt Peter C. Meyer, Leiter des
Gesundheitsobservatoriums. "Denn wenn die Krankenversicherer künftig
nur noch mit Arztpraxen Verträge abschliessen, die sowohl qualitativ
gut als auch wirtschaftlich arbeiten, so braucht es entsprechende
Messinstrumente."
Wirtschaftlichkeitsbemessung mit Mängeln
In der Schweiz wird die Wirtschaftlichkeit der medizinischen
Leistungen vor allem mit der Methode des arithmetischen
Mittelwertvergleiches durch santésuisse gemessen und beurteilt. Trotz
verschiedener Mängel kann der gesetzliche Auftrag so einigermassen
erfüllt werden. Das Hauptproblem dabei aber ist, dass hier die
Folgekosten einer Behandlung oder Weiterbehandlung nur unvollständig
erfasst werden. Auch Praxisbesonderheiten wie die Zusammensetzung des
Patientenkollektivs werden zu wenig berücksichtigt. Vor allem aber
wird die Qualität der medizinischen Leistungen nicht erfasst.
Wahrscheinlich entfalten die Wirtschaftlichkeitsverfahren die grösste
Wirkung durch ihre "präventive" Wirkung: Ärzte und Ärztinnen werden
dazu angehalten, eine Behandlungsweise anzustreben, die auch die
Kosten der Behandlung berücksichtigt.
Zu viele Teilaspekte bei der qualitativen Messung
Bei der Messung der Qualität gibt es weder in der Schweiz noch im
Ausland ein umfassendes und gut geprüftes System. Das Problem: Die
Qualitätsbewertung erfolgt meistens nur partiell, beispielsweise nur
aufgrund der Patientenzufriedenheit. Immerhin wird in der Schweiz die
Tendenz sichtbar, die verschiedenen Teilaspekte zu einem umfassenden
System zu verbinden. In diesem Sinne wird das Projekt SIPA
(Schweizerische Initiative für Praxis-Assessment) zunehmend an
Bedeutung gewinnen. Das umfassendste Modell für die Schweiz ist das
Modell der Stiftung EQUAM, welches bis anhin vor allem für die
Zertifizierung von HMO-Praxen angewendet wird.
Wirtschaftlichkeit und Qualität nicht durch Verordnung sondern    
   mittels Anreizen
Bisher konnte kein integrierter Kompromiss gefunden werden, der
von allen Partnern (Ärzteschaft, Patienten und Versicherer)
akzeptiert wird. Wie die Studie des Schweizerischen
Gesundheitsobservatoriums festhält, "liegen die Probleme tiefer,
nämlich bei Unvereinbarkeiten in den Zielsetzungen der beteiligten
Akteure, welche nicht mit Regulativen überbrückt werden können."
Sowohl die Datenlage und besonders die Anreizstrukturen von
Managed-Care-Modellen schaffen hierfür bedeutend günstigere
Voraussetzungen. Die Postulate der Wirtschaftlichkeit und Qualität
müssen hier weniger administrativ "verordnet" werden; diese
Zielsetzungen liegen verstärkt im Eigeninteresse der behandelnden
Ärzte. Dabei ist wichtig, dass sich Ärzte und Versicherte freiwillig
für solche Systeme entscheiden. Aus diesem Grund schlägt die Studie
ein Nebeneinander von alten und traditionellen Versorgungssystemen
und mehr Anreize für kostengünstigere Varianten der
Gesundheitsversorgung vor.
Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) ist eine
Organisationseinheit des Bundesamtes für Statistik, die im Rahmen des
Projektes Nationale Gesundheitspolitik entstanden ist und von Bund
und Kantonen einen Leistungsauftrag erhält. Das
Gesundheitsobservatorium analysiert die vorhandenen
Gesundheitsinformationen in der Schweiz. Es unterstützt Bund, Kantone
und weitere Institutionen im Gesundheitswesen bei ihrer Planung,
ihrer Entscheidfindung und in ihrem Handeln.
Claudia Eisenring, Kurt Hess (2004). Wirtschaftlichkeit und 
   Qualität in der Arztpraxis; Arbeitsdokument Nr. 8 des 
   Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums, Neuchâtel, CHF 15.--, 
   ISBN Nr. 3-907872-14-2

Kontakt:

Paul Camenzind
Schweizerisches Gesundheitsobservatorium
E-Mail: paul.camenzind@bfs.admin.ch
Tel. +41/32/713'69'83
Internet: www.obsan.ch

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Weiterführende Informationen

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