Blaues Kreuz Schweiz

Alkohol und häusliche Gewalt: doppelte Last für Betroffene

Poster aus dem Projekt Alkohol und häusliche Gewalt in der Beratungspraxis. Weiterer Text über ots und www.presseportal.ch/de/nr/100059010 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Blaues Kreuz Schweiz/Raphael Zeller"

Bern (ots) - "Schon im Kindergarten wusste ich, dass meine Eltern anders waren. Zuhause lagen oft überall Bierflaschen, aufgeräumt hat meine ältere Schwester. Und ich wusste auch, dass die Blauen Flecken in Mamis Gesicht nicht von einem Fahrradunfall waren. Genauso wenig wie meine eigenen von einem Treppensturz stammten." Was Daniela (Name geändert) über ihre Kindheit erzählt, ist erschreckend, leider aber bei weitem kein Einzelfall. Alleine 2014 wurden über 16 000 Beratungen bei Opferhilfestellen zu häuslicher Gewalt registriert, in rund der Hälfte der Fälle war auch Alkohol im Spiel. Darunter leiden nicht nur die direkt Betroffenen, sondern auch deren Kinder. Durch die Fortbildung der Beratenden will das Blaue Kreuz diese Menschen besser unterstützen.

Daniela ist inzwischen eine junge Frau, dem Elternhaus ist sie längst entflohen. Ruhig und gefasst erzählt sie, wie ihre Familie durch Alkoholsucht und Gewalt zerstört wurde: "Meine Mutter war psychisch krank und alkoholabhängig, mein Vater war mit dieser Situation überfordert und reagierte zunehmend mit Gewalt. Gegen unsere Mutter - und gegen mich und meine Schwestern. Bei kleinsten Verfehlungen wurden wir geschlagen." Früh zog Daniela daher von Zuhause aus, wollte der Sucht und der Gewalt entfliehen. Nur um selber in dieselbe Falle zu laufen.

Das Muster setzt sich fort

"Nach dem Auszug genoss ich meine Freiheit, verlor aber bald selber die Kontrolle über meinen Alkoholkonsum. Zudem heiratete ich einen Mann, der gewalttätig und alkoholkrank war. Ich trennte mich von ihm nach der Geburt unseres Sohnes. Ihm wollte ich diese Kindheit ersparen." Daniela selber hat ihr Leben heute im Griff und ihr Sohn darf in einer Familie ohne Gewalt aufwachsen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Für viele Kinder, die in betroffenen Familien aufwachsen setzt sich die Problematik im eigenen Leben fort. Das Blaue Kreuz baut deshalb sein Engagement für Menschen aus, bei denen neben dem Alkohol auch häusliche Gewalt ein Problem ist. Egal ob es sich dabei um Opfer oder Gewaltausübende handelt. "Unsere Mitarbeitenden auf den Beratungsstellen sind für solche Fälle geschult. Beratungstermine können auf Wunsch anonym erfolgen. Zudem können per Telefon oder im Internet auf www.alcorisk.ch anonym Fragen gestellt werden." erklärt Nina Aeberhard, die Verantwortliche für das Projekt. Philipp Hadorn, Nationalrat und Präsident von Blaues Kreuz Schweiz, ergänzt: "In der Politik wird oft über Zahlen diskutiert, die Leidensgeschichten der Betroffenen werden dabei ausgeblendet. Mit diesem Projekt bietet das Blaue Kreuz genau ihnen Unterstützung: den betroffenen Kindern, Frauen und Männern, die von der Politik vergessen werden."

Für Fragen zur Problematik und zum Projekt:


Philipp Frei
Mediensprecher Blaues Kreuz Schweiz
philipp.frei@blaueskreuz.ch
+41 78 871 43 30


Für Fragen zum politischen Engagement:

Philipp Hadorn
Nationalrat und Präsident Blaues Kreuz Schweiz
philipp.hadorn@blaueskreuz.ch
+41 79 600 96 70



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