Fachhochschule Lübeck

MOOCs statt Hörsaal? FH Lübeck erprobt Verfahren zur Kompetenzfeststellung

MOOCs statt Hörsaal? FH Lübeck erprobt Verfahren zur Kompetenzfeststellung
Engagiertes Team: Prof. Friedhelm Mündemann, Prof. Agathe Merceron, Prof. Rolf Socher (v.l.n.r.) und Prof. Dr. Ulrich Klages (nicht abgebildet) prüfen akademische Kompetenzen von Geflüchteten. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/116119 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung ...

Lübeck/Berlin (ots) - Offene Online-Kurse für alle, sogenannte Massive Open Online Courses (MOOCs), gibt es mittlerweile zu zahlreichen akademischen Themen. Aber MOOCs statt Hörsaal - geht das? Die Fachhochschule Lübeck hat dies im Rahmen eines Verbundprojekts mit Kiron Open Higher Education am vergangenen Wochenende in Berlin anhand einer Kompetenzprüfung für Geflüchtete erprobt. Geprüft wurde, ob nach Teilnahme an ausländischen MOOCs vergleichbare Kompetenzen vorliegen wie nach einem entsprechenden Hochschulkurs.

Viele Geflüchtete erfüllen die formalen Zulassungsbedingungen für ein Studium an einer deutschen Hochschule zunächst nicht. Durch das offene Format der MOOCs können sie aber zahlreiche Online-Kurse belegen, deren Lerninhalte mit Hochschulkursen übereinstimmen. Kiron hat zu diesem Zweck Studiengänge von Partnerhochschulen mit MOOCs verglichen und mögliche anrechenbare Kurse identifiziert.

So einfach die Grundidee ist, so schwierig ist die Umsetzung: Viele Hochschulen tun sich - selbst wenn Lehrinhalte übereinstimmen - schwer mit einer pauschalen MOOC-Anrechnung. Um den Weg zu ebnen, versammelte sich unter Leitung der Fachhochschule Lübeck am 3. und 4. März ein engagiertes Team in Berlin, um Anrechnungsmöglichkeiten praktisch zu erproben und die erworbenen Kompetenzen der MOOC-Teilnehmenden festzustellen: Professorin Agathe Merceron der Beuth Hochschule, Professor Ulrich Klages von der Ostfalia Hochschule und die Professoren Rolf Socher und Friedhelm Mündemann der Technischen Hochschule Brandenburg. Alle Hochschulen sind Partner des digitalen Hochschulkonsortiums "Virtuelle Fachhochschule" (VFH), zu dem auch die FH Lübeck gehört.

Geprüft wurden insgesamt 14 Menschen aus dem Iran, Syrien, Afghanistan, Gambia und Ägypten in ausgewählten Fächern der Medieninformatik. Jede Prüfung beinhaltete einen schriftlichen und mündlichen Teil, um auszuschließen, dass sprachliche Barrieren oder andere Verständnisschwierigkeiten einen Einfluss auf das erfolgreiche Bestehen haben. Von den insgesamt 19 abgenommen Prüfungen wurden 13 erfolgreich bestanden. Das professorale Team zeigte sich beeindruckt von dem Engagement und Potenzial der Studierenden. "Solche Menschen brauchen wir in Deutschland", so Professorin Merceron. Auch wenn nicht alle Studierenden die Prüfungen bestanden haben, war die Veranstaltung für alle ein voller Erfolg, meint Milena Dietrich von Kiron: "Schon alleine das Erleben einer deutschen Prüfungssituation hat den Teilnehmern sehr geholfen. Sie fühlen sich jetzt für ihr weiteres Studium in Deutschland viel besser gewappnet." Aus den Ergebnissen der Prüfungen konnten bereits erste Schlüsse für das weitere Vorgehen in Bezug auf Anrechnungsoptionen gezogen werden; ein zweiter Prüfungsdurchlauf im Spätsommer 2017 soll weitere Erkenntnisse bringen. "Die guten Ergebnisse, die die Geflüchteten in den Prüfungen erzielt haben, ermutigen uns, uns weiter für die einfachere Anrechnung von MOOCs einzusetzen", kommentiert Professor Rolf Granow, E-Learning Beauftragter der FH Lübeck, das Resultat des ersten Durchlaufs.

Die Prüfungen wurden im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts "INTEGRAL2 - Integration und Teilhabe von Geflüchteten im Rahmen von digitalen Lehr- und Lernszenarien" durchgeführt. Das Projekt wird gemeinsam von den Projektpartnern Kiron, FH Lübeck und RWTH Aachen durchgeführt und beinhaltet Maßnahmen zur Kompetenzfeststellung, Anrechnung und Unterstützung in der onlinebasierten Studienvorbereitungs- und Eingangsphase von Geflüchteten.

Kontakt:

Linda Wulff, Fachhochschule Lübeck, Telefon +49 451 160818 26, E-Mail
linda.wulff@fh-luebeck.de


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