Schubert Mag. Martina

Antrag an das Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Wien am 6.6.2013 betreffend Einführung eines funktionierenden Geldsystems

Wien (ots) - Stets sind wir von irgendeiner Form von Geld umgeben. Menschen sprechen über Einkommen, Umsatz und Kosten, vergleichen Preise und bewerten mittels Geld Produkte, Dienstleistungen und Menschen. Viele Stunden unserer Lebenszeit sind dem Geld gewidmet: Wir arbeiten dafür, kalkulieren, kaufen und investieren damit. In Werbung und Politik dreht sich vieles darum, Geld auszugeben, zu schulden und zu sparen.

Sehen wir uns einmal an, was die Menschen über Geld wissen: Mit den Krisen der letzten Jahre überhäufen uns die Medien mit Information über Geld und Banken, die für Laien ebenso wie für Wirtschaftsfachleute unverständlich scheinen. Da zudem alles recht kompliziert und teilweise widersprüchlich klingt, wollen sich viele Menschen gar nicht damit beschäftigen.

Erkennen wir die Zeichen: ExpertInnen äußern, dass auch Ersparnisse unter 100.000 Euro zur Bankenrettung verwendet werden könnten und ein kompletter Zusammenbruch von Geld- und Wirtschaftssystem jederzeit möglich sei. Es ist also sinnvoll, sich rechtzeitig Geldwissen anzueignen. Im Fall des Worst-Case-Szenarios, in dem der Geldstoff ausgeht, wäre man somit weniger überrascht und bliebe handlungsfähig. Im Folgenden Informationen zur Geldproduktion, Zinseszins, Schulden, Fehler im Geldsystem und anschließend eine Alternative.

Zwtl.: Woraus der Geldstoff besteht und wer das Geld produziert

Auf die Frage, wer Geld produziert - in der Fachsprache Geld "schöpft" - antwortet die überwiegende Mehrheit: "Die Zentralbank". In einer aktuellen Studie aus Deutschland waren 80 % der Befragten dieser Meinung. Das ist der erste Irrtum. Nur Münzen und Geldscheine werden von den Zentralbanken in Umlauf gebracht - diese machen nur rund 10% der Geldmenge aus. Die anderen 90 % existieren nur als Zahlen im Computer, als Giral- oder Buchgeld. Während in der Eurozone im Februar 2013 die zirkulierenden Münzen und Scheine 863 Mrd. Euro ausmachten, lag die Summe des Giralgeldes bei 8.944 Mrd. Euro. Das meiste Geld wird von privaten, gewinnorientierten Banken geschaffen und verteilt, indem Kredite vergeben werden. "Giro" heißt übrigens auf Italienisch "Rundreise".

Zwtl.: Wie das Buchgeld produziert wird

Konkret produzieren Banken bei der Vergabe eines Kredits auf Knopfdruck - aus dem Nichts - Buchgeld. Wird der Kredit ordnungsgemäß zurückgezahlt, wird dieses Geld wieder vernichtet. Geld entsteht also durch Schuld, man nennt unser Geldsystem daher auch "Schuldgeldsystem". Sollen Schulden weniger werden, müssen automatisch auch Guthaben weniger werden.

Zwtl.: Giralgeld ist kein gesetzliches Zahlungsmittel

Allerdings wird Buchgeld "wie gesetzliche Zahlungsmittel" akzeptiert und verwendet. Ein Guthaben stellt eine Forderung auf Bargeld dar. SparerInnen geben quasi durch die Einlage ihrer Bank einen Kredit - sie sind GläubigerInnen der Bank. Die Bank gibt dafür keinerlei Sicherheiten und entscheidet selbst, was sie mit dem jeweils erhaltenen Geld macht.

Zwtl.: Banken brauchen nur wenige Einlagen, um Kredite zu vergeben

Ein weiterer großer Irrtum liegt in der Meinung, Banken würden Einlagen 1:1 als Kredite vergeben. In der Eurozone brauchen Banken nur 1% der Spareinlagen als so genannte Mindestreserve bei der Zentralbank in Bargeld zu halten. Zahlt jemand 1.000 Euro in bar auf ein täglich fälliges Sparbuch dürfte, extrem kurzfristig betrachtet, die Bank jetzt in Summe 100.000 Euro Kredit vergeben. 99.000 Euro sind also nur durch die Buchung entstanden. Mittelfristig müssen die Banken natürlich auch auf ihre Eigenkapitalquoten achten. Wobei auch bei einer Eigenkapitalquote von 10%, es bedeutet, dass die Bank das Zehnfache an Buchgeld schöpfen kann. In der Fachsprache wird das multiple Geldschöpfung genannt.

Zwtl.: Wenn alle Menschen ihr Geld von der Bank abheben

Bei den beschriebenen Mengenverhältnissen können wir uns leicht vorstellen, dass nicht einmal 5% der Einlagen abgehoben werden können. Die Bank hat das Geld nicht. Diese gefürchtete Situation wird in der Fachsprache "Bank-run" genannt. Bei größeren Geldkrisen wird das Geldabheben gesetzlich stark eingeschränkt. D.h. solange das Geldsystem funktioniert, kann einE einzelneR SparerIn jederzeit über sein/ihr Geld verfügen, in Geldnot-Zeiten nicht. Bricht das Geldsystem zusammen, kann phasenweise auch die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern versagen.

Zwtl.: Wenn Kredite nicht zurückgezahlt werden

Werden 100.000 Euro Kredit nicht zurückgezahlt, erhält die Bank z.B. bei einer privaten Hausbau-Hypothek das Haus samt Grundstück. Bei Unternehmen haften die GeschäftsführerInnen meist mit ihrem Privatvermögen. Hat die Bank allerdings Kredite an SpekulantInnen vergeben, erhält sie wertlose Papiere. Hat die Bank einem Staat Kredit gegeben, wird z.B. Staatseigentum privatisiert und Druck gemacht, auch sozial absolut notwendige Staatsausgaben zu senken oder die Steuern zu erhöhen. Medien berichten manchmal, dass die Banken für die Staaten ungehemmt Geld drucken. Wird das Buchgeld nicht durch Rückzahlung an die Bank wie vorgesehen vernichtet, existiert dieser Geldbetrag zuviel im System. Dadurch erhöht sich die Inflation, alles wird teurer und im Extremfall wird das Geld entwertet. Für 1.000 Euro bekommt man dann beispielsweise nur mehr drei Semmeln. Weder Münzen noch Banknoten haben, im Gegensatz zu früher, einen Eigenwert (z.B. Silbermünzen) und sind nicht durch Gold gedeckt (früher der Dollar).

Zwtl.: Wo die Zinsen geschaffen werden

Im Einzelfall wissen wir, dass Private oder Unternehmen arbeiten, um Kredit plus Zinsen zurückzuzahlen. Bezogen auf das ganze Geldsystem stellt sich die Frage, wo das Geld für die Zinsen produziert wurde: Nirgends, nicht einmal als Buchung in einem Computer. Stellen wir uns ein vereinfachtes Modell vor, in dem wir auf einer Insel mit einer Bank und zehn Unternehmen ein Geldsystem aufbauen. Die Bank gibt jedem Unternehmen für ein Jahr 10 Euro Kredit, mit einem Zinssatz von 10%. Nach einem Jahr muss also jedes Unternehmen 11 Euro zurückzahlen. Da auf der Insel derzeit nur 100 Euro existieren, wird mindestens ein Unternehmen Konkurs machen! Die Bank hat in Summe 10 Euro Zinsen erwirtschaftet, sonst hat niemand mehr als vorher. Das ist eine Erklärung, warum wir dauernd in Wettbewerb stehen. Selbständige, KMU und auch ArbeitnehmerInnen spüren diesen Druck, der einfach durch den beschriebenen Systemfehler entsteht. Erlauben wir dem System eine laufende Geldvermehrung, werden die Unternehmen einen neuen Kredit aufnehmen, um die Zinsen des alten Kredits zu decken. Die Bank schöpft neues Geld, wofür wieder Zinsen gezahlt werden muss. Die Wirtschaft muss sich ständig mehr verschulden: www.geldstoff.at/bilder/zinsproduktion

Zwtl.: Zeit ist Geld

Jedoch nur für Menschen, die Geld haben und dieses anlegen. Je länger, desto mehr. Der Grund dafür ist der Zinseszins. Bei einer Investition von 1.000 Euro und einer Ausschüttung von jährlich 5 % Zinsen hat man nach 70 Jahren in Summe 3.500 Euro Zinsen bekommen. Werden die Zinsen jedoch auf der Bank gelassen, so erhält man ab dem zweiten Jahr auch Zinsen von den Zinsen. Das macht nach 70 Jahren 29.426 Euro an Zinsen. Wäre der Zinssatz 10% gewesen, so hätte man lediglich mit Zinsen 7.000 Euro, mit Zinseszins jedoch 789.000 Euro verdient - wir sprechen von exponentiellem Wachstum. Das Argument, "hart erarbeitetes Geld muss etwas abwerfen", - klingt über einen langen Zeitraum betrachtet - absurd. In diesem Systemfehler liegt auch der Grund warum wir immer Wachstum benötigen. Achten wir darauf, wie das jetzige Wirtschaftssystem Menschen, Tieren und unseren Lebensgrundlagen schadet. Die Grafik zeigt,dass zunächst alles recht lang gut geht, die Zinsen am Ende jedoch unvorstellbar rasch und hoch anwachsen. Derzeit sind wir am Ende einer solchen Phase.

www.geldstoff.at/bilder/zinseszins

Zwtl.: Ohne Kredit muss man auch Zinsen zahlen

Auch wer schuldenfrei lebt, zahlt mit den Preisen für Waren und Dienstleistungen "versteckte" Zinsen, da fast alle Unternehmen Zinsen für Kredite zahlen. Selbständige bei den Betriebs- und Privatausgaben "versteckte" Zinsen. Das macht, nach Schätzungen von ExpertenInnen, rund 30-40% der Preise aus. Zusätzlich zahlen wir mit unseren Steuern auch die Zinsen für die Staatsschulden, in Österreich ca. 8 Mrd. Euro jährlich. In einem zinslosen System würden sich die privaten jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben von rund 22.000 Euro um 6.000 - 8.000 Euro reduzieren. Man würde rund 500.000 Euro auf der hohen Kante benötigen, um mehr Zinsen zu lukrieren, als man zahlt. Für die Mehrheit der Menschen, die keine solchen Ersparnisse haben, wäre es also besser, auf die wenigen Zinsen auf dem Sparbuch zu verzichten.

www.geldstoff.at/bilder/versteckte-zinsen

Zwtl.: Das weitere Funktionieren des Geldsystems ist unsicher

Wie lange es noch gutgehen wird, kann niemand sagen. Die beschriebenen und andere Fehler im Geldsystem führten zwischen 1970 und 2010 zu insgesamt 425 Finanzkrisen, die Mitgliedstaaten des Internationalen Währungsfonds betrafen. 145 Bankenkrisen, 208 Währungskrisen und 72 Staatsschuldenkrisen. Geht man beim Geldthema in die Tiefe ist alles noch viel komplizierter. Dabei wäre die Durchschaubarkeit Voraussetzung, dass PolitikerInnen die richtigen Entscheidungen treffen können. Hören wir in uns hinein, so empfinden wir diese Fakten möglicherweise als erdrückend. Es scheint, als wären wir in einem Auto mit defekten Bremsen auf rasender Talfahrt unterwegs. Statt den/die FahrerIn zu beschuldigen, schlecht zu fahren, könnten wir ein besseres Auto entwickeln.

Das Gute ist, dass unser Geldsystem von Menschen konstruiert wird, d.h. wir können die Spielregeln jederzeit ändern. Erkennen wir die Zeichen, dass es sich statt einer vorübergehenden Krise um einen längst überfälligen Wandel handelt. Solange die Fahrt in die eingeschlagene Richtung weiter geht und jederzeit abrupt enden kann, macht es Sinn, Unternehmen und BürgerInnen dazu zu ermuntern, in Ruhe die individuellen Handlungsoptionen durchzuspielen. Gleichzeitig können wir uns mit Alternativen für das Gesamtsystem beschäftigen, die ein Umdenken verlangen. Wir schaffen das, schließlich konnten wir auch akzeptieren, dass die Erde - statt einer Scheibe - eine Kugel ist.

Geld ist systemrelevant und funktioniert nur, solange die Menschen dem Wert des Geldes vertrauen. Ist das Vertrauen weg, so bricht das System zusammen! Erneuern wir das Geldsystem mit der Vorgabe, unabhängig von persönlichen Einschätzungen zu funktionieren. Wir haben eine Wasserversorgung, die unabhängig davon funktioniert, ob wir dem Wasserwerk samt BeamtInnen vertrauen oder nicht. Naturkatastrophen können selbstverständlich Versorgungsprobleme schaffen. Vielleicht ist das Wahljahr 2013 der richtige Zeitpunkt, sowohl Vermögende als auch unsere RepräsentantInnen für das Neue zu gewinnen. ExpertenInnen haben Lösungen für das Gesamtsystem, sowie für einzelne Aspekte entwickelt. Die folgenden ersten Maßnahmen wären umsetzbar und auch am wirkungsvollsten:

Antrag: Das Wirtschaftsparlament möge beschließen, dass sich die Wirtschaftskammer Wien dafür einsetzt, dass die folgende Alternative zu unserem jetzigen Geldsystem umgesetzt wird:

- Die Geldschöpfung wird in öffentliche Hand gegeben. Buchgeld wäre ebenso vollwertiges gesetzliches Zahlungsmittel. Diese Möglichkeit entspricht derzeit der gängigen Meinung der Bevölkerung. Der Vorteil wäre, dass der Staat für sich selbst das nötige Geld produzieren und auf Zinsen sogar verzichten könnte. Dieser Ansatz ist als Vollgeld bekannt. In der Schweiz wird eine Bürgerinitiative vorbereitet, die nötigen Gesetze zu ändern (www.monetative.ch) und selbst Experten des Internationalen Währungsfonds sind für eine solche Lösung.

- Geschäftsbanken sollen künftig Geld von SparerInnen entgegennehmen und Kredite an Private und Unternehmen vergeben. Natürlich nach vorheriger Prüfung der Sinnhaftigkeit des Vorhabens, nicht jedoch, um zu spekulieren. Es entspricht ohnedies der Meinung vieler Menschen, dass Banken diese Mittlerfunktion zwischen SparerInnen und KreditnehmerInnen innehaben. Benötigen Banken mehr Geld, so können sie es von der Zentralbank leihen.

- Investmentbanken werden von Geschäftsbanken getrennt. So soll verhindert werden, dass Spareinlagen in undurchschaubare Spekulationen auf dem Finanzmarkt fließen. Hochriskante Spekulationen dürfen ausschließlich mit dem eigenem Geld erfolgen - macht die Investmentbank Konkurs, so haben alle SpekulantInnen ihr eingesetztes Geld verloren.

- Die Zinsen so weit wie möglich reduzieren. Trennen wir uns von unserem Anspruch, Geld müsse arbeiten. Alle Haushaltsausgaben und Betriebskosten können dadurch um 30-40% sinken.

- Vermehren von Komplementärwährungen, die die lokale und regionale Wirtschaft fördern. Alternativ Geldsysteme werden in Aufbau und Betrieb von öffentlicher Seite unterstützt. Beispiel für die gelebte Praxis sind in Oberösterreich (www.wirgemeinsam.net) und Vorarlberg (www.talentiert.at) zu finden.

Ein friedlicher Umschwung ist möglich, indem wir harmonische Lösungen finden, die für alle Beteiligten vorteilhaft sind. Bleiben wir verbunden mit allen Menschen, egal, ob sie vom bisherigen System profitiert haben oder nicht. Seien wir versöhnlich eingestellt und sparen wir uns Schuldzuweisungen gegenüber jenen, die durch ihre Entscheidungen und Handlungen die Krisen verursacht haben. Ist das neue System erst einmal auf Schiene gebracht, so haben wir genug damit zu tun, Dinge, die für unsere Lebensgrundlagen schädlich waren, in Ordnung zu bringen.

Es zählt die Gesellschaft, in der wir in Zukunft leben - in der wir kooperieren, statt konkurrieren, in der wir persönlich wachsen, statt permanent das Geld wachsen zu lassen. Statt Stress haben die Menschen dann mehr Zeit für sich selbst und andere lieben Menschen. Streben wir "ausreichend Geld" und mehr Zeitwohlstand an. Beginnen wir jetzt, die vielen Dinge zu reduzieren, die uns weder glücklich machen, noch dem Ganzen nützen. Eigenmacht ist die stärkste Macht, wir selbst können schrittweise zum Umbau der Gesellschaft beitragen. Als Privatperson, UnternehmerIn und InteressensvertreterIn. Es zeigt sich Licht am Ende des Krisen-Tunnels.

Die Quellen und einige Hintergrundinformationen zum Thema gibt die Antragstellerin auf www.geldstoff.at.

Mag. Martina Schubert

Der Antrag wurde am 6.6.2013 im Wirtschaftsparlament Wien abgelehnt.

Aussenderin:

Mag. Martina Schubert, Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Systemische Harmonieberatung, Autorin des Selbstlern-Programms "Ausreichend verdienen im Ein-Personen-Unternehmen", Delegierte zum Wirtschaftsparlament Wien, parteifrei auf einem Sitz der Grünen Wirtschaft Wien, der Antrag wurde unabhängig von der Grünen Wirtschaft ausgearbeitet.

Rückfragehinweis:
   Mag. Martina Schubert
   An der Unteren Alten Donau 91, Parz. 174
   A-1220 Wien
   Tel.: +43(0)664 164 10 84
   mailto:buero@martina-schubert.at
www.martina-schubert.at 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/15612/aom

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