Lia Rumantscha

Von mehrsprachigen Kindern und Rätoromanischunterricht
Europäischer Tag der Sprachen

Chur (ots) - Auf der Welt gibt es heute 6'000 Sprachen - alle gleichzeitig beeinflusst von der Wirtschaftssprache Englisch. Man sagt, dass in 100 Jahren 90 % der Sprachen ausgestorben sind. Das Rätoromanisch mit seinen 60'000 Sprechenden dürfte für Skeptiker wohl auch dazu gehören. Doch was dagegen tun? Reicht es, Rätoromanisch innerhalb der Familie zu sprechen, um es zu erhalten? Die Antwort lautet nein. Deshalb gibt es in Basel-Stadt und Zürich jetzt entsprechende Kurse für Schüler mit rätoromanischen Wurzeln.

Rund 40 % aller Rätoromanen leben ausserhalb von Graubünden vorwiegend in den städtischen Zentren. Viele von ihnen sprechen mit ihren Kindern zu Hause Rätoromanisch. Neben der Erstsprache lernen und sprechen die Kinder Deutsch, Französisch oder Englisch und wachsen automatisch zwei- oder mehrsprachig auf. Das ist ein grosser Vorteil. Mehrsprachigkeit fördert nicht nur die Entwicklung der Persönlichkeit, sondern auch die des Gehirns. Es sind aber auch Nachteile auszumachen. Viele romanischsprachige Kinder bekommen ihre Erstsprache und die rätoromanische Kultur nur sehr marginal mit und können diese zu wenig leben. Diese Problematik haben die Lia Rumantscha (LR), die Vereinigung Quarta Lingua (QL) und die Uniun Scola Rumantscha Basilea erkannt und ein neues Angebot initiiert. Seit Beginn des neuen Schuljahres können Schüler mit rätoromanischen Wurzeln in den Städten Basel und Zürich ihre Muttersprache vertiefen.

Spielend lernen

Zum ersten Mal haben Kinder, die ausserhalb des traditionell rätoromanischen Sprachgebiets leben, die Möglichkeit, Rätoromanischunterricht zu nehmen. Seit August 2014 treffen sich am Samstagvormittag im Basler Wasgenring-Schulhaus zehn Kinder zum Freiwahlfachkurs «Instrucziun rumantscha». In spielerischem Austausch mit Gleichaltrigen können sie ihre Sprachkenntnisse vertiefen und lernen, sich mündlich und schriftlich auf Rätoromanisch zu entfalten. Gesprochen wird im eigenen Idiom, geschrieben in der Standardsprache Rumantsch Grischun. Auf Initiative der LR und der Uniun Scola Rumantscha Basilea hat sich das Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt bereit erklärt, das Angebot in einer Pilotphase zu unterstützen.

In Zürich wurde das Angebot von der Vereinigung Quarta Lingua initiiert und wird von der LR mitgetragen. 17 Kinder gehen mittwochs im Schulhaus Hirschengraben in den Romanischunterricht; in einem ersten Klassenzug die Kindergärtner und Erstklässler und in einem Zweiten die Zweit- bis Sechstklässler. In beiden Klassenzügen unterrichten eine Lehrerin und ihre Assistentin. Spricht die Lehrerin Sursilvan, unterrichtet die Assistentin Engadiner Romanisch und umgekehrt. So werden das Verständnis der Schüler für die verschiedenen Idiome gefördert und Begegnungen mit der romanischen Sprache und Kultur auch ausserhalb der Familie ermöglicht.

Geschichte weiter schreiben

Sprachen entwickeln und verändern sich. Sprachen und Kulturen vergehen. Die Lia Rumantscha und die Initianten der rätoromanischen Freiwahlfachkurse sind überzeugt, dass es das Rätoromanische auch in 100 Jahren noch gibt. Die erwähnten Schüler in Basel und Zürich könnten einen Stein ins Rollen bringen bezüglich der Frage: Wie kommen Schüler in Zukunft auch ausserhalb des rätoromanischen Gebiets in den Genuss von rätoromanischen Bildungsangeboten? Wer weiss, vielleicht geben auch sie dank der «Instrucziun rumantscha» dereinst das Rätoromanische an ihre Kinder weiter, tragen so zu dessen Erhaltung bei und schreiben die Geschichte ihrer Sprache weiter.

Mehr über die Eckdaten und Fakten zum Rätoromanisch finden Sie hier:

http://ots.ch/ToCJC

Kontakt:

Lia Rumantscha
Diana Joerg Spescha
Communicaziun / PR
Via da la Plessur 47
7001 Cuira
telefon +41 (0)81 258 32 22
e-mail diana.joerg@rumantsch.ch
www.liarumantscha.ch



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