Handicap International

Mossul: Handicap International bereitet sich auf die grösste humanitäre Krise des Jahres 2016 vor

Genf (ots) - Über 50 Mitarbeitende von Handicap International stehen bereit, um die sofortige Versorgung der Vertriebenen des Konflikts im irakischen Mossul zu gewährleisten. Mehr als 30.000 Menschen sind seit Beginn des Militäreinsatzes am 17. Oktober bereits vor den gewaltsamen Auseinandersetzungen geflohen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass im schlimmsten Fall bis zu einer Million Menschen durch den Konflikt vertrieben werden könnten. In einem Land mit bereits mehr als 3,3 Millionen Vertriebene könnte dieser Konflikt eine humanitäre Krise von beispiellosem Ausmass auslösen.

Als Reaktion auf diese angekündigte Katastrophe bereitet sich Handicap International für den Einsatz in den Dörfern und Flüchtlingslagern um Mossul vor. Vier Teams zur Aufklärung über die Gefahren von Landminen und explosiven Kriegsresten, vier Teams zur psychosozialen Unterstützung - darunter 4 Psychologen für die Behandlung der schwersten Traumata - und drei Rehabilitationsteams werden dort bald zur Verfügung stehen.

Über 30.000 Menschen sind schon vor der Gewalt aus Mossul geflohen. "Die Flucht der Bevölkerung dürfte sich in den kommenden Tagen noch weiter beschleunigen. Es wird geschätzt, dass es in den nächsten Wochen mehr als 200.000 Geflüchtete aus Mossul und Umgebung geben wird, und diese Zahl im schlimmsten Falle bis auf eine Million anwachsen könnte. Die Menschen beginnen ihre Flucht im grössten Chaos, ohne Nahrungsmittel, Versorgung und Unterkunft. Sie lassen alles hinter sich und kommen oft an Orte, an denen bereits die eigene Bevölkerung besonderen Schutz benötigt. Die Situation ist extrem besorgniserregend", erklärt Fanny Mraz, Leiterin des Einsatzes von Handicap International im Irak.

Handicap international beabsichtigt weiterhin, Vertriebene, Dorfbevölkerungen und humanitäre Organisationen für die Gefahren von Landminen, improvisierten Sprengkörpern und explosiven Kriegsresten zu sensibilisieren. "Improvisierte Sprengkörper und explosive Kriegsreste sind in den Konfliktgebieten im Irak überall präsent. Die zivile Bevölkerung und auch die humanitären Hilfskräfte können dieser Gefahr ausgesetzt sein. In einem Land, das so verseucht ist wie der Irak, ist es lebenswichtig, dass alle Menschen über diese Risiken aufgeklärt sind", erklärt Fanny Mraz.

Die Organisation wird auch die Bevölkerung, die während des Konflikts in ihren Dörfern geblieben ist, unterstützen. Einige dieser Dörfer sind derzeit für die humanitären Akteure zugänglich. Der Bedarf ist enorm, da die grundlegende Versorgung zusammengebrochen ist. Weiterhin sind die dort lebenden Menschen der grossen Gefahr von Unfällen mit explosiven Waffen ausgesetzt, die von den Kämpfen zurückgeblieben sind.

Handicap International wird ein besonderes Augenmerk auf die Barrierefreiheit der Einrichtungen legen, in denen die geflohene Bevölkerung untergebracht wird. "Menschen mit Behinderung dürfen in diesem Nothilfeszenario nicht vergessen werden und müssen den gleichen Zugang zu humanitärer Versorgung haben wie die anderen Menschen, die geflüchtet sind", betont Fanny Mraz.

Daher wird Handicap International auch die anderen humanitären Organisationen, die sich vor Ort für die Vertriebenen einsetzen, für die richtige Versorgung der besonders schutzbedürftigen Menschen (Menschen mit Behinderung, Verletzte, ältere Menschen,...) sensibilisieren.

Notlage in Mossul

Die Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen und Regierungskräften im Irak haben im Laufe der letzten Jahre zur Vertreibung von über 3,3 Millionen Menschen geführt. Insgesamt wird geschätzt, dass bereits 10 Millionen Zivilistinnen und Zivilisten im Irak humanitäre Hilfe benötigen. Mit der Offensive auf Mossul sehen sich die internationalen Organisationen einer beispiellosen Herausforderung gegenüber. Laut Vereinten Nationen könnte diese Offensive im schlimmsten Falle die grösste humanitäre Krise des Jahres 2016 auslösen und zur Vertreibung von 1 Million Menschen führen. Zahlreiche Familien haben in den letzten zwei Wochen bereits ihre Flucht angetreten.

Handicap International und die Krise im Irak

Über 125.000 Menschen konnten seit Beginn der Nothilfe im Irak 2014 schon versorgt werden. Der Einsatz der Organisation wird regelmässig evaluiert, um die sehr instabile Lage auf dem gesamten irakischen Staatsgebiet zu berücksichtigen. Aktuell führt Handicap International de folgenden Aktivitäten zum Schutz der Bevölkerung durch: Sensibilisierung für die Gefahren von Landminen und konventionellen Waffen; nichttechnische Studien und Minenräumung von potentiell gefährlichen Gebieten; physische und funktionelle Rehabilitation, psychosoziale Unterstützung, Unterstützung für Gesundheitszentren; Schulungen und Kampagnen über die Inklusion von Menschen mit Behinderung sowie technische Unterstützung von Partnerorganisationen zur Stärkung der Inklusion von besonders schutzbedürftigen Menschen in ihre Projekte.

Zu Handicap International

Handicap International ist eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die in Situationen von Armut und sozialer Ausgrenzung, von Konflikten und Katastrophen interveniert. Sie unterstützt Menschen mit Behinderung und andere besonders hilfsbedürftige Menschen, damit ihre grundlegenden Bedürfnisse gedeckt werden, sich ihre Lebensbedingungen verbessern und ihre Grundrechte besser respektiert werden.

Insgesamt ist die Organisation in ca. 60 Ländern aktiv. Handicap International ist eines der sechs Gründungsmitglieder der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL), die 1997 den Friedensnobelpreis erhalten hat, und aktives Mitglied der internationalen Koalition gegen Streubomben (CMC). 2011 wurde Handicap International mit dem Conrad N. Hilton Humanitarian Prize ausgezeichnet.

In Genf symbolisiert Broken Chair den Kampf gegen die Explosivwaffen und die Gewalt, die in bewaffneten Konflikten an den Zivilbevölkerungen verübt wird. Das gegenüber dem Sitz des Genfer Büros der Vereinten Nationen errichtete Denkmal von Daniel Berset auf Anfrage von Handicap International ist eine Herausforderung adressiert an die internationale Gemeinschaft. Es erinnert sie an ihre Verpflichtung, humanitäres Völkerrecht zu respektieren und die Zivilbevölkerung in bevölkerten Gebieten gegen den Einsatz von Explosivwaffen zu schützen.

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