Schweizerischer Fonds für Kinderschutzprojekte

WHO-Studie: Kindsmisshandlung auch in Europa ein grosses Problem

Zürich (ots) - In Europa werden jährlich über 18 Millionen Kinder unter 18 Jahren misshandelt. 90 Prozent aller Missbrauchsfälle bleiben unentdeckt. Mit diesen Zahlen will das Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation WHO aufrütteln. Es stützt sich auf eine Studie, die dank dem Schweizerischen Fonds für Kinderschutzprojekte nun auch in drei Schweizer Landessprachen vorliegt und Eingang in die politische Diskussion finden soll.

Kindsmisshandlung ist nach wie vor ein Tabuthema, über dessen Ausmass nur wenig gesicherte Daten existieren. Das Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation WHO nennt in einer neuen Studie hingegen deutliche Zahlen: Gemäss Schätzungen sind im europäischen Raum mehr als 18 Millionen Kinder unter 18 Jahren pro Jahr von Misshandlung betroffen. Kindsmisshandlung ist in der WHO-Studie als physischer, sexueller oder emotionaler Missbrauch oder Vernachlässigung und Verelendung definiert. Die 2013 erschienene Studie geht zudem davon aus, dass 90 Prozent aller Missbrauchsfälle unentdeckt bleiben.

Um sicherzustellen, dass die Ergebnisse der bisher nur in englischer Sprache vorliegenden Studie auch Eingang in die Schweizerische Politik und Praxis finden, übernahm der Schweizerische Fonds für Kinderschutzprojekte die Kosten für die Übersetzung in die Sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch und Verbreitung der Zusammenfassung der Studie. «Mit dieser Studie liegen erstmals verlässliche Zahlen zum Ausmass und den Folgen von Kindsmisshandlung in Europa vor. Die grosse Dunkelziffer, die auch bereits in einer landesweiten Schweizer Studie nachgewiesen werden konnte, macht deutlich, dass es in der Schweiz vermehrt Investitionen und Engagements für die Prävention von Kindsmisshandlung braucht», begründet Ludwig Gärtner, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Sozialversicherungen, die Initiative des Schweizerischen Fonds für Kinderschutzprojekte, den er präsidiert.

Viele Opfer und grosser wirtschaftlicher Schaden

Mindestens 850 Kinder unter 15 Jahren sterben im europäischen Raum jährlich an den Folgen von Kindsmisshandlung. Die derzeit rund 190 Millionen Kinder unter 18 Jahren in Europa sind von verschiedenen Arten von Misshandlung betroffen: 29,1% aller Kinder in Europa haben emotionale Misshandlungen erlebt, 22,9% physische Misshandlungen und 13,4% aller Mädchen haben sexuellen Missbrauch erfahren. Jungen waren gemäss der Studie weniger stark von sexuellem Missbrauch betroffen (5,7%).

Kindsmisshandlungen wirken sich nicht nur verheerend auf das Leben der Opfer aus, sie verursachen auch einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schaden in der Größenordnung von zehn Milliarden Euro pro Jahr. Kindsmisshandlung kann Ursache für psychische Störungen wie Depressionen, Angstzustände, Essstörungen, Verhaltensstörungen, Suizidversuche, Selbstbeschädigung sowie den Konsum illegaler Drogen sein. Sie wirkt sich auf die Bildungskarriere aus und führt zu schlechteren Abschlüssen sowie ungünstigen Beschäftigungsperspektiven.

Schlussfolgerungen für die Schweiz

Die Studie zeigt, dass ein grosser Teil der Fälle von Kindsmisshandlung durch einen Public-Health-Ansatz verhindert werden könnte. Gemäss dem Schweizerischen Fonds für Kinderschutzprojekte müssen die Lehren, die aus der Studie hervorgehen, künftig auch in der Schweiz und insbesondere bei Diskussionen zur öffentlichen Gesundheit besser berücksichtigt werden. «Wir wollen hier einen Stein ins Rollen bringen. Künftig können wir nicht mehr über Gesundheitspolitik diskutieren und dabei die dringend notwendigen Massnahmen zur Prävention von Kindsmisshandlungen ausser Acht lassen», kommentiert Ludwig Gärtner.

Unter http://www.kinderschutzfonds.ch/aktivitaeten/aktuelle-projekte 
stehen zum Download bereit:

-  WHO Regional Office for Europe: European report on preventing 
child maltreatment, Copenhagen 2013 (nur in englischer Sprache 
erhältlich, http://ots.ch/HWZKW ) 

- Zusammenfassungen der Studie in Deutsch, Französisch oder 
Italienisch 

Der Schweizerische Fonds für Kinderschutzprojekte hat sich zum Ziel gesetzt, herausragende und vielversprechende Ansätze im Bereich der Gewaltprävention bei Kindern zu identifizieren, zu fördern und zu verbreiten. Der Fonds wurde durch das Bundesamt für Sozialversicherungen und zwei Stiftungen - die UBS Optimus Foundation sowie die Oak Foundation - gegründet und wird noch bis Ende 2014 aktiv sein. Die Gründer haben die Absicht, ihre Aktivitäten auch in Zukunft aufeinander abzustimmen. http://www.kinderschutzfonds.ch

Kontakt:

Vanda Mathis, Office Manager Schweizerischer Fonds für
Kinderschutzprojekte
vanda.mathis@kinderschutzfonds.ch
Telefon-Nummer: 079 935 90 25



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