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Der weltberühmte Fotograf Lennart Nilsson wird 90

Stockholm (ots/PRNewswire) - Lennart Nilsson feiert am 24. August seinen neunzigsten Geburtstag. Er kann auf eine beispiellose Karriere als Fotojournalist zurückblicken. Er ist einzigartig als Pädagoge mit einer Kamera, wurde schon als "Renaissancemensch im 20. Jahrhundert" bezeichnet und mit dem Universalgenie Leonardo da Vinci verglichen.

(Photo: http://photos.prnewswire.com/prnh/20120706/543210 )

In den 1960ern arbeitete Lennart Nilsson für das Life Magazine und beschritt mit seiner Geschichte über die menschliche Geburt Neuland an der Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft.

Seine Titelgeschichte für Life aus dem Jahr 1965 entwickelte sich zum Dauerseller, und sein Buch Ein Kind entsteht, das im selben Jahr erschien, wurde millionenfach verkauft: Es ist seither in über zwanzig Sprachen (zuletzt ins Chinesische) übersetzt und in fünf Ausgaben veröffentlicht worden - 1965, 1976, 1990, 2003 und 2009.

"Drama of Life Before Birth" (Das dramatische Leben vor der Geburt), so der Titel des Artikels, beschäftigt sich mit einem Teil unseres Lebens, den wir alle erlebt haben, an den sich aber niemand erinnern kann. Lennart Nilssons unermüdliche Entdeckungsreise in den menschlichen Körper und zu den Wundern des Lebens sollte damit jedoch gerade erst beginnen. Immer wieder hat er uns seither überrascht und verzaubert mit seinem Ideenreichtum und neuen technischen Erfindungen - massgefertigte Kameras, winzige Glasfasern oder hochmoderne Mikroskopie.

Lennart Nilssons Reise ins Unbekannte begann inmitten der schwedischen Natur mit einem gewöhnlichen Ameisenhügel und setzte sich mit seinen Unterwasserabenteuern fort, aus denen zwei Bücher hervorgingen: Myror und Life in the sea, die beide 1959 erschienen.

Die grösste Herausforderung sieht Lennart Nilsson darin, das Unerklärliche erklären und das Unsichtbare sichtbar machen zu können - sein jüngstes Werk handelte unter anderem von Viren, Schwebeteilchen in der Luft und Bakterien im Magen einer Honigbiene. Und wie er zu sagen pflegt, braucht man drei Dinge, um Erfolg zu haben: Geduld, Geduld und nochmals Geduld. - Zeit spielt keine Rolle; nur das Ergebnis zählt! Lennart Nilsson ist heute noch genauso neugierig auf die Wunder der Natur, wie er es mit 15 Jahren war, als er durch sein eben erst gekauftes Mikroskop erstmals einen genaueren Blick auf eine Zelle werfen konnte.

Auch als Pressefotograf war Lennart Nilsson in den 1940ern und 1950ern eine Klasse für sich. 1945 begleitete er eine Hebamme, die in den schwedischen Bergen 1.500 Kinder zur Welt gebracht hatte. Es sollte seine erste Geschichte werden, die mehrfach im Ausland veröffentlicht wurde, jedoch keinesfalls seine letzte.

1947 berichtete er über die norwegische Jagd auf Eisbären - ebenfalls eine Geschichte, die ihm jede Menge internationale Aufmerksamkeit einbrachte und "Tränen und Proteste in vielen Sprachen auslöste". Im Jahr darauf reiste Nilsson neun Wochen lang durch Französisch- und Belgisch-Kongo auf der Suche nach Wildnis und Abenteuern. In Rom besuchte er das Zuhause von Ingrid Bergmann und der neuen Liebe ihres Lebens: dem italienischen Regisseur Roberto Rossellini. Das war im Jahr 1950, und die Romanze sorgte für jede Menge Schlagzeilen, nicht alle davon schmeichelhaft - aber sie kurbelten den Absatz der Zeitungen an. Lennart Nilsson brachte dramatische Bilder von der grossen Flut in Holland im Jahr 1953 und war im selben Jahr ebenfalls zugegen, als der schwedische Diplomat Dag Hammarskjöld zum UNO-Generalsekretär ernannt wurde. Eine von Lennart Nilssons klassischen Geschichten handelte von der Heilsarmee. Monatelang begleitete er die Soldaten der "Armee der Liebe" und war unter anderem genau in dem Moment mit der Kamera dabei, als ein Alkoholiker gerettet wurde. Die Bilder fanden sowohl in schwedischen als auch in internationalen Zeitungen ausgiebige Verbreitung - und im Buch Halleluja, das 1963 erschien.

Lennart Nilsson hat viele Menschen porträtiert, bekannte wie unbekannte: Adlige, Schriftsteller, Schauspieler, Wissenschaftler und Wirtschaftsführer sowie "ganz gewöhnliche Menschen" für eine Reihe von Artikeln über das Arbeitsleben.

Er hat die natürliche Gabe, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen und ihnen nahe kommen zu können. Als Nikita Chruschtschow 1964 Schweden besuchte, sassen sieben Menschen an Tage Erlanders Tisch in Harpsund: Abgesehen vom Ehrengast selbst waren es der schwedische Premierminister, der sowjetische und der schwedische Aussenminister, zwei Dolmetscher und Lennart Nilsson. Er wurde als alter Freund von Erlander vorgestellt und war dabei bis in die frühen Morgenstunden, bei Tischgespräch und Trinksprüchen mit dem sowjetischen Diktator. Während das versammelte Pressekorps 1964 damit Vorlieb nehmen musste, Erlanders "Kronprinzen" vor dem Parlamentsgebäude abzulichten, durfte Lennart Nilsson Olof Palme zu dessen Haus in Vällingby begleiten und fotografierte dort einen liebevollen Vater mit seinen Söhnen beim Fussballspiel. Und als Ingmar Bergman auf Fårö einen Film drehte, gelang es Lennart Nilsson, den Regisseur und sein komplettes Team zu einem Gruppenfoto zusammenzubringen. Bergmann bei den Dreharbeiten zu "Schande" zu begleiten, grenzte beinahe an eine Verfolgungsjagd - "man muss seine Augen und Ohren immer offen halten, nichts kann arrangiert werden. Man muss knipsen, schauen und zuhören".

Kein Fotograf hat uns mit seinen Geschichten so sehr bewegt wie Lennart Nilsson. Als im schwedischen Fernsehen Bilder von dem zu sehen waren, was wir auf unseren Zähnen haben - in 100.000-facher Vergrösserung -, verschluckten sich die Schweden fast an ihrem abendlichen Kaffee. Am Tag darauf waren in Schweden sämtliche Zahnbürsten ausverkauft.

Nilssons Bilder finden sich auf Geldscheinen und Briefmarken, in Lehrbüchern und Lexika, und einige davon sind derzeit unterwegs im Weltall - an Bord der NASA-Raumsonden Voyager I und II, als Teil einer Botschaft vom Planeten Erde.

Der Fotograf, dessen Motto darin besteht, dass nichts unmöglich ist, wurde im Laufe der Jahre für seine fotografischen, journalistischen und wissenschaftlichen Bestrebungen reich belohnt.

Lennart Nilsson hält einen Ehrendoktor in Medizin und in Philosophie; er erhielt eine Professur und Goldmedaillen der Regierung, der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften und der Königlich-Technischen Hochschule in Stockholm. Er war der erste Preisträger des Hasselblad Award im Jahr 1980, erhielt den Titel "Master of Photography", hat den World Press Photo Award gewonnen sowie drei Emmy Awards für seine Filme (der "Oscar" der Fernsehbranche). Und gerade rechtzeitig zu seinem eigenen 75. Geburtstag wurde 1997 der "Lennart Nilsson Award" ins Leben gerufen, eine internationale Auszeichnung für Fotografen, die im Sinne von Lennart Nilsson arbeiten.

Lennart Nilsson Photography wird vertreten durch Scanpix Sweden.

Lina Hedenström, +46-703033892, lina.hedenstrom@scanpix.se, images@scanpix.se

Photo: http://photos.prnewswire.com/prnh/20120706/543210



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