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Fernsehen

Osnabrück (ots) - Finger weg vom Wok!

Kapitän Gottschalk geht von Bord. Das alte Flaggschiff der Samstagabendunterhaltung liegt führungslos im Hafen. Diese Zeit will das ZDF nutzen, um den Quotenbringer "Wetten, dass . .?" einer Generalüberholung zu unterziehen. Die Frage muss erlaubt sein: Was genau soll anders werden?

Soll Peter Maffay im Wok einen Eiskanal entlangflitzen? Iris Berben Synchron-Turmspringen mit Hannelore Elstner vollführen? Herbert Grönemeyer ein Stockcar-Rennen gegen Marius Müller-Westernhagen fahren? Bloß nicht! Das ZDF darf sich nichts vormachen. Wer "Wetten, dass . .?" schaut, und das sind immerhin an Samstagabenden noch viele Millionen Deutsche, der hat keine Lust auf Krawall-Fernsehen. Die schrullige Wettsendung hat den gewissen Wohlfühlfaktor: Sie ist Konstante in chaotischen Zeiten, ein Anachronismus mit Überlänge. Selbst die fein dosierten Überraschungen waren stets erwartbar. Das Problem: Die Sendung war Gottschalk wie auf den Leib geschneidert.

Niemand kann ihn ersetzen. Somit bringt der Personalwechsel zwangsläufig Innovationsdruck mit sich. Doch zu großer Reformeifer wäre Verrat an der lieb gewonnenen Sache. Und das straft der Zuschauer ab, indem er wegschaltet. Das Erbe von Thomas Gottschalk wiegt schwer. Zu schwer für einen einzigen Moderator, aber vielleicht auch zu schwer für das ZDF. Es ist besser, das Flaggschiff einfach im Hafen zu lassen.

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