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Osnabrück (ots) - Dichter als Richter?

Hundert Nachrufe, ein Wort: Christa Wolf war die "moralische Instanz". Da sind sich alle einig: Der "Focus", "n-tv" und "Inforadio", die online mit der Formel titeln. Auch der Linke-Chef Ernst gebraucht den Begriff, Berlins Kulturstaatssekretär Schmitz desgleichen, der Akademie-Präsident Staeck und auch Sigmar Gabriel.

Der Dichter als Richter in allen ethischen Fragen: Das Konzept ist populär, aber gefährlich. Wer zur Instanz überhöht wird, dem spricht die Öffentlichkeit das doppelte Strafmaß zu, wo er die Erwartung nicht einlöst. Christa Wolf erlebte das, als ihre Tätigkeit für die Stasi bekannt wurde.

Tatsächlich sind Autoren so gut oder schlecht wie jeder andere. Auch ihnen droht der Irrtum, gerade dort, wo sie sich zur Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen verpflichten. Wer Bücher schreibt, muss nicht recht haben. Er muss nur ehrlich sein. Wolf war es, als sie ihre IM-Akte veröffentlichte. Damit wird sie nicht zur belehrenden Instanz. Aber zum beispielhaften Fall - von dem man dann auch doch wieder etwas lernen kann.

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