Neue Osnabrücker Zeitung

Kommentar zu Ägypten
Regierung

Osnabrück (ots) - Die zweite Runde

Die beeindruckende Standfestigkeit der Menschen auf dem Tahrir-Platz zeugt von ihrem tiefen Bedürfnis, die Neugestaltung ihres Landes nicht dem Zufall zu überlassen. Sie haben ihr erstes Ziel, den Sturz Mubaraks, längst erreicht. Sie haben den Erfolg gefeiert, dem Militärrat vertraut und darauf gewartet, dass die Übergangsregierung die Wandlung zur Demokratie energisch voranbringt. Sie wurden enttäuscht. Und es wäre nachvollziehbar gewesen, wenn sich in Ägypten Resignation breitgemacht hätte.

In diesem Jahr der weltweit außergewöhnlich zahlreichen Extrem-Nachrichten wäre eine gescheiterte Revolution vielleicht einfach untergegangen. Aber nicht mit dieser Protestbewegung, sie geht tapfer in die zweite Runde. So nachdrücklich, dass auch die EU und die USA nicht mehr umhinkommen, sich einzuschalten. Hätten sie den Militärrat mit der Forderung nach einem schnelleren Übergang zur Demokratie unter Druck gesetzt, wenn die Demonstranten still zu Hause geblieben wären? Wohl kaum.

Die Ägypter haben ihr Schicksal in die Hand genommen, und es sieht nicht so aus, als wollten sie es so bald wieder loslassen. Mit dieser Haltung haben sie nun nicht nur die Position des umstrittenen Militärrats geschwächt, sie sind auch bei einer Wegmarke ihrer Revolution angelangt: Am Montag beginnen die Parlamentswahlen. Von ihrem Gelingen hängt es ab, ob in Ägypten bald statt Tränengas wieder Hoffnung in der Luft liegt.

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