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Osnabrück (ots) - Schuss vor den Bug

Von Falschspielern ist die Rede, von Trickserei, Selbstherrlichkeit und Unprofessionalität. Sozialdemokraten und Grüne liegen sich nach dem Scheitern der Berliner Koalitionsverhandlungen kräftig in den Haaren. Die CDU wird's freuen. Anhänger von Rot-Grün graust es dagegen angesichts der Härte und Emotionalität, mit der hier gestritten wird. Denn die Kontroverse schadet nicht nur den Chancen beider Parteien, sie lenkt auch von wichtigen Trends ab, auf die es zu reagieren gilt. Zwei Ergebnisse der neuen Umfragen stechen ins Auge: Die Liberalen saufen ab, die Piraten haben dagegen Auftrieb und könnten aktuell sogar den Einzug in den Bundestag schaffen.

Während die FDP für unrealistische Steuersenkungsversprechen und Populismus in der Europa-Frage abgestraft wird, muss der Erfolg der Piraten allen politischen Gruppen zu denken geben. Denn als ernst zu nehmende Partei sind die Polit-Neulinge bisher nicht aufgefallen. Wenn die Piraten sich dennoch großer Zustimmung erfreuen, dann deshalb, weil viele Wähler den etablierten Parteien einen Schuss vor den Bug verpassen wollen.

Die Warnung zu ignorieren wäre töricht. Stattdessen sollten alle Parteien wieder Flagge zeigen und dann auch Kurs halten. Wohin es führt, wenn man allzu viele taktische Manöver fährt, haben SPD und Grüne in Berlin gezeigt. Am Ende stehen ein eher enttäuschendes Wahlergebnis und eine Koalition, die von vielen Wählern beider Partner abgelehnt wird.

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