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Kommentar zu Geschichte
DDR
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Osnabrück (ots) - DDR-Regime herausgefordert

Als moralische Instanz hat er für das breite Publikum seit der Enthüllung seiner SS-Mitgliedschaft ausgedient, als Querulant und Nörgler hatten ihn seine Gegner schon länger im Visier: Günter Grass ist und bleibt eine Reizfigur. Jetzt stellt sich heraus, dass der Autor der "Blechtrommel" persönlichen Mut bewiesen hat, als es darauf ankam, Flagge zu zeigen. Die um Haaresbreite vermiedene Verhaftung durch die Staatssicherheit der DDR macht schlagartig klar: Grass ist für die Kundgabe seiner Meinung erhebliche Risiken eingegangen.

Das Bild des selbstgefälligen Oberlehrers der Nation muss deshalb differenziert werden. Dies betrifft auch Grass' Haltung zur deutschen Teilung. Ausgerechnet gegen den Mauerbau hat der Autor damals protestiert und das DDR-Regime herausgefordert. Hatten wir Grass nicht seit seinem Wende-Roman "Ein weites Feld" als Skeptiker der Einheit rubriziert? Auch in diesem Punkt ist das Grass-Bild neu zu zeichnen. Eindeutig ist nur das Urteil über Strittmatter: ein Autor als willfähriger Stasi-Zuträger, wie abscheulich.

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