Berliner Zeitung

Kommentar zu den Protesten in der Türkei

Berlin (ots) - Mit der Machtfülle des Ministerpräsidenten ging ein Verlust des Systems von Checks and Balances einher. Dutzende von Journalisten wurden in den vergangenen Jahren wegen Terrorismusverdachts ins Gefängnis geworfen, und vor zwei Wochen wurde ein armenischer Türke wegen Beleidigung des Propheten Mohammed zu 13 Jahren Haft verurteilt. Auch die Außenpolitik liegt in Scherben. Hatten Assad und Erdogan samt ihren Familien vor fünf Jahren noch zusammen Urlaub gemacht, so unterstützt Erdogan jetzt die syrische Opposition in einem Krieg, der immer mehr religiöse Züge annimmt: Sunniten gegen Schiiten. Und so greift unter der Minderheit der türkischen Aleviten, die traditionell laizistisch orientiert sind, zunehmend Angst um sich, weil sie wie die syrischen Alawiten, denen Assad und sein Machtklüngel angehören, als Schiiten gelten. Diese Gemengelage von autoritärer Verhärtung des Regimes, zunehmendem Einfluss der Religion und Angst vor den Folgen des syrischen Bürgerkriegs erklärt, weshalb ein Protest gegen das Fällen einiger Bäume zur Massenbewegung wurde.

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