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Ganztagsschulen können helfen - Leitartikel von Christine Richter über Berlins schlechtes Abschneiden in der neue Schulstudie zu Mathematik und Naturwissenschaften

Berlin (ots) - Für die Lehrer, für die Eltern und auch für die Schüler mag das Ergebnis in erster Linie peinlich sein, für diejenigen aber, die für die Berliner Bildungspolitik verantwortlich sind, ist es verheerend. Kaum ein anderes Bundesland investiert pro Kopf so viel Geld in die Bildung wie Berlin. Trotzdem ändert sich kaum etwas. Der Hinweis der Schulforscher zu den jüngsten Ergebnissen, dass Mathematik und Naturwissenschaften schon zu DDR-Zeiten in den Schulen mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht wurden und diesen Fächern auch heute noch an ostdeutschen Schulen mehr Unterrichtsstunden gewidmet würden, mag so ja stimmen. Aber dann müssten zumindest in einem Teil Berlins die Ergebnisse besser sein. Oder schlimmer noch: Wenn die Leistungen an den Schulen im Ostteil Berlins wirklich besser gewesen sind, wie schlecht müssen die Ergebnisse an den West-Berliner Schulen dann gewesen sein, um im Durchschnitt auf dem vorletzten Platz zu landen? Man mag sich das alles kaum noch vorstellen.

Vielleicht kann Berlin von Sachsen lernen. Das Bundesland liegt wieder einmal vorn, steht diesmal in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik sogar auf dem ersten Platz. Offensichtlich ist die Lehrerausbildung dort - mit mehr Praktika und Einsätzen in der Schule - besser, offensichtlich zahlen sich die Unterrichtskonzepte aus. Und die politisch Verantwortlichen sollten in Berlin endlich umdenken: Immer mehr Geld in die Schulen zu pumpen oder die Lehrergehälter zu erhöhen - siehe die aktuellen Forderungen der angestellten Lehrer in Berlin, die für eine bessere Bezahlung sogar streiken - bringt nicht den Erfolg. Und natürlich müssen sich auch die Eltern mehr um ihre Kinder kümmern, sie beim Lernen unterstützen und in ihrer Schullaufbahn fördern. Doch weil auch das seit Jahren bekannt ist und sich nichts ändert, brauchen wir wohl eins: mehr Ganztagsschulen.

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