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Tierpark nur mit Neuanfang Tanja Laninger über den Rücktritt von Zoo- und Tierpark-Vorstand Gabriele Thöne

Berlin (ots) - Es macht einen wütend. Und beinahe sprachlos. Seit Jahren wird von einem Masterplan für den Tierpark geredet, der als Tochter zur Zoo AG gehört. Doch es passierte so gut wie nichts. Statt traumhafter Projekte wie Galapagos-Welten oder Asienhaus, die mal als 80 Millionen Euro teure Ideen genannt wurden, erleben zu dürfen, muss sich der Besucher immer noch durch einen spärlich beschilderten 160-Hektar-Park voranbewegen. Ganz abgesehen davon, dass beim Personal gespart wurde und viele der knapp 200 Tierpark-Mitarbeiter unsicher sind, wie es weitergeht. Nun tritt Gabriele Thöne als kaufmännische Direktorin von Zoo und Tierpark zurück. Und das mutet an wie ein Déjà-vu. Denn Thöne ist der zweite Vorstand, der das Kräftemessen mit dem zoologischen Direktor Bernhard Blaszkiewitz verloren hat. Schon ihr Vorgänger Gerald Uhlich war mit dem Anspruch angetreten, einen Masterplan für den Tierpark zu entwickeln. Und scheiterte: Ende 2007 musste er im Streit mit Blaszkiewitz gehen. Es folgte Thöne - keine Biologin, keine Tierärztin, sondern ehemalige SPD-Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Finanzen. Ihr neuer Arbeitgeber war der Aufsichtsrat des Zoos. Im Jahr 2008 zahlte das Land Berlin - nach alter Sitte - noch Millionen Euro an Unterstützung für den Zoo. Doch die sind seit 2012 gestrichen - und damit auch der Einfluss des Landes im Aufsichtsrat. Immerhin gibt der Senat noch Millionen Euro für den Tierpark. Die 1955 im Ostteil der Stadt eröffnete Einrichtung wurde dem zwischen Charlottenburg und Tiergarten gelegenen Zoo in den 90er-Jahren vom Land Berlin übertragen. Die finanziellen Zuwendungen an den Tierpark sind folglich vor allem als Motivation an die Muttergesellschaft Zoo zu verstehen, den Tierpark bloß nicht an die Kommune zurückzugeben - sondern die Probleme selbst zu lösen. Doch bei aller Politik: Der Aufsichtsrat ist und bleibt Arbeitgeber und Kontrollgremium für den Vorstand von Zoo und Tierpark. Er sollte handeln. Denn Thöne schreibt in ihrem Abschiedsbrief an alle Mitarbeiter ihrem Kollegen Blaszkiewitz eine Mitschuld für ihr Scheitern zu. Die 57-Jährige formulierte es so: "Es ist mir nicht mehr möglich, in Vorstand und Geschäftsführung der Gesellschaften weiterhin konstruktiv zu arbeiten. Durch meine Entscheidung möchte ich meinen persönlichen Beitrag dazu leisten, einen Neuanfang in der Leitung der Unternehmen zu ermöglichen." Nun könnte der Aufsichtsrat, den Frank Bruckmann, der Chef der Berliner Wasserbetriebe, führt, jemanden suchen, der endlich ein geeigneter Sparringspartner für den durchaus dickhäutigen Blaszkiewitz ist. Doch reicht das? Dem Aufsichtsrat liegt ein anwaltliches Gutachten zur Führungskultur von Blaszkiewitz vor. Mehr als ein Viertel der Belegschaft soll sich negativ über ihn äußern, fühlt sich gemobbt, beklagt seine sprachliche Ausdrucksweise. Entweder man entkräftet öffentlich alle Gerüchte und stärkt Blaszkiewitz den Rücken - was inzwischen absurd anmutet. Oder man macht einen echten Neuanfang - mit einem neuen Vorstand.

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