BERLINER MORGENPOST

Mehr Wettbewerb für Kitas
Leitartikel von Diana Zinkler

Berlin (ots) - Es ist eine Erfolgsmeldung, die Familienministerin Kristina Schröder (CDU) am Donnerstag verkünden konnte. Wenn auch nicht gleich alle benötigten Kita-Plätze für die unter Dreijährigen vorhanden sein werden, dann zumindest im Laufe des Jahres. Es soll bundesweit sogar mehr als die veranschlagten 780.000 Plätze geben. Auch wenn es in Großstädten noch zu Engpässen kommen kann, so haben Eltern die Möglichkeit, die Betreuung für ihre Kinder vom 1. August an einzuklagen. Ein Rechtsmittel, das dem Anspruch angemessen ist. Das ist ein positives Signal. Und in dem wachsenden Kita-Angebot liegt eine weitere Chance: Steigender Wettbewerb wird die Angebote für berufstätige Eltern verbessern. Denn in der Realität ist es in einigen Berliner Stadtteilen immer noch nicht einfach, einen Platz zu bekommen. Ein bisschen Schuld daran haben auch die Eltern selbst. Einige bewerben sich bei bis zu 20 Kitas gleichzeitig und vergrößern damit das Chaos. Das zeigt aber auch, dass die Angst groß ist, am Ende ohne Platz dazustehen oder dafür weit fahren zu müssen. Wohin mit dem Kind, wenn der Wiedereintritt in den Job schon geplant ist und die finanzielle Situation ihn nach einem Jahr Elterngeld wieder notwendig macht? In Stadtteilen wie Prenzlauer Berg oder Kreuzberg ist die Nachfrage besonders hoch, hier muss das Angebot erhöht werden. Doch überhaupt einen Platz zu bekommen, ist nur ein Teil des Problems. Häufiger finden Eltern nämlich keine Kita, die lange genug geöffnet hat. Was soll eine Verkäuferin ihrem Chef sagen, wenn das Geschäft bis 18 Uhr geöffnet ist? Soll sie sagen: "Die Kita schließt aber schon um 16 Uhr." Wie soll das gehen? Willkommen in der modernen Arbeitswelt, in der Flexibilität oft ein Einstellungsmerkmal ist. Die meisten Kitas sind nur bis 16, 17 Uhr geöffnet. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die eine Betreuung bis 18 oder 19 Uhr anbieten. Hier sind Eltern auf Babysitter oder Verwandte angewiesen. Doch eine zusätzliche Betreuung bedeutet mehr Kosten und mehr Organisation des Alltags mit Kind. Und warum mehr arbeiten, wenn man dann für viel Geld den Babysitter bezahlen muss? Bisher sind private Kitas hier ein Vorbild: Sie nutzen die Lücke im staatlichen Angebot und haben attraktivere Öffnungszeiten. Sie bieten umfassenden Service, trotz hoher Preise ist die Nachfrage mehr als ausreichend. Doch genau hier liegt das Problem. Flexible Öffnungszeiten sind längst kein Thema mehr nur für Gutverdiener. Viele Familien können sich eine private Kita nicht leisten. Es kann auch nicht der Sinn des staatlichen Ausbaus der Plätze sein, dass Eltern auf private Kitas ausweichen müssen. Aber das wird sich ändern. Konnten sich viele Kita-Betreiber angesichts der hohen Nachfrage bisher zurücklehnen, ihre Öffnungszeiten den Eltern gewissermaßen aufzwingen, müssen sie sich hoffentlich bald auf einem größeren Markt behaupten, im besten Fall sogar um die Gunst ihrer Kunden werben. Dann können nicht nur mehr Eltern arbeiten, auch die Betreuung wird besser.

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