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Kampf dem Krebs Norbert Lossau über die Chancen, die das neue nationale Krebsregister bieten kann

Berlin (ots) - Jeder vierte Bundesbürger stirbt an Krebs. Das ist eine erschreckende, ja eine Angst machende Zahl. Doch es gibt begründete Hoffnung, dass mehr und mehr Menschen ihre Krebserkrankung besiegen oder zumindest viele Jahre damit gut überleben können. Grund dafür sind immer bessere Diagnose- und Therapiemöglichkeiten, die von Wissenschaftlern und Ärzten entwickelt werden. Doch oft ist nicht klar, ob für einen bestimmten Patienten die Therapie A erfolgversprechender ist als die Therapie B oder C. An dieser Stelle wird in Zukunft das nationale Krebsregister konkret bei der Behandlung von Patienten helfen können. Aus einer großen Menge medizinischer Daten, welche Therapien welchen Patienten geholfen haben, lässt sich nämlich für den Einzelfall ableiten, wie man am besten vorgehen muss, damit es die größtmögliche Chance für eine erfolgreiche Therapie gibt. Eigentlich ist dieses Vorgehen eine Selbstverständlichkeit, doch offenbar waren bislang gewisse Widerstände zu groß, diese dem Menschen dienende, wissenschaftliche Methodik flächendeckend in Deutschland anzuwenden. Natürlich wird künftig für einzelne Kliniken die Gefahr bestehen, dass sie an den Pranger gestellt werden könnten, wenn bei ihnen die Erfolgsquote bei der Therapie bestimmter Krebserkrankungen sehr unterdurchschnittlich ist. Doch nur durch diese Transparenz kann der medizinische Fortschritt wirklich überall im Lande ankommen. Man wird von den erfolgreichen Kliniken und der Statistik des Krebsregisters lernen, wie man es besser machen kann - damit möglichst viele Patienten eine gute Prognose haben können. Mindestens ebenso wichtig wie die optimale Therapie ist natürlich die Vermeidung von Krebserkrankungen. Wer rechtzeitig und regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen geht, kann sein Risiko für eine Krebserkrankung deutlich senken. Auch hier sind nun von der Politik die richtigen Weichen gestellt worden. In Zukunft sollen schriftliche Erinnerungen nicht nur für die Früherkennung von Brustkrebs, sondern auch bei Darm- und Gebärmutterhalskrebs an die Bürger verschickt werden. Da insbesondere der Darmkrebs eine Erkrankung ist, die sich durch rechtzeitige Vorsorgeuntersuchungen praktisch vollständig vermeiden lässt, dürften durch diese Maßnahme hierzulande viele tausend Menschleben gerettet werden. Bislang haben jedenfalls viel zu wenige die von den Krankenkassen offerierten Untersuchungen wahrgenommen. Insbesondere die Männer müssen leider noch immer als Vorsorgemuffel bezeichnet werden. Vielleicht ändert sich dies ja, wenn sie per Brief aufgefordert werden, ihr Leben zu retten. Mit der schriftlichen Einladung zur Darmkrebsvorsorge wird von der Politik nun endlich eine Forderung erfüllt, für die sich insbesondere die Felix-Burda-Stiftung seit Jahren mit Nachdruck eingesetzt hat. Durch das nationale Krebsregister und ein verstärktes Werben für Vorsorgeuntersuchungen werden die Krankenkassen unter dem Strich viele Millionen sparen können. Und: Es werden den Menschen viele gesunde Lebensjahre geschenkt.

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