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Hochschulen doppelt exzellent - Leitartikel von Joachim Fahrun

Berlin (ots) - Berlins Wissenschaft ist spitze. Diese Position in Deutschland spiegelt sich in der neuen Runde der Exzellenzinitiative wieder. Neben der Freien Universität hat sich im zweiten Anlauf auch die Humboldt Universität den begehrten Status einer Elite-Hochschule gesichert. Die Gutachter würdigten, wie sich Berlins Vorzeige-Unis neu erfunden haben. Die FU schrumpfte sich von einer überfüllten, politisch konstant überhitzten Massenveranstaltung zu einer leistungsstarken, international vernetzten Bildungs- und Forschungsstätte. Die HU wandelte sich von einer DDR-Kaderschmiede zu einem der intellektuellen Zentren der Berliner Republik. Die FU kann mit den weiteren Fördermillionen ihre Netzwerke in die Region hinein enger knüpfen. Die HU bekommt finanziellen Rückenwind, um durch organisatorische Reformen bessere Forschung und Nachwuchsförderung zu ermöglichen. Der Schlüssel zum Erfolg Berlins war, dass die Universitäten ihren Elfenbeinturm verlassen haben. Sie haben sich untereinander und mit den vielen außeruniversitären Forschungsstätten zusammengetan und deren Potenziale für sich erschlossen. Wenn man zusammenzählt, was Berlin an Spitzeninstituten bietet, ist es folgerichtig, dass die Stadt wie auch München zwei Eliteunis verträgt. Die Landespolitik muss jetzt dafür sorgen, dass die mit Bundes-Millionen gepäppelten Exzellenz-Projekte nicht im luftleeren Raum schweben. Sie brauchen eine finanziell gut ausgestattete Umgebung, vor allem weitere Investitionen in die Lehre. Studenten können sich freuen, einen Elite-Forscher zu hören. Wenn sie dabei auf dem Boden sitzen müssen, haben sie nicht viel davon. Der Exzellenzwettbewerb hat an den Universitäten eine beispiellose Veränderung bewirkt. Überall haben sich Forscher über Fächergrenzen hinweg vernetzt. Uni-Präsidenten haben sich überhaupt erst zu Spitzenforschung und Elite-Ausbildung bekannt. Professoren haben erstmals nachgedacht, was das besondere Profil ihrer Hochschule sei. Auch wenn Experten beklagen, viele Konzepte seien austauschbar und der Fokus habe zu stark auf der Grundlagenforschung und zu wenig auf Lehre und Anwendbarkeit gelegen, waren die Ergebnisse im Großen und Ganzen positiv. Dennoch: Wenn die Freude der Sieger sich gesetzt hat und die Enttäuschung der Verlierer verraucht ist, muss Deutschland dringend eine neue Organisations- und Finanzierungsgrundlage für seine Wissenschaft finden. Das Instrument des reinen Wettbewerbs kann sich auch verbrauchen. Man kann nicht permanent Wissenschaftler dem Stress aussetzen, die nächsten komplexen Anträge einreichen zu müssen - sondern muss sie auch einfach mal arbeiten lassen. Der Bundestag und die Länder müssen dem Bund erlauben, Geld direkt in die Universitäten zu geben. Ein kleines, armes Bundesland wie Berlin kann das ab 2017 wegfallende Geld aus der Exzellenzinitiative nicht kompensieren. Es wäre zum Schaden der Hauptstadt und des Wissenschaftsstandortes Deutschland insgesamt, wenn Berlins Universitäten wieder hinter das nun erreichte, exzellente Niveau zurückfielen.

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