IG saubere Umwelt IGSU

Nationales IGSU Anti-Littering Forum
Neues Kompetenzzentrum gegen Littering

Zürich (ots) - Die Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU) organisierte zum ersten Mal ein Expertenforum zur Littering-Problematik. Nationale sowie internationale Experten, Behördenvertreter und Politiker diskutierten Lösungsansätze. Besonders eingehend wurde über das Pfand gesprochen. Der Tenor war klar: Ein Pfand verhindert Littering nicht.

Die IGSU ist bisher insbesondere durch ihre Botschafter aufgefallen. Die zumeist jungen Leute sprechen Passanten auf eine humorvolle, offene und freundliche Art an und informieren sie über den richtigen Umgang mit Abfall und rezyklierbaren Wertstoffen. In Zukunft soll die IGSU als das nationale Kompetenzzentrum und als Anlaufstelle für alle Litteringfragen wahrgenommen werden. Die Interessengemeinschaft plant zusammen mit verschiedenen Kantonen, dem BAFU und der Organisation Kommunale Infrastruktur eine Online-Toolbox mit Anleitungen zum Vorgehen bei Littering-Problemen und Tipps zur Lösung. Für die Gemeinden und die Schulen soll sie Anlaufstelle sein. Dieses Jahr organisiert die IGSU zudem einen nationalen Clean-Up-Day. In einer konzertierten Aktion werden am 21. September 2013 schweizweit Gemeinden, Firmen, Schulen und Vereine motiviert, gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Littering zu setzen.

Der norwegische Experte Peter Sundt befindet das Schweizer Recylingystem für Dosen und PET-Flaschen als sehr gut. Die Schweiz weise sogar bessere Resultate auf als diverse Länder mit Depotsystem. Der deutsche Littering-Experte Thorsten Plutta von www.littering.de erklärte, dass es auch in Deutschland trotz dem sehr teuren Pfand-System Littering-Probleme gäbe und dass das Pfand deshalb nicht das geeignete Instrument zur Littering-Bekämpfung darstelle. Für Alex Bukowiecki, Geschäftsführer der Organisation Kommunale Infrastruktur, seien die Litteringkosten inskünftig nach dem Verursacherprinzip zu decken. Er fordert eine Entschädigung der Gemeinden in dem sie etwa eine Abgeltung bekommen für die litteringbedingten Reinigungskosten. Bei einer Pfandeinführung müssten die Gemeinden allerdings jährlich auf mehr als 30 Millionen Franken verzichten, die sie heute als Entschädigung für die Sammlung von Getränkeverpackungen bekämen.

150 eingeladene Gäste verfolgten die anschliessende Podiumsdiskussion. Die Nationalräte Alois Gmür und Christian Wasserfallen diskutierten das Für und das Wider einer Pfandeinführung.Alois Gmür, Initiant der parlamentarischen Initiative «Einführung eines Pflichtpfands für Getränkedosen und Getränkeflaschen» glaubt, dass mit dem Pfand das Littering verhindert würde. Das Pfand sei für ihn Natur- und Tierschutz, fördere die Mehrwegflasche und verbessere die Recyclingquote. Nationalrat Christian Wasserfallen bezweifelt, dass die Wegwerfmentalität mit einem administrativ unerhört teuren und aufwendigen Pfandsystem beeinflusst werden könne. Christine Wiederkehr-Luther, Leiterin der Abteilung Ökologie im Migros-Genossenschafts-Bund, gibt zu bedenken, dass die Einführung des Pfandes das eingespielte, bestens funktionierende Recyclingsystem zerstört und enorme Folgekosten auslöst. Ein einzigartiges Netz von 65'000 Sammelstellen führe im heutigen System dazu, dass in der Schweiz 92% der Getränkeverpackungen recycelt werden. Mit einem Pflichtpfand reduzieren sich die Sammelstellen auf rund 6'000. Auch die Ökologie bliebe auf der Strecke: Das Volumen der Retouren wird heute durch Pressanlagen um das zehnfache reduziert. Mit dem Pflichtpfand müssten die allermeisten Läden das Sammelgut unverdichtet annehmen und transportieren, was enorme Mehrfahrten nach sich zieht. Zusätzlich sei das freiwillige Anti-Littering-Engagement im Zusammenarbeit mit den Gemeinden vor Ort zielführender als verordnete, flächendeckende Massnahmen

Ursula Wyss, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün und Gemeinderätin der Stadt Bern, gibt zu bedenken, dass die Pfandeinführung gegen das Littering zu wenig bringt und dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht stimmt. Klar sei, dass etwas geschehen müsse. Freiwilligkeit allein nütze nichts. Wyss kann sich eine höhere Verwertungsquote vorstellen, um den Rücklauf der Getränkeverpackungen noch zu steigern. Weiter ist sie dezidiert der Meinung, dass die Reinigungskosten des Litterings für die Gemeinden nach dem Verursacherprinzip abgedeckt werden müssen.

Kontakt:

Nora Steimer
IGSU IG saubere Umwelt
E-Mail: nora.steimer@igsu.ch
Mobile: +41/76/406'13'86



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