Travail.Suisse

Erste nationale Plattform für pflegende Angehörige

Bern (ots) - Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, präsentierte heute mit der Tagung «Erwerbs- und Care-Arbeit vereinbaren - konkrete Antworten und Lösungswege für die Zukunft» die erste nationale Plattform für pflegende und betreuende Angehörige, die erwerbstätig sind. An der Tagung wurde die Internetseite www.info-workcare.ch lanciert, welche die generationenübergreifende Hilfe innerhalb der Familien fördert.

In naher Zukunft wird es in der Schweiz immer mehr ältere Menschen geben, die auf Betreuung und Pflege angewiesen sind. Viele von ihnen möchten möglichst lange zu Hause bleiben. Um das zu ermöglichen, bieten ihnen Angehörige ihre Hilfe an - zum Teil obschon sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Doch eine Erwerbstätigkeit und die Unterstützung von Angehörigen zu vereinbaren, ist nicht einfach.

Parallel zu dieser Entwicklung wird in der Schweiz der Fachkräftemangel immer akuter, da es immer schwieriger wird, im Ausland zu rekrutieren. Die Bedürfnisse der erwerbstätigen pflegenden Angehörigen und die des Schweizer Arbeitsmarkts divergieren immer mehr.

Aus diesem Grund hat Travail.Suisse Vertretungen von Forschung und Politik eingeladen, gemeinsam konkrete Antworten und gangbare Wege in die Zukunft zu diskutieren: Dr. Yannis Papadaniel, Universität Lausanne UNIL, stellte Teile des Nationalen Forschungsprogramms NFP 67 zum Thema "Lebensende" vor. Die qualitative Studie zeigt insbesondere, dass "Pflegende Angehörige" in der Arbeitswelt noch kein Thema sind. Die zweite Expertin, Heidi Stutz vom Büro BASS, präsentierte Möglichkeiten und Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit. Sie erinnerte daran, dass die unbezahlte Betreuung von eigenen Angehörigen zum wichtigen Armutsfaktor geworden ist. Jede Massnahme muss das den Schutz der Betroffenen im Auge behalten, aber zwingend auch kompatibel mit dem Arbeitsmarkt bleiben. "Vor allem aber braucht es jetzt eine Kultur der Vereinbarkeit", so Stutz.

Vereinbarkeit muss zwingend verbessert werden

Aus Sicht von Travail.Suisse ist klar, dass Verbesserungen für erwerbstätige pflegende Angehörige zuoberst auf die Agenda gehören und stellt deshalb bereits heute ein konkretes Projekt vor: Ab heute werden mit der Seite www.info-workcare.ch effiziente und zielgerichtete Hilfestellungen für Betroffene angeboten. Die Website bietet kostenlose Informationen, Ratschläge, Tools und nützliche Adressen für alle erwerbstätigen pflegenden Angehörigen. Das Informationsangebot richtet sich gezielt an erwerbstätige und pflegende Personen, die ihre älteren Angehörigen betreuen und unterstützt sie dabei, Erwerbsarbeit und Care-Arbeit miteinander zu vereinbaren. "Mit diesem neuen Angebot wollen wir die intergenerationelle Hilfe innerhalb der Familien fördern - sei es von Frauen oder auch von Männern", sagt Valérie Borioli Sandoz, Projektleiterin und Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse.

Zwei Parlamentarier, darunter der transfair-Präsident NR Stefan Müller-Altermatt, präsentierten anschliessend ihre Vorstösse, diskutierten mit den Forschern laufende und künftige Arbeiten, bevor Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in seiner Rede erklärte, wie wichtig es ist, dass - gerade in Zeiten von Fachkräftemangel - pflegende Angehörige im Erwerbsprozess bleiben. "Pflegende Angehörige müssen selbstverständlich weiter arbeiten können", so Schneider-Ammann, "dafür braucht es unter anderem Informationen, viel Informationen, gerade auch in den Unternehmen." Der Bundespräsident gratulierte Travail.Suisse zur nationalen Plattform www.info-workcare.ch als wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung.

Der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit kommt eine immer grössere Bedeutung zu, vor allem auch hinsichtlich Fachkräftemangel. Travail.Suisse hat anlässlich des Spitzentreffens Fachkräfte Schweiz ein Positionspapier erarbeitet, das zeigt, wie und wo eine bessere Vereinbarkeit dem Fachkräftemangel entgegenwirkt.

» zum Positionspapier "Das inländische Fachkräftepotenzial wirklich fördern" (http://www.travailsuisse.ch/system/uploadedfiles/3862/original/2016_09_12_TravailSuisse-Positionspapier_FKI-Spitzentreffen_d_def.pdf)

Kontakt:

Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik
Travail.Suisse, 031 370 21 11, 079 598 06 37



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