Travail.Suisse

Die Schere öffnet sich weiter - Politik ist gefordert

Bern (ots) - Im Jahr 2013 hat sich die Lohnschere der Konzernleitungen von 18 Unternehmen geöffnet, das sind so viele, wie seit 2007 - also dem Jahr vor der Finanzkrise - nicht mehr. Das zeigt die Analyse, die Travail.Suisse dieses Jahr zum zehnten Mal durchgeführt hat. Die Zahlen machen deutlich, dass die Abzockerinitiative keine Wirkung entfaltet. Die Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft geht weiter und die Politik ist gefordert, neue Massnahmen gegen diese bedenkliche Entwicklung zu finden.

Bereits zum zehnten Mal in Folge hat Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, die Schere zwischen den höchsten und den tiefsten Löhnen in 27 Schweizer Unternehmen untersucht. Die Analyse zeichnet ein beunruhigendes Bild.

Lohnschere öffnet sich vor allem bei der "zweiten Garde"

Im Geschäftsjahr 2013 hat sich die Lohnschere in vielen dieser Unternehmen wieder leicht geöffnet. Die Firmen Roche, Novartis, Nestlé, UBS und Lindt&Sprüngli fallen noch immer mit Lohnscheren von über 1:200 auf. Zusammen mit Credit Suisse, ABB, Swatch, Zurich, Oerlikon und Clariant sind es 11 Unternehmen, die ihren CEO weit über 5 Millionen Schweizer Franken bezahlen. Die Plätze im "Lohnkartell" (siehe Plakat) - es sind noch immer 42 - sind alle von Managern dieser Unternehmen belegt.

Die Entwicklung bei der "zweiten Garde", d.h. bei den restlichen Konzernleitungsmitgliedern, ist noch eindeutiger. Diese zweite Garde profitiert von einem starken Wachstum ihrer Entschädigungen: Bei 22 Unternehmen ist die durchschnittliche Entschädigung gestiegen. Insgesamt öffnete sich die Lohnschere der Konzernleitung in 18 Unternehmen, was die flächendeckendste Öffnung seit 2007 darstellt. Beispielhaft für diese Öffnung der (durchschnittlichen) Lohnschere der Konzernleitung der letzten Jahre ist die Entwicklung seit 2010 bei der ABB (von 1:78 auf 1:101), bei Lonza (von 1:25 auf 1:47), bei Kuoni (von 1:33 auf 1:41) und bei Implenia (von 1:24 auf 1:30).

Abzockerinitiative zeigt keine Wirkung - Politik muss handeln

Die neusten Zahlen der Travail.Suisse-Analyse zeigen, dass die Abzockerinitiative das Problem sicher nicht lösen wird: Im ersten Jahr nach ihrer Annahme haben sich die Lohnscheren der Konzernleitungen fast flächendeckend weiter geöffnet. Da zudem die 1:12-Initiative an der Urne gescheitert ist, sind neue Lösungen gefragt, um der Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft zu begegnen. Travail.Suisse fordert deshalb folgende Massnahmen:

   - Lohnschutz stärken: Das Vertrauen in die Wirtschaft kann nur 
     steigen, wenn sich die arbeitende Bevölkerung gerecht behandelt 
     fühlt und keine Angst haben muss vor Arbeitsplatzverlust und 
     Lohndumping.
   - Tiefsteuerpolitik für hohe Einkommen und Unternehmen beenden: 
     Von den Steuererleichterungen der letzten Jahre profitieren 
     primär Personen mit hohen Einkommen. Gleichzeitig sind mit der 
     Unternehmenssteuerreform III erneut massive Steuergeschenke an 
     die Unternehmen geplant. Diese völlig verfehlte Steuerpolitik 
     ist zu beenden.
   - Steuertransparenz und Solidaritätsbeitrag bei hohen Einkommen: 
     Das Ja zur Abzockerinitiative hat gezeigt, dass die hohen Saläre
     gesellschaftlich nicht akzeptiert sind. Wenn diese Saläre aber 
     nicht direkt limitiert werden sollen, dann muss die Politik den 
     Nutzen für die Allgemeinheit erhöhen und explizit machen. Dazu 
     fordert Travail.Suisse für Einkommen ab bspw. 500'000 Franken 
     volle Steuertransparenz und einen Solidaritätsbeitrag. 

> mehr Informationen: http://www.travailsuisse.ch/medien/medienmitteilungen

Kontakt:

- Martin Flügel, Präsident Travail.Suisse, 079 743 90 05
- Jacques-André Maire, Nationalrat und Vizepräsident Travail.Suisse,
Tel. 078 709 48 50
- Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 076 412
30 53



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